Pinneberg 1

„Widerwärtig“ wie sich das Jobcenter Pinneberg über Hartz-4-Empfänger lustig macht

Es wird ja nicht besser, wenn man die Realität mit Buntstiften anmalt und meint, dass alle Spaß haben. Nur weil ein vermeintlich genialer Kopf aus der Wirklichkeit des Hartz-4-Alltages ein Comic zeichnet, sind die Probleme plötzlich erträglicher? Das Jobcenter Pinneberg griff 2013 ganz schön tief ins Klo, wie wir finden.

Was war los?
In Pinneberg kam man auf die glorreiche Idee, einen Ratgeber zum Arbeitslosengeld II (ALG II) zu veröffentlichen. Und damit es auch jeder kapiert, der solche Leistungen empfängt, müssen bunte Bildchen her – andernfalls versteht man das doch nicht, korrekt liebes Jobcenter? So zeigt die Geschichte der erfundenen Familie Fischer auf insgesamt 112 Seiten, wie man sich so richtig für das Jobcenter demütigen kann.

Die Vorschläge:
»Legen Sie Steine in die WC-Spülung, um Wasser zu sparen.«

»Trinkt Leitungswasser, statt Getränke zu kaufen«

»Verzichtet doch alle mal eine Woche auf Fleisch«

»Baut euer eigenes Gemüse an«

»Verkauft alte Möbel, damit ihr davon leben könnt«

Und was für aufmunternde Worte gibt es dazu von einer fiktiven Freundin, dieser erfundenen Familie? Sicher die richtige Herangehensweise:
»Vielleicht müsst ihr euch nur dran gewöhnen«.

Wir möchten ja nicht abstreiten, dass der ein oder andere Vorschlag umsetzbar ist. Deutschland hat bundesweit wirklich gutes Leitungswasser. Und wenn man schon das Glück eines Gartens hat, sollte man diesen auch richtig nutzen.

Aber ganz nüchtern betrachtet: Was maßt sich das Jobcenter Pinneberg da an?

Wie ging es weiter?
Selbst der Umzug in eine kleinere Wohnung lässt die Heiterkeit der immer zufriedenen Familie nicht verfliegen. Dort darf nämlich noch eigenständig renoviert werden. Und weil die Mutter der Familie großen Gefallen am Streichen findet, kann nur Hartz 4 so viel Spaß machen. Seht ihr das genauso?

Unsere Empfehlung:
Die Broschüren gern kostenfrei als Brennstoff für Öfen zur Verfügung stellen. Hier haben sie die beste Wirkung.

Und wenn ein Jobcenter schon so über euer Leben denkt und versucht den Alltag zu bestimmen – wie realistisch ist dann die Richtigkeit eures Bescheides? Zieh gern in Betracht, dass auch hier einiges verzerrt ist und lasse zur Sicherheit deinen Bescheid prüfen.

 

Dieser Beitrag hat 7 Kommentare

  1. Wer immer noch Zweifel daran gehabt haben sollte, dass Neoliberalismus in erster Linie den Kampf gegen die Menschlichkeit bedeutet, der sollte sich solche Aktionen genau ansehen. Die ganze Behörde wird mittlerweile von einem Zynismus getragen, den man so noch bestens aus düsteren Zeiten kennt, die längst vergessen schienen. Eiskalt, menschenverachtend, dem Sozialstaatsgebot Hohn spottend, verfassungswidrig. Wie lange noch?

  2. Einfach mal diese sogenannten „Sachbearbeiter“ auf Hartz-IV Niveau setzen mal sehen ob die das dann immer noch lustig finden.

  3. Mit dem sozialen Netz eines BGE
    verschwinden Sorgen um Arbeit und
    Arbeitslosigkeit.
    Schliesslich schafft die Forderung nach
    BGE eine Verbindung zwischen den Bedürfnissen verschiedener Gruppen :
    Beschäftigten, Unterbeschäftigten,
    Zeitarbeitskräften und Arbeitslosen,
    Migranten, Studierenden, Behinderten.
    Die Forderung artikuliert eine gemeinsames Interesse dieser Gruppen
    und bietet eine breite Orientierung,
    um die Bevölkerung dafür zu Mobilisierung.

  4. Warum „Widerwärtig“ in Gänsefüßchen, wer hat das denn gesagt und wo ist die Quelle? Gibt es denn Bilder oder andere Belege, dass dieses Buch existiert und wie es aussieht? Ich würde mir gern ein Bild davon machen. Danke

  5. Da muss man schon eine ganz besondere Sorte „Mensch“ sein um beim Jobcenter zu arbeiten.

    Die verantwortlichen Mitarbeiter die diese Vorschläge erarbeitet haben wurden bestimmt schon befördert. Krank!

    Danke SPD!

    1. … dabei bitte nicht CDU, CSU, FDP, Grüne usw. vergessen. Die habens nämlich dankend weitergeführt und noch verfeinert.

      Das Schlimme daran: man müsste noch nicht mal Geld in die Hand nehmen um soziale Standards in Deutschland massiv zu erhöhen.

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