Aktualisiert am 18.09.2020

Der Unterhaltsvorschuss

Unterhaltsvorschuss können Sie als als alleinerziehender Elternteil beim Jugendamt beantragen, wenn Sie keinen oder nur unregelmäßigen Unterhalt vom anderen Elternteil bekommen. Im Alter zwischen 0 und 12 Jahren hat Ihr Kind zeitlich uneingeschränkt Anspruch auf Unterhaltsvorschuss.

Höhe des Unterhaltsvorschusses

Als Alleinerziehende tragen Sie nicht nur alleine die Verantwortung für Ihr Kind, sondern befinden sich auch unter besonders hohem finanziellen Druck. Wenn dann noch der andere Elternteil des Kindes nicht zahlen kann oder möchte, haben Sie als Betroffene ein Problem.

Der Unterhaltsvorschuss ist dafür vorgesehen, genau in solchen Situationen nach einer Trennung oder Scheidung zu helfen. Unterhaltsvorschuss müssen Sie aber nicht beim Jobcenter beantragen, sondern beim Jugendamt. Das Jugendamt zahlt ihn auch aus. Außerdem gibt es folgende Regelungen:

  • Zwischen 0 und 12 Jahren hat das Kind uneingeschränkt Anspruch auf den Unterhaltsvorschuss. Bis Juli 2017 konnten Kinder höchstens sechs Jahre lang Unterhaltsvorschuss bekommen. Das ist aber nicht mehr so.
  • Zwischen 12 und 18 Jahren hat das Kind Anspruch auf Unterhaltsvorschuss, wenn es keine Hartz 4-Leistungen erhält.
  • Verdient der alleinerziehende Elternteil mindestens 600 EUR brutto im Monat, besteht immer ein Anspruch auf Unterhaltsvorschuss – ob im Hartz 4-Bezug oder nicht.

Auch die Höhe der Unterhaltsvorschusszahlungen sind nach Alter gestaffelt:

Alter

Unterhaltsvorschuss 2020

Unterhaltsvorschuss 2021

 

Kinder von 0-5 Jahren

165 EUR

159 EUR

Kinder von 6-11 Jahren

220 EUR

215 EUR

Kinder von 12-17 Jahren 

293 EUR

289 EUR

Einkommen des Kindes

Der Unterhaltsvorschuss gilt als Einkommen Ihres Kindes und wird nach dem Zuflussprinzip als Einnahme in dem Monat angerechnet, in dem er zufließt. Zuflussprinzip bedeutet, dass das Geld immer in dem Monat angerechnet wird, in dem es auf Ihr Konto überwiesen wird. Das hat zur Folge, dass die Regelleistung Ihres Kindes in diesem Monat um den Betrag des Unterhaltsvorschusses gemindert wird.

Beispiel: Unterhaltsvorschuss berechnen

Sie leben allein mit Ihrem vierjährigen Kind. Ihre Kosten der Unterkunft sind 600 EUR. Für Ihr Kind bekommen Sie 204 EUR Kindergeld und 165 EUR Unterhaltsvorschuss. Ihr Kind hat einen Regelbedarf von 245 EUR (Regelbedarf für 2020). Außerdem braucht es 300 EUR für seinen Anteil an den Unterkunftskosten. Also:

Bedarf: 245 EUR + 300 EUR = 545 EUR

Einkommen: 204 EUR + 165 EUR = 369 EUR

Jobcenter zahlt: 545 EUR – 369 EUR = 176 EUR

Der monatliche Hartz 4-Regelsatz sinkt also um die Höhe des Betrages des Unterhaltsvorschusses. Allerdings würde das Jobcenter ebenfalls so vorgehen, wenn Sie das Geld nicht vom Jugendamt, sondern von dem anderen Elternteil Ihres Kindes bekommen würden. Sie haben also immerhin keinen Nachteil.

Mitwirkungspflicht: Sozialleistungen beantragen

Wenn Sie Hartz 4 bekommen, sind Sie dazu verpflichtet, vorher alle anderen Sozialleistungen zu beantragen, die für Sie infrage kommen. Das Jobcenter kann Sie auffordern, Ihrer Mitwirkungspflicht nachzukommen und diese Anträge zu stellen. Denn der Hartz 4-Regelsatz ist nur für Hilfebedürftige gedacht.

Hinweis: Hartz 4 ist eine nachrangige Leistung

Unterhaltsvorschuss ist im Verhältnis zu Hartz 4 eine nachrangige Leistung. Das bedeutet, dass Sie zuerst Unterhaltsvorschuss beantragen müssen. Wenn Unterhaltsvorschuss und Kindergeld nicht ausreichen, um den Bedarf Ihres Kindes zu decken, füllt Hartz 4 quasi die Lücke auf.

Kann das Jobcenter Unterhaltsvorschuss fiktiv anrechnen?

Wenn Sie trotz Aufforderung keinen Unterhaltsvorschuss beantragen, kann das schwerwiegende Konsequenzen für Sie haben. Das Jobcenter kann dann argumentieren, dass Sie die Hilfebedürftigkeit Ihres Kindes herbeigeführt haben. Das ist strenggenommen keine fiktive Anrechnung von Einkommen, der Effekt ist aber der gleiche:

Das Jobcenter kann den Betrag von Ihren Hartz 4-Regelleistungen abziehen, den Sie vom Jugendamt erhalten würden. Auch, wenn Sie ihn aktuell gar nicht bekommen. Aus Sicht des Jobcenters sind Sie „selber schuld“, dass Ihnen dieses Geld nun fehlt, da Sie keinen Antrag beim Jugendamt gestellt haben. Erst wenn das Jugendamt Ihren Antrag auf Unterhaltsvorschuss ablehnt, muss das Jobcenter einspringen.

Muss der Vater den Unterhaltsvorschuss zurückzahlen?

Unterhaltsvorschuss ist tatsächlich ein Vorschuss – auf den Unterhalt, den der unterhaltspflichtige Elternteil – also in der Regel der Vater – zahlen müsste. In der Theorie zahlt das Jugendamt nur einen Vorschuss, um den Unterhalt des Kindes erst einmal zu sichern. Später kann es sich das Geld vom Unterhaltsschuldner – also meistens dem Vater – zurückholen.

Gerade viele Mütter plagt ein schlechtes Gewissen, wenn Sie Unterhaltsvorschuss beantragen. Sie fürchten, dass sie den Expartner in finanzielle Schwierigkeiten bringen, weil er später den Unterhaltsvorschuss zurückzahlen muss. Diese Sorge ist aber in den meisten Fällen unangebracht, und das aus zwei Gründen:

  • Wenn der andere Elternteil nicht genug verdient, muss er auch nicht zahlen. Wer selbst nur sein Existenzminimum decken kann, von dem kann das Jugendamt das Geld nicht zurückfordern. Unterhaltspflichtige haben allerdings eine gesteigerte Erwerbsobliegenheit. Sie müssen also versuchen, ihren Zahlungspflichten nachzukommen.
  • Selbst wenn der andere Elternteil hätte zahlen müssen: Die Jugendämter haben oft nicht die Ressourcen, um zu überprüfen, ob sie sich Geld zurückholen können und verfolgen deswegen nicht alle Fälle. Bundesweit holten die Jugendämter beispielsweise 2018 nur 13 % der Unterhaltsvorschüsse wieder zurück.

Quellen:

Die Autorin: Johanna Höfer

Johanna Höfer

Nach einem Master in Transkulturelle Studien an der Universität Bremen arbeitete sie als Sozialarbeiterin zuerst bei der AWO und dann für die Stadt Bremen. Nun informiert sie als Redakteurin bei hartz4widerspruch.de über praktische Tipps für den Umgang mit Hartz IV.

8 Antworten auf „Unterhaltsvorschuss“

  1. Hallo ich bekomme harz 4 und habe im oktober 2019 uvg angemeldet ich habe vom jobcenter nicht mehr geld bekommen als ich kriegen sollte und wir haben darauf gewartet eine nachzahlung zu bekommen Aber das jobcenter meinte das hat alles seine richtigkeit das wir nichts mehr nachgezahlt bekommen? Stimmt das eigentlich steht mir das Geld doch zu Das ich es nachgezahlt bekomme?

  2. wie sieht es eigentlich aus, wenn man keinen Anspruch auf den Unterhaltsvorschuss hat, weil der Kindsvater unbekannt ist und somit nicht angegeben werden kann? Rechnet das Jobcenter dann trotzdem den Vorschuss an?

  3. Hallo, ich bin berufstätig , bekomme aber noch einen Zuschuss für mich und meine 2 Kinder vin Höhe von 350€ pro Monat. Mein Sohn dem Unterhaltsvorschuss zusteht, bekommt 84€ vom Jobcenter laut Bescheid. Darf der Unterhalt nur auf seine Leistung angerechnet werden oder auch auf unser gesamtes ALG2 ? Das ist irgendwie sehr verwirrend.

  4. Hallo. Habe eine Frage

    Die ex von mein Mann will den Unterhalt haben in Höhe von 371€ mein Mann kann es aber nicht zahlen kann die Mutter von dem 12 jährigen unterhaltvorschuss beantragen??

  5. Hallo,
    Ich bin Alleinerziehend und erhielt beim Berufseinstieg nach meiner Elternzeit im Harz4
    2 Monate lang Unterhaltsvorschuss und Unterhalt. Das Jugendamt konnte die Auszahlung (Unterhaltsvorschuss) bei der Abmeldung nicht mehr stoppen.
    Ich soll den Unterhaltsvorschuss doppelt zurück zahlen. Einmal an die Unterhaltsvorschusskasse (dies würde schon getätigt) und ans Jobcenter in gleicher Höhe, weil Sie die Rückzahlung an die Unterhaltsvorschusskasse nicht anerkennen und nicht dagegen verrechnen.
    Warum muss ich es doppelt zurück zahlen? Was kann man dagegen tun?

  6. Wenn du es nicht meldest, wird das Jugendamt denken du zahlst nicht und den Unterhaltsvorschuss später von dir zurückfordern. Du bezahlst im Endergebnis unnötig doppelt, wenn du es nicht nachweisen kannst, dass du zahlst. Einmal 150 zahlst du an Jugendamt und einmal 150 Euro an deine Freundin. Eine Barzahlung kannst du nicht nachweisen. Sollte deine Freundin dem Jugendamt erzählen du hast ihr nichts gegeben, dann kannst du das Getenteil nicht beweisen-
    Deine Aussage gegen Ihre Aussage. Lass dich von deiner Freundin nicht verarschen und überweise das Geld. Wenn du es nicht meldest, dass du zahlst und nicht nachweisen kannst, bist DU der Idiot der die Konsequenzen trägt und zurüzkzahlt. Deine Freundin erzählt einfach ,Sie habe nichts bekommen und ist fein raus. Ich bin eine Frau, Du tust mir echt leid. Gruß

  7. Hallo,
    Ich und meine Freundin haben ein gemeinsames Kind , ich habe erst vor 2 Monate mitbekommen dass ich vater des Kindes bin, ich habe vaterschaftannerkant.
    Meine freundin bekommt Leistung zum Leben von jobcenter, sie hat aber auch vor 2 Monate vordem anerkennung der Vaterschaftnd hat eine Ca. 2 Monate einen Antrag auf Unterhaltvorschuss beim Jugendamt gestellt.
    Heute habe ich einem Förderung von Jugendamterhalten dass ich monatlich 150 Euro zahlen muss .
    Meine Freundin möchte aber das Geld in Bar von mir bekommen und es nicht bei der Jobcenter melden.
    Meine frage ist .: Muss ich jobcenter es melden dass ich ihr monatlich 150 Euro Geld in Bar gegen Quittung überlassen , oder das Geld aufs Konto überweisen und Jobcenter bescheid geben?
    Wie soll ich mich verhalten?
    Wenn ich es nicht bei Jobcenter melden, mache ich mich strafbar? Oder wenn sie erhaltene unterhaltvorschuss nicht bei Jobcenter meldet macht sie sich strafbar?
    Mfg

  8. Ich und meine freundin haben ein gemeinsames Kind sie bekommt Geld von jobcenter und hat gie Ca. 2 Monate einen Antrag auf Unterhaltvorschuss beim Jugendamt gestellt. Ich habe einem Förderung von Jugendamterhalten dass ich monatlich 150 Euro zahlen muss .
    Meine Freundin möchte das Geld aber in Bar bekommen und es nicht bei der Jobcenter melden.
    Muss ich jobcenter es melden dass ich ihr monatlich 150 Euro Geld in Bar oder aufs Konto überweisen.
    Oder musst sie es bei Jobcenter selber melden?
    Wie soll ich mich verhalten?
    Wenn ich es nicht bei Jobcenter melden, mache ich mich strafbar? Oder wenn sie erhaltene unterhalt Vorschuss nicht bei Jobcenter meldet macht sich strafbar?

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