Obdachlos und Hartz 4: ALG 2 trotz Obdachlosigkeit erhalten

Nach Schätzungen der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe leben in Deutschland mehr als eine Million Menschen auf der Straße. Manche sind über die jeweiligen Ländergesetze der Sicherheit und Ordnung vorübergehend in Wohnheimen oder an anderen Stellen untergebracht. Wohnungslosigkeit und Wohnungsnot werden immer mehr zu einem gravierenden gesellschaftlichen Problem, das auch auf die mangelhafte Wohnungspolitik in Ländern und Kommunen, aber auch im Bund zurückzuführen ist. Hinzu kommt eine Überforderung in Krisensituationen, sodass der Abstieg in die Obdachlosigkeit ein schneller sein kann. Ob Menschen, die obdachlos sind, einen Anspruch auf Hartz IV haben, und welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen – wir haben die wichtigsten Informationen für Sie zusammengefasst.

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Bekommen Obdachlose Hartz 4?

Voraussetzung für die Inanspruchnahme von Hartz 4 nach dem Sozialgesetzbuch II ist, dass ein Mensch hilfebedürftig ist. Das bedeutet, dass Sie vorübergehend oder dauerhaft nicht in der Lage sind, Ihren Lebensunterhalt aus eigener Kraft und mit eigenen Mitteln zu bestreiten. Weitere Voraussetzungen für den Anspruch auf Hartz IV sind ein gewöhnlicher Aufenthalt in Deutschland sowie eine stundenweise Erwerbsfähigkeit. Das heißt, Sie müssen in der Lage sein, täglich für mindestens drei Stunden einer Arbeit nachzugehen. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, erhalten Sie auch im Falle von Obdachlosigkeit Hartz 4 Leistungen. Der Bezug von Hartz 4 ist insoweit nicht an einen Mietvertrag gekoppelt.

Hartz 4 Antrag ist immer möglich

Die Obdachlosigkeit schließt Leistungen aus Hartz IV nicht aus! Stattdessen ist der Bezug von Hartz 4 auch ohne festen Wohnsitz möglich, ohne dass es sich um einen Härtefall handelt.

Eine Antragstellung ist immer auch dann möglich, wenn Sie obdachlos oder wohnungslos sind. Oftmals werden Obdachlosigkeit und Wohnungslosigkeit miteinander verwechselt, die jedoch unterschiedliche Bedeutungen haben. Eines haben Obdachlose und Wohnungslose gemeinsam – sie können bei Vorliegen der Voraussetzungen Hartz 4 beantragen.

Hartz 4 erhalten trotz Obdachlosigkeit

Wer keinen festen Wohnsitz hat und Hartz 4 beantragen möchte, muss auf jeden Fall im Besitz eines Personalausweises sein. Sich ausweisen zu können, gehört zu den Voraussetzungen für den Antrag auf Hartz IV. Außerdem müssen wichtige Fragen geklärt werden:

  • Wo stellen Obdachlose einen Antrag auf Hartz 4?
  • Wie gelangen Obdachlose an den vom Jobcenter per Post verschickten Bewilligungsbescheid?
  • Wie erhalten Obdachlose Ihre finanziellen Leistungen, wenn Sie kein Konto haben?

Unterschied zwischen Wohnungslosigkeit und Obdachlos

Obdachlos sind Menschen, die weder eine temporäre Unterkunft noch einen festen Wohnsitz haben. Sie sind auf Schlafplätze im Freien angewiesen und übernachten unter anderem in Parks oder Bahnhöfen. Wohnungslose sind Menschen, die eine Unterkunft haben, jedoch nicht über einen Mietvertrag verfügen. Das trifft beispielsweise auf Menschen zu, die in einer stationären Einrichtung oder einer Notunterkunft untergebracht sind.

Antragstellung bei Obdachlosigkeit

Um Hartz IV zu beantragen, suchen Sie das für Sie zuständige Jobcenter in dem Ort auf, in dem Sie ihren gewöhnlichen Aufenthalt haben . Dort erhalten Sie das Antragsformular, das Sie entsprechend ausfüllen müssen. Hilfestellung erhalten Sie vor Ort.

Zustellung des Bewilligungsbescheids bei Obdachlosigkeit

Grundsätzlich wird der Bescheid des Jobcenters mit der Post verschickt. Aus diesem sogenannten Bewilligungsbescheid geht hervor, ob und in welcher Höhe Sie Hartz 4-Leistungen erhalten. Damit das Jobcenter Sie schriftlich über die Bearbeitung des Antrags informieren kann, braucht es eine Anschrift, an die sie den Bescheid schicken kann. Üblich ist beispielsweise, die Adresse einer karitativen Einrichtung anzugeben unter der Voraussetzung, dass Sie sich vorab diesbezüglich abgestimmt haben.

Obdachlos und kein eigenes Konto?

Wird der Bewilligungsbescheid positiv beschieden, haben Sie Anspruch auf Hartz 4-Leistungen. Diese werden grundsätzlich im Voraus gezahlt, sodass Ihnen das Geld am ersten Werktag des Folgemonats zur Verfügung steht. Was geschieht jedoch, wenn Sie kein Bankkonto haben? Dann haben Sie die Möglichkeit, Hartz 4 auch ohne Konto direkt am Kassenautomaten bei dem für Sie zuständigen Jobcenter zu erhalten. Auch eine Auszahlung per Scheck ist möglich. Die Beträge können auch als Tages- oder Wochensätze direkt an Bedürftige ausgezahlt werden.

Grundsätzliches Recht auf Basiskonto

Nach § 1 ZKG (Zahlungskontengesetz) hat jeder Verbraucher das Recht, ein Basiskonto zu eröffnen. Dabei handelt es sich um ein privates Konto, das nicht für gewerbliche Zwecke genutzt werden darf. Voraussetzung ist, dass Sie bei der Kontoeröffnung volljährig sind. Auch als Obdachloser haben Sie Anspruch auf ein Basiskonto. Allerdings müssen Sie eine postalische Adresse hinterlegen, bei der es sich um die einer karitativen Einrichtung oder Beratungsstelle handeln kann.

Warum gibt es Obdachlosigkeit trotz Hartz IV?

Insbesondere in schwierigen Lebenssituationen und nach Lebenskrisen sind Menschen manchmal nicht mehr in der Lage, ihren Verpflichtungen als Mieter nachzukommen oder einen Haushalt zu führen. So kann es schnell zu rückständigen Mietzahlungen, zur ordentlichen oder außerordentlichen Kündigung des Wohnraums und zum Verlust der Wohnung kommen. Manchmal kann eine Verkettung von widrigen Umständen ganz schnell dazu führen, obdachlos oder wohnungslos zu werden. Wer obdachlos oder wohnungslos ist, hat regelmäßig Anspruch auf Hartz 4. Dennoch gibt es Obdachlose, die dieses Angebot nicht in Anspruch nehmen wollen. Dafür kann es ganz unterschiedliche Gründe geben:

  • Angst, zum Jobcenter zu gehen: Viele Menschen führen aufgrund von Obdachlosigkeit ein Leben in der sozialen Isolation. Dadurch kann die Hemmschwelle sehr hoch sein, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten. Diese Hemmschwelle kann im Laufe der Zeit größer werden, sodass zwischenmenschliche Beziehungen immer schwieriger werden. Hinzu kommen möglicherweise die Scham in Bezug auf das Äußere und die fehlende Gelegenheit, regelmäßig zu duschen oder zu baden.
  • Krankheit oder Alkoholsucht: Es ist nicht selten, dass Menschen infolge von Alkoholismus oder einer Krankheit von Obdachlosigkeit betroffen sind. Auch bei Alkoholismus handelt es sich um eine Krankheit, die der Behandlung bedarf. Dadurch brechen Ehen und Beziehungen auseinander, es kann zu einem Jobverlust kommen, sodass sich mancher in Armut oder schlimmstenfalls auf der Straße wiederfindet. Selbst alltägliche Dinge geraten zu einer großen Herausforderung, sodass eine Lethargie entstehen kann. In diesem Zustand ist der Gang zum Jobcenter nahezu unmöglich, sodass ein Antrag auf Hartz 4-Leistungen nicht in Betracht kommt.
  • Das Gefühl von Freiheit: Es gibt aber auch Menschen, die sich freiwillig für ein Leben auf der Straße entscheiden. Auch hier gibt es mehrere Gründe. Einer der wichtigsten Gründe für ein Leben auf der Straße ist das Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit.
  • Scham aufgrund von bestimmten Lebenssituationen: Der Übergang von einem geordneten Leben in die Obdachlosigkeit kann manchmal ganz schnell verlaufen. Manchmal ist es der Verlust von Arbeit und der fehlende Lebensalltag, das Abrutschen in Schulden, eine Trennung oder Scheidung oder ganz einfach gestiegene Mietpreise, die Menschen aus der Bahn werfen und in die Obdachlosigkeit treiben. Da fällt es manchem, der bislang sein Leben gut gemeistert hat, schwer, zum Jobcenter zu gehen und dort als Bittsteller aufzutreten. Zu groß sind das Minderwertigkeitsgefühl und eine gewisse Scham, die den Gang zum Jobcenter unmöglich werden lassen.
    Gründe für die Obdachlosigkeit können auch eine kriminelle Vergangenheit, psychische Störungen oder einfach der Anstieg der Mietpreise sein. Auf Hartz 4 sollten Sie jedoch nicht verzichten. Stattdessen sind die Sozialleistungen ein wichtiger Grundstein, um den Weg zurück ins Leben zu finden und möglichst bald ein Dach über dem Kopf zu haben.

Darlehen bei drohender Obdachlosigkeit

Droht Ihnen die Obdachlosigkeit, zum Beispiel aufgrund von hohen Mietschulden? In begründeten Einzelfällen gibt es die Möglichkeit, dass Sie ein Darlehen erhalten, um diese Schulden zu begleichen und die drohende Wohnungslosigkeit infolge einer Zwangsräumung abzuwenden. Bei einem positiven Hartz 4-Bescheid können Sie oder das Jobcenter festlegen, dass die Miete direkt vom Jobcenter an den Vermieter überwiesen wird. Auf diese Weise kann die Gefahr einer möglichen Zweckentfremdung der Mietzahlungen unterbunden werden.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass Sie auch dann Hartz 4 beantragen können, wenn Sie ohne festen Wohnsitz, also obdachlos sind. Auch ein nicht vorhandenes Konto muss kein Hinderungsgrund sein. Maßgeblich ist einzig und allein, dass Sie mit einem Personalausweis Ihre Identität nachweisen können. Auf keinen Fall sollten Sie auf die Antragstellung verzichten. Regelmäßige finanzielle Unterstützung sichert Ihren Lebensunterhalt und nimmt Ihnen den Druck beim Organisieren von etwas Essbarem.

Zögern Sie nicht, uns bei möglichen Fragen zur Obdachlosigkeit und Hartz 4 sowie bei allen anderen Fragen zu diesem Thema zu kontaktieren. Wir helfen Ihnen gern!

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Geschrieben von: Johanna Höfer

Nach einem Master in Transkulturelle Studien an der Universität Bremen arbeitete sie als Sozialarbeiterin zuerst bei der AWO und dann für die Stadt Bremen. Nun informiert sie als Redakteurin bei hartz4widerspruch.de über praktische Tipps für den Umgang mit Hartz IV.