Aktualisiert am 17.07.2020

Übernahme der Umzugskosten von Hartz 4-Empfängern

Für Hartz 4-Empfänger gibt es die Möglichkeit, beim Jobcenter die Übernahme der für den Umzug anfallenden Kosten zu beantragen. In welchen Fällen das Jobcenter Ihnen finanziell unter die Arme greift und wann nicht hängt vom Einzelfall ab.

Diese Umzugskosten übernimmt das Jobcenter

Die Kosten für einen Umzug können in zwei Fällen vom kommunalen Leistungsträger (Jobcenter) übernommen werden – auf Veranlassung des Jobcenters (Zwangsumzug) und aus persönlichen Gründen (freiwilliger Umzug). Die Übernahme der Umzugskosten muss zuvor vom Jobcenter genehmigt werden und die Kosten müssen immer so gering wie möglich gehalten werden. Selbst im Falle eines vom Jobcenter verordneten Zwangsumzuges muss die Kostenübernahme vorab genehmigt werden. Sie müssen also mehrere Angebote einholen. Doppelmieten, also Mieten für zwei Wohnungen in der Übergangszeit, werden in der Regel nicht übernommen.

Separat von den Umzugskosten kann das Jobcenter auch noch Kosten für die Erstausstattung der Wohnung bewilligen. Das ist Geld für die Beschaffung von Möbeln. Das kann beispielsweise infrage kommen, wenn Sie in Ihre erste eigene Wohnung ziehen oder in der neuen Wohnung zum ersten Mal ein Kinderzimmer einrichten müssen. 

Vom Jobcenter verordneter Umzug

Ist der Umzug vom Jobcenter verordnet, werden die Kosten für den Umzug übernommen.  Ein Antrag auf Übernahme der Umzugskosten muss aber dennoch gestellt und genehmigt werden. In folgenden Fällen kann das Jobcenter einen Umzug anordnen:

Freiwilliger Umzug

Auch bei einem freiwilligen Umzug können die Kosten für den Umzug vom kommunalen Leistungsträger übernommen werden. Hier kommt es vor allem auf die Begründung des Umzuges an ob der Antrag genehmigt wird oder nicht. Folgende Gründe führen in der Regel zu einer Genehmigung:

  • Der Vermieter hat das bisherige Mietverhältnis gekündigt
  • Der Mieter hat eine Arbeitsstelle in einer anderen Stadt/Gemeinde gefunden
  • Erhöhter Wohnraumbedarf durch Kinder oder Schwangerschaft bei Hartz 4
  • Die Wohnung ist nicht mehr bewohnbar (z. B. aufgrund von Schimmelbefall)
  • Scheidung bei Hartz 4

Folgende Gründe werden nicht als Grund für einen Umzug akzeptiert:

  • Auszug aus der elterlichen Wohnung vor Vollendung des 25. Lebensjahres
  • Lediglich die Aussicht auf einen Arbeitsplatz in einer anderen Stadt
  • Behebbare Mietmängel

Wer muss den Umzug durchführen?

Der Umzug ist im Rahmen der Selbsthilfe durchzuführen, das heißt er muss selbst organisiert werden. Die Kosten dafür, z. B. für den Mietwagen, werden vom Jobcenter übernommen. Die Kosten müssen so gering wie möglich gehalten werden, weshalb zwei Vergleichsangebote mit dem Antrag eingereicht werden müssen. Werden die Angebote nicht beigefügt, kann der Antrag abgelehnt werden.

Wenn die Selbsthilfe aus gesundheitlichen oder anderen schwerwiegende Gründen nicht erfolgen kann, kann nach Vorlage eines ärztlichen Attests ein Umzugsunternehmen für den Umzug engagiert werden. Dafür müssen dem Antrag auf Übernahme der Umzugskosten 3-4 Angebote unterschiedlicher Anbieter beigelegt werden, von welchen dann das günstigste genehmigt wird. Genau wie bei der Selbsthilfe gilt auch für das Umzugsunternehmen, dass, wenn die Angebote nicht beigelegt werden, es zur Ablehnung des Antrags kommen kann.

So beantragen Sie als Hartz 4-Empfänger die Übernahme der Umzugskosten

Der Antrag für die Übernahme der Umzugskosten ist schriftlich bei dem zuständigen Jobcenter zu stellen. Bei Selbsthilfe sind dem Antrag die jeweiligen Angebote, z. B. für einen Mietwagen, beizufügen. Wenn die Selbsthilfe nicht durchgeführt werden kann, muss bei gesundheitlichen Gründen ein Attest beigefügt werden.

Auf hartz4widerspruch.de können Sie ganz einfach Ihren Antrag auf Übernahme der Umzugskosten erstellen. Der unterschriftsfertige Antrag wird Ihnen dann an Ihre E-Mail-Adresse geschickt.

Der Autor: Nassir Jaghoori

Nassir Jaghoori

Er studierte in Hamburg und Speyer Rechts- und Verwaltungswissenschaften. Nach dem Referendariat beim Hanseatischen Oberlandesgericht Hamburg hat er sich als Angestellter der Agentur für Arbeit im SGB II spezialisiert. Als einer unserer Partneranwälte von hartz4widerspruch.de kennt er sich bestens mit den aktuellen Entwicklungen im Sozialrecht aus.