Übernahme der Umzugskosten von Hartz 4-Empfängern

Einen Umzug aus eigener Tasche zahlen – für Hartz 4-Bezieher ein Ding der Unmöglichkeit. Fordert das Jobcenter zum Umzug auf, ist finanzielle Unterstützung in der Regel sicher. Dabei können  auch Leistungsbezieher Anspruch auf Übernahme der Umzugskosten haben, wenn sie aus eigenem Antrieb umziehen wollen. Zudem können auch damit zusammenhängende Kosten erstattet werden. Darunter fallen etwa Kosten, die mit der Suche und Anmietung einer neuen Wohnung einher gehen. Erfahren Sie, worauf es beim Wohnungswechsel für Leistungsbezieher ankommt.

Antrag auf Übernahme erstellen

Wann das Jobcenter Umzugskosten übernimmt

Hartz 4-Bezieher sind die wahren Verlierer auf dem ohnehin schon desolaten Wohnungsmarkt. Überhaupt eine taugliche Wohnung zu finden, die Jobcenter für angemessen befinden, kann zu einem echten Kraftakt werden. Ist eine passable Bleibe schließlich in greifbare Nähe gerückt, geht oft das Gerangel um die Übernahme der damit verbundenen Kosten los. In welchen Fällen das Jobcenter Hartz 4-Empfängern finanziell unter die Arme greift, hängt vom Einzelfall ab.

Umzugsaufforderung durch das Jobcenter

Fordert das Jobcenter Sie zum Umzug auf, übernimmt es auch die Kosten dafür. Dennoch müssen Sie als Leistungsbezieher einen Antrag auf Übernahme der Umzugs- und Wohnungsbeschaffungskosten stellen und sich genehmigen lassen. Dabei müssen Sie auch bei einer Umzugsaufforderung die Kosten so gering wie möglich halten.

Bei einer Umzugsaufforderung wird oft von einem Zwangsumzug gesprochen. Dabei sei allerdings gesagt: Das Jobcenter kann Sie zu einem Umzug nicht zwingen. Verweigern Sie einen Umzug, bedeutet das nicht, dass das Jobcenter Ihnen sämtliche Leistungen für Miete und Nebenkosten streicht. Die Behörde muss immer noch die angemessenen Kosten übernehmen. Die Differenz zwischen den angemessenen und den tatsächlichen Kosten der Unterkunft, müssen Sie dann allerdings von Ihrem Regelbedarf bestreiten.

Hinweis: Kostenübernahme bei Zwangsumzug

Wenngleich das Jobcenter die Kosten bei einer Umzugsaufforderung trägt, müssen diese vorab vom Jobcenter genehmigt werden.

In folgenden Fällen kann das Jobcenter einen Zwangsumzug anordnen:

  • Aufgrund des Auszugs eines Mitglieds Ihrer Bedarfsgemeinschaft, entspricht die Wohnungsgröße nicht mehr den maximalen Vorgaben.
  • Die Kosten der Unterkunft sind zu hoch, beispielsweise durch steigende Nebenkosten.

Freiwilliger Umzug: welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen

Wollen Leistungsbezieher aus eigenem Antrieb umziehen, zeigen sich die Jobcenter in der Regel nicht begeistert, schließlich ist ein Umzug teuer. Und wenn das Jobcenter diesen erst einmal bewilligt hat, muss es auch die regelmäßigen Kosten tragen. Auch wenn Ihre neue Wohnung dabei sogar günstiger ist, muss das Jobcenter die Umzugskosten nicht in jedem Fall übernehmen. Deshalb brauchen Sie für Ihren Umzug einen triftigen Grund. Ein “Nicht-mehr-gefallen” der Wohnung reicht dabei nicht aus. Gründe, die das Jobcenter akzeptiert sind beispielsweise:

  • Arbeitsaufnahme in einer anderen Stadt
  • Veränderung des Wohnraumbedarfs aufgrund Familienzuwachs
  • Unzumutbarer Wohnungszustand, z.B. bei Schimmelbefall


Welche weiteren Umzugsgründe Jobcenter akzeptieren und welche nicht, können Sie in unserem Ratgeber Umzug als Hartz 4-Empfänger nachlesen.

Umziehen bei Hartz 4-Bezug: Neue Wohnung muss angemessen sein

Ob Zwangsumzug oder auf eigenen Willen – beziehen Sie Hartz 4, muss Ihre neue Bleibe angemessen sein, damit das Jobcenter auch in Zukunft die Miete vollständig übernimmt. Dabei bestimmt in erster Linie die Miethöhe die Angemessenheit einer Wohnung. Die angemessene Miethöhe wiederum ergibt sich unter anderem aus einer angemessenen Wohnungsgröße.

Zur groben Orientierung: Die angemessene Größe einer Wohnung liegt bei alleinstehenden Personen bei maximal 50 Quadratmetern. Bei zwei Personen dürfen es zehn Quadratmeter mehr sein, also bis zu 60 Quadratmeter. Für jede hinzukommende Person können bis zu 15 Quadratmeter mehr hinzugerechnet werden.

Achtung: Mietvertrag nicht ohne Genehmigung unterschreiben

Unterschreiben Sie keinen Mietvertrag ohne vorherige Umzugsgenehmigung vom Jobcenter. Stimmt das Jobcenter Ihrem Umzug nicht zu, müssen Sie für die Umzugskosten aufkommen. Zudem kann es dazu führen, dass die Behörde die Übernahme eventueller Mehrkosten verweigert.

Mehr Informationen zur Angemessenheit einer Wohnung bei Hartz 4-Bezug finden Sie in unserem Ratgeber Miete und Wohnungsgröße – wohnen mit Hartz 4.

Diese Umzugskosten übernimmt das Jobcenter

Hat das Jobcenter Ihrem Umzug erst einmal zugestimmt, übernimmt es auch die Umzugskosten. Dabei müssen Sie allerdings Eigeninitiative zeigen und den Umzug selbst stemmen, sofern Sie nicht schwer beeinträchtigt sind. Planung, Organisation und Durchführung liegen also ganz bei Ihnen. Kosten, die Sie grundsätzlich bei einem Wohnungswechsel geltend machen können, sind:

  • Ausgaben für Umzugskartons und Verpackungsmaterial
  • Mietkosten für einen Umzugswagen
  • Pauschalen für selbst organisierte Hilfskräfte
  • Verpflegungskosten für Umzugshelfer

Eine Zusicherung von Kosten für ein Umzugsunternehmen wird das Jobcenter Ihnen unter normalen Bedingungen nicht gewähren. Es sei denn, Sie sind gesundheitlich oder aufgrund anderer schwerwiegender Gründe nicht in der Lage, den Umzug selbst bzw. mit Hilfe anderer zu bewältigen. Das setzt allerdings die Vorlage eines ärztlichen Attests voraus.

Hinweis: Umzugsunternehmen bei Beeinträchtigung

Haben Sie die Zusicherung, ein Umzugsunternehmen zu engagieren, müssen Sie dem Antrag auf Übernahme der Umzugskosten drei bis vier unterschiedliche Angebote von Umzugsunternehmen beilegen. Erfüllen Sie diese Voraussetzung nicht, kann es zur Ablehnung der Kostenübernahme kommen.

Übernahme von Maklergebühren bei Hartz 4-Bezug

Grundsätzlich gilt bei der Wohnungssuche: Hilfe zur Selbsthilfe. Sachbearbeiter des Jobcenters unterstützen Sie bei der Wohnungssuche und zeigen Ihnen Möglichkeiten auf, eine passende Bleibe zu finden. Neben den Beratungsleistungen durch die Sachbearbeiter können zusätzliche Kosten für die Wohnungssuche als Bedarfe anerkannt werden. Dazu zählen unter anderem:

  • Beschaffung von Tageszeitungen mit Wohnungsmarkt
  • Kosten für Suchinserate
  • Fahrten zu Wohnungsbesichtigungen

Maklergebühren stellen grundsätzlich Wohnungsbeschaffungskosten dar, sind jedoch nur dann vom Jobcenter zu tragen, wenn sie zum Auffinden und zur Anmietung einer Wohnung zwingend notwendig sind. Wie auch beim Umzugsunternehmen, muss hierfür also ein Ausnahmefall vorherrschen. Dieser kann gegeben sein, wenn auf dem für Sie relevanten Wohnungsmarkt überwiegend makler-gebundene Wohnungen zur Anmietung zur Verfügung stehen.

Übernahme der Kaution bei Hartz 4

Die Mietkaution wird grundsätzlich als Bedarf anerkannt. Jedoch wird diese nur in Form eines Darlehens übernommen. Das bedeutet: Hartz 4-Empfänger müssen die Höhe der Mietkaution monatlich mit 10 % ihrer Bezugsleistungen beim Jobcenter tilgen. Ändert sich durch den Umzug die Zuständigkeit des Jobcenters, ist das neue Jobcenter Darlehensgeber. Das Mietkautionsdarlehen ist dann unbedingt beim neuen Jobcenter zu beantragen.

Achtung: Änderung der Zuständigkeit

Bei einem Umzug in eine andere Stadt ändert sich gegebenenfalls die Zuständigkeit Ihres Jobcenters. Auch bei einem Umzug innerhalb einer Stadt kann das der Fall sein.

Kosten für Erstausstattung

Unter bestimmten Voraussetzungen können Sie neben den Umzugskosten auch Kosten für eine Erstausstattung beantragen. Das trifft vor allem dann zu, wenn Sie in Ihre erste eigene Wohnung ziehen. Ausführliche Informationen dazu finden Sie in unserem Ratgeber Erstausstattung für Wohnung.

Wie viel Geld gibt’s vom Jobcenter bei einem Wohnungswechsel?

Übernimmt das Jobcenter Ihre Umzugskosten, bedeutet das nicht, dass Sie aus dem Vollen schöpfen können. Möglichst geringe Kosten sind hierbei das A und O. Zudem müssen Sie gegebenenfalls Kostenvoranschläge einreichen. Um Ihnen eine Idee von den Gesamtkosten zu verschaffen, finden Sie im Folgenden einige Pauschalen als Richtwert:

  • Für Hilfskräfte, die Sie beim Umzug unterstützen, werden jeweils zehn bis 50 EUR Aufwandspauschale erstattet, im Durchschnitt etwa 20 EUR pro Hilfskraft.
  • Bei Umzügen innerhalb Deutschlands gilt ein Maximalbetrag in Höhe von 4.500 EUR für den kompletten Umzug.
  • Bei einem Wohnungswechsel ins europäische Ausland werden maximal 5.200 EUR übernommen.

Hinweis: Realistische Ausgaben

Die genannten Summen entsprechen eher der Ausnahme. Realistische Umzugskosten liegen weitaus darunter und belaufen sich auf 500 EUR bis 1.500 EUR.

Umzugskosten beim Jobcenter beantragen

Den Antrag auf Übernahme der Umzugskosten müssen Sie schriftlich beim Jobcenter stellen. Legen Sie Ihrem Antrag alle nötigen Angebote und Kostenvoranschläge bei und, sofern Sie den Wohnungswechsel nicht aus eigener Kraft bewältigen können, ein ärztliches Attest. Lassen Sie sich dabei den Eingang des Antrags und aller Anlagen schriftlich bestätigen. Um Sie bei der Beantragung von Umzugskosten zu unterstützen, haben Sie die Möglichkeit, Ihren Antrag bei uns online zu erstellen. Der unterschriftsfertige Antrag wird Ihnen dann per E-Mail zur Weiterleitung an Ihr Jobcenter zugeschickt.

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Geschrieben von: Nassir Jaghoori

Er studierte in Hamburg und Speyer Rechts- und Verwaltungswissenschaften. Nach dem Referendariat beim Hanseatischen Oberlandesgericht Hamburg hat er sich als Angestellter der Agentur für Arbeit im SGB II spezialisiert. Als einer unserer Partneranwälte von hartz4widerspruch.de kennt er sich bestens mit den aktuellen Entwicklungen im Sozialrecht aus.

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