Aktualisiert am 17.07.2019

Pfändung von Hartz 4 – wenn Ihre Leistungen einkassiert werden

Sollten Sie Schulden bei einem Unternehmen haben, hat dieses einen Anspruch auf Zahlung. Der Gläubiger (dem Sie das Geld schulden) kann theoretisch Ihre Hartz 4-Leistungen pfänden lassen. Es gibt keine Regelung wie beispielsweise bei Mutterschafts- oder Wohngeld, welche die Pfändung verbietet. Grundsätzlich können Hartz 4-Leistungen also gepfändet werden.

Wie viel darf gepfändet werden?

Es gelten dieselben Pfändungsgrenzen wie bei Arbeitseinkommen. Derzeit besteht eine Freigrenze von 1.139,99 EUR Nettolohn monatlich (Stand: 1. Juli 2017). Müssen Sie Unterhalt für Eltern, Ehegatten oder Kinder leisten, erhöht sich dieser Betrag bis auf maximal 2.511,43 EUR. Normalerweise liegt diese Freigrenze deutlich über der Hartz 4-Leistung. Daher haben Sie nichts zu befürchten. Einkommen unter diesem Betrag sind also unpfändbar. Gläubiger haben generell keine Zugriffsrechte auf Einkommen die unter dieser Summe bleiben.

Info:

Selbst wenn Sie als Schuldner einen Betrag erhalten, der für mehrere Monate (eventuell rückwirkend) ausgezahlt wird, muss dieser Betrag durch die jeweiligen Monate geteilt werden und darf nicht als einmaliges Monatseinkommen gewertet werden.

Wie kann ich sichergehen, dass nichts gepfändet wird?

Sollte das Arbeitslosengeld bereits auf Ihrem Konto sein, ist ein weiterer Schritt erforderlich. Um sicherzugehen, dass kein Gläubiger Zugang zu Ihrem Konto erhalten kann, gibt es einen sicheren Weg um Pfändungsschutz zu erhalten. Sie können Pfändungsschutz erlangen, indem Sie ein Pfändungsschutzkonto einrichten oder ein bestehendes Konto in ein Pfändungsschutzkonto umwandelst. Die Umwandlung in ein Pfändungsschutzkonto muss innerhalb von vier Wochen geschehen. Dieses Konto darf nicht mehr kosten als ein normales Konto. Auch wenn für die Bank bei der Umwandlung Kosten entstehen, dürfen Ihnen diese nicht berechnet werden.

Achtung:

Grundsätzlich kann jeder Gläubiger, dessen Forderungen nicht beglichen wurden, eine Kontopfändung beantragen.

Hilfe, mein Konto wurde gesperrt, was nun?

Sie können innerhalb von 14 Tagen, nachdem ein Pfändungs- und Überweisungsbeschluss bei der Bank eingegangen ist, reagieren und einen Antrag bei der Bank stellen, das Girokonto in ein Pfändungsschutzkonto umzuwandeln.
Wenn diese Frist verstrichen ist, haben Sie noch eine letzte Möglichkeit. Sie können innerhalb von vier Wochen nach der Kontosperre einen Antrag beim zuständigen Amtsgericht stellen. Mit diesem Antrag erwirken Sie die Freigabe des unpfändbaren Guthabens.

Achtung:

In bestimmten Bereichen wie Arbeitslosengeld, Rente, BAföG, Erziehungsgeld oder Wohngeld beträgt die Frist für den Pfändungsschutz nicht mehr 14, sondern nur noch sieben Tage.

Der Autor: Nassir Jaghoori

Nassir Jaghoori

Er studierte in Hamburg und Speyer Rechts- und Verwaltungswissenschaften. Nach dem Referendariat beim Hanseatischen Oberlandesgericht Hamburg hat er sich als Angestellter der Agentur für Arbeit im SGB II spezialisiert. Als einer unserer Partneranwälte von hartz4widerspruch.de kennt er sich bestens mit den aktuellen Entwicklungen im Sozialrecht aus.

3 Antworten auf „Pfändung“

  1. Sehr geehrte Damen und Herren.

    meine private Krankenkasse hatt meine rückerhalten Gelder die ich vom Jobcenter für 17 Monate ca.in Höhe von ca. Euro 2000.- einbehalten. Da ich einen Offenbarungseid ablegen mußte und letztendlich gehofft habe bald wieder berufstätig zu werden, erlitt ich einen Zusammen Bruch, ein Burn Out welches mich vorerst arbeitsunfähig machte, bekam ich Hartz vier . Jetzt bin ich Mutter einer 18 jährigen Tochter, Alleinerziehend und bin auf dieses Geld angewiesen. Da ich 2011 nach meinem Offenbahrungseid leisten mußte und Hauptaufträger verloren habe , mußte ich meine Firma schließen, zu Lasten auch meiner Krankenkasse als Gläbiger in Höhe von 8000 Euro ca. Da ich jetzt Harz vier beziehe
    monatlich ca1500 Euro, davon 606 Euro Wohngeld bekomne sowie die Krankenkasse für mich ca 400 Euro erhalte und für meine Tochter ca. 118 Euro (IKL. Pflege v., bleibt mir derzeit ca. 300 Euro zum Leben.

    Kann hier die KV die rückgezahlten Beiträge , die vom Konto und von meiner Mutter monatlich beglichen wurden trotzdem ein behalten werden bzw. gepfändet werden ???? Und wie viel ??!

  2. Mein Konto ist seit einem Monat ein pfändungsschutz Konto allerdings war ich grade auf der Bank und habe gesehen das mein Konto mit -400 Euro im minus ist und ich weiß aber nichts davon das es so hoch gewesen sein soll diese Pfändung und ich bekomme unter 1000 Euro Arbeitslosengeld von 320€ und muss davon den ganzen Monat leben darf dieser Betrag gepfändet werden

  3. “Selbst wenn Sie als Schuldner einen Betrag erhalten, der für mehrere Monate (eventuell rückwirkend) ausgezahlt wird, muss dieser Betrag durch die jeweiligen Monate geteilt werden und darf nicht als einmaliges Monatseinkommen gewertet werden.”

    Die Sparkasse Krefeld sieht das anders,und zahlt nur die monatliche Pfändungsfreigrenze aus.

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