Aktualisiert am 04.09.2019

Erstattung von Bewerbungskosten

Hartz 4-Empfänger müssen die Bewerbungskosten nicht aus ihrer Regelleistung zahlen, sondern können einen Antrag auf Bewerbungskostenerstattung bei ihrem zuständigen Jobcenter stellen.

Erstattung durch das Jobcenter

Die Regelleistung dient der Sicherung des Existenzminimums. Hartz 4-Empfänger müssen die Bewerbungskosten somit nicht aus der Regelleistung zahlen, sondern können einen Antrag auf Kostenerstattung stellen. Ob die Kosten vom Jobcenter übernommen werden, hängt vom Einzelfall ab. Grundsätzlich ist das Jobcenter nicht zur Übernahme deiner Bewerbungskosten verpflichtet. Als gesetzliche Grundlage räumt der § 44 SGB III dem Jobcenter jedoch die Möglichkeit ein, nach Ermessen über deinen Antrag zu entscheiden. Auch die Höhe der Erstattung liegt im Ermessen des Jobcenters.

Welche Bewerbungskosten werden übernommen?

Da die potenziellen Arbeitgeber meist die Kosten für eine Bewerbung nicht übernehmen, haben Hartz 4-Empfänger die Möglichkeit einen Antrag auf Kostenerstattung zu stellen. Folgende Bewerbungskosten können vom Jobcenter übernommen werden:

  • Die Kosten für die schriftliche Bewerbung (Mappe, Papier, Porto, Umschläge)
  • Fahrtkosten zu Vollstellungsgesprächen
  • Übernachtungskosten bei weiter Entfernung
  • Kosten für Gesundheitszeugnis, Führungszeugnis usw.
  • Kosten für Friseurbesuche oder Kleidung

Wichtig! Der Antrag auf Erstattung von Bewerbungskosten muss im Vorfeld gestellt werden. Eine spätere Erstattung durch das Jobcenter ist nicht möglich

Höhe der Erstattung

Für die Höhe der Erstattung gibt es keine vorgeschriebenen Beträge. Meist setzt das Jobcenter jedoch einen Pauschalbetrag von 5 EUR an. Auch für eine Online-Bewerbung erhält ein Hartz 4-Empfänger eine Erstattung. Diese liegt bei 0,20 EUR pro Bewerbung. Insgesamt erstattet das Jobcenter jedoch nur einen Höchstbetrag von 260 EUR pro Jahr. Übersteigen Ihre Jahresbewerbungskosten diesen Betrag, müssen Sie die Differenz aus Ihrer Regelleistung zahlen.

Für die Übernahme von Fahrtkosten gibt es eine Besonderheit. Da dies meist die höchste Position bei der Erstattung von Bewerbungskosten darstellt, müssen Sie Ihrem Antrag eine Bestätigung beilegen, dass das Unternehmen, bei dem Sie sich beworben haben, diese Kosten nicht übernimmt. Erst mit diesem Nachweis können Sie eine Kostenerstattung für die Fahrtkosten beim Jobcenter stellen. Das Jobcenter setzt hierbei meist 0,20 EUR pro gefahrenen Kilometer an, sofern Sie mit einem PKW gefahren sind.

Wie stelle ich einen Antrag auf Erstattung auf Bewerbungskosten?

Ein Antrag auf Bewerbungskosten muss immer im Vorfeld gestellt werden. Dies gilt besonders für die Fahrtkosten. Bewerbungskosten können im Zweifel auch nachträglich übernommen werden. Ihrem Antrag auf Bewerbungskostenerstattung müssen Sie Ihr Bewerbungsschreiben sowie die Antwort des Unternehmens beifügen, bei dem Sie sich beworben haben. Der Antrag auf Erstattung von Bewerbungskosten ist so ausgerichtet, dass Sie dort mehrere Bewerbungen eintragen können.

Mit unserem Antragsformular können Sie den Antrag auf Erstattung der Bewerbungskosten digital erstellen. Sie bekommen ihn dann als PDF per E-Mail zugesendet. Dieses müssen Sie nur noch ausdrucken, unterschreiben und zusammen mit Ihren Nachweisen an Ihr zuständiges Jobcenter schicken. 

Antrag auf Bewerbungskostenerstattung wurde abgelehnt

Häufig wird Ihr Antrag auf Erstattung von Bewerbungskosten nur bewilligt, wenn Sie eine Eingliederungsvereinbarung mit dem Jobcenter geschlossen haben. Liegt eine Eingliederungsvereinbarung vor, bestehen gegenseitige Rechte und Pflichten, hierzu zählt auch die Übernahme von Bewerbungskosten durch das Jobcenter. Wenn keine Eingliederungsvereinbarung vorliegt, liegt es im Ermessen des Jobcenters, ob es Ihre Bewerbungskosten erstattet oder nicht. Ohne Eingliederungsvereinbarung haben Sie grundsätzlich keinen Anspruch auf die Erstattung.

Wenn Ihr Antrag auf Bewerbungskostenerstattung abgelehnt wurde, obwohl Sie eine Eingliederungsvereinbarung unterschrieben haben, können Sie gegen die Ablehnung Widerspruch einlegen.

Der Autor: Nassir Jaghoori

Nassir Jaghoori

Er studierte in Hamburg und Speyer Rechts- und Verwaltungswissenschaften. Nach dem Referendariat beim Hanseatischen Oberlandesgericht Hamburg hat er sich als Angestellter der Agentur für Arbeit im SGB II spezialisiert. Als einer unserer Partneranwälte von hartz4widerspruch.de kennt er sich bestens mit den aktuellen Entwicklungen im Sozialrecht aus.