Aktualisiert am 17.07.2019

Umzugskosten bei Hartz 4 – wie teuer darf es werden?

Die Familie wächst, der Vermieter hat gekündigt oder die neue Arbeitsstelle ist in einer anderen Stadt. Ein Umzug steht an. Hartz 4-Empfängern steht dazu in vielen Fällen eine finanzielle Unterstützung durch das Jobcenter zu. Doch welche Kosten übernimmt das Jobcenter? Können Sie auch ein Umzugsunternehmen beauftragen? Und wie viel Geld darf der Umzug eigentlich kosten? Unser Ratgeber gibt Ihnen Antworten und Tipps dazu.

Wann übernimmt das Jobcenter die Kosten für einen Umzug?

Das Jobcenter übernimmt Umzugskosten für Hartz 4-Empfänger vor allem dann, wenn der Umzug unbedingt notwendig ist. Die Übernahme der Umzugskosten müssen Sie beantragt. Lesen Sie dazu auch unsere entsprechende Ratgeberseite. Die Kosten werden von dem bis zum Umzug zuständigen Jobcenter übernommen.

Welche Umzugskosten werden übernommen?

Laut § 22 Absatz 6 SGB II übernimmt das Jobcenter zwei Arten von Kosten. Die Wohnungsbeschaffungskosten und die Umzugskosten. Dabei gilt bei beiden Kostenpunkten: Das Jobcenter setzt die Selbsthilfe voraus. Das bedeutet, dass Sie für die Wohnungssuche kein Makler beauftragen dürfen und für den Umzug kein Umzugsunternehmen. Diese Kosten übernimmt das Jobcenter nur in sehr seltenen Ausnahmefällen, zum Beispiel bei schwerer Krankheit oder beim Vorliegen einer Behinderung. Beides muss mit ärztlichem Attest nachgewiesen werden. Um einen Makler mit der Suche nach einer geeigneten Wohnung beauftragen zu dürfen, müssen Sie einen stichhaltigen Nachweis vorgelegt, dass die Wohnungssuche ansonsten aussichtslos ist. In allen anderen Fällen gilt: Sie müssen den Umzug selbst planen, organisieren und durchführen.

Achtung

Sprechen Sie vorab mit Ihrem Jobcenter alle Kosten ab. So können Sie verhindern, dass Sie auf geleisteten Aufwendungen sitzen bleiben. Eine nachträgliche Beantragung ist nicht möglich. Insbesondere bei der Beauftragung von Makler oder Umzugsunternehmen müssen Sie vorher bis zu drei unterschiedliche Angebote vorgelegen. In jedem Fall sollten Sie sich keinesfalls auf mündliche Zusagen des Jobcenters verlassen.

Was zählt zu den Wohnungsbeschaffungskosten?

Alle Aufwendungen für Maßnahmen, außer der Beauftragung eines Immobilienmaklers, die notwendig sind, um eine geeignete Wohnung finden und anmieten zu können, werden als Bedarf anerkannt. Dazu zählen:

  • Beschaffung von Tageszeitungen mit Wohnungsmarkt
  • Internet- und Telefongebühren für die Recherche und telefonischen Anfragen
  • Kosten für eigene Suchinserate in Tageszeitungen
  • Fahrten zu Wohnungsbesichtigungen
  • Übernachtungskosten bei mehr als tagesweit entfernten Wohnungsangeboten, wenn vor Ort kein hinreichender Wohnraum verfügbar ist

Die Kosten für den eventuell notwendigen Erwerb von Genossenschaftsanteilen und die Mietkaution werden grundsätzlich ebenfalls als Bedarf anerkannt. Jedoch werden diese in Form eines Darlehens übernommen. Sie müssen den Betrag nach dem Umzug in Höhe von monatlich 10 % Ihrer Bezugsleistung in Raten beim Jobcenter tilgen. Ist durch den Umzug ein neues Jobcenter zuständig, ist dieses Ihr Darlehensgeber. In der Regel werden Kosten für eine entstehende Doppelmiete sowie Aufwendungen für die Renovierung der neuen Wohnung nicht übernommen.

Welche Umzugskosten werden übernommen?

Der Umzug muss normalerweise in Eigenregie organisiert und durchgeführt werden. Folgende Kosten können Sie beim Jobcenter beantragt:

  • Kosten für Umzugskartons und Verpackungsmaterial in angemessener Menge
  • Mietkosten für einen Umzugswagen
  • Helferpauschale für selbst organisierte Umzugshelfer
  • Verpflegungskosten für die Umzugshelfer
  • Materialkosten für die vertraglich vereinbarte Renovierung der alten Wohnung

Wie hoch dürfen die Kosten maximal sein?

Grundsätzlich erwartet das Jobcenter einen möglichst kostengünstigen Ablauf des Umzugs. Es werden angemessene Aufwendungen in Höhe der jeweils ortsüblichen Preise übernommen. Diese können regional stark schwankend sein. Einige Pauschalen haben sich dennoch deutschlandweit durchgesetzt. Für in der Regel maximal vier Umzugshelfer werden pauschal jeweils 10 bis 50 €, in der Regel 20 €, Aufwandspauschale erstattet. Für Umzüge innerhalb Deutschlands gilt ein Maximalbetrag in Höhe von 4.500 € für den kompletten Umzug. Wohnungswechsel ins europäische Ausland können mit maximal 5.200 € übernommen werden.

Umziehen mit Hartz 4 ist nicht leicht und es gibt viel zu beachten. Sehen Sie sich unseren Praxisguide mit vielen Tipps zum Thema an.

Der Autor: Nassir Jaghoori

Nassir Jaghoori

Er studierte in Hamburg und Speyer Rechts- und Verwaltungswissenschaften. Nach dem Referendariat beim Hanseatischen Oberlandesgericht Hamburg hat er sich als Angestellter der Agentur für Arbeit im SGB II spezialisiert. Als einer unserer Partneranwälte von hartz4widerspruch.de kennt er sich bestens mit den aktuellen Entwicklungen im Sozialrecht aus.