Aktualisiert am 17.07.2019

Hartz IV und Beruf – Mehr Geld zum Leben

Arbeiten – und trotzdem nicht genug zum Leben haben: Hier besteht die Möglichkeit, bei einem Einkommen unterhalb einer festgelegten Verdienstgrenze durch Leistungen nach dem SGB II “aufzustocken”. Aber auch der umgekehrte Fall ist möglich: Wer Hartz IV bezieht, darf in einem bestimmten Rahmen dazuverdienen.

Beide Varianten gelten nicht nur für diejenigen, die Bezüge aus nichtselbstständiger Arbeit erwirtschaften. Auch Selbstständige und Kleinunternehmer können ergänzende Leistungen beantragen. Mit diesen Möglichkeiten möchte das Jobcenter zum einen den Wiedereinstieg fördern. Zum anderen soll jeder, der einer Vollzeitbeschäftigung nachgeht, zumindest das Existenzminimum nach Hartz IV bekommen, auch wenn sein Verdienst darunter liegt.

Arbeitslosengeld II und Einkommen

Arbeitslosigkeit und ein eigenes Einkommen schließen sich nicht aus. Trotz Einkommen könnten Sie einen Anspruch auf ALG II haben, wenn

  • Ihr eigenes Einkommen aus nichtselbstständiger Arbeit nicht zum Lebensunterhalt ausreicht,
  • Sie einen 1-Euro-Job-ausüben,
  • Sie Existenzgründer sind
  • oder Ihr Einkommen aus der Selbstständigkeit ebenfalls die Verdienstgrenze nicht erreicht.

Wann habe ich Anspruch auf Hartz IV?

Für alle, die Hartz IV in Anspruch nehmen möchte, gelten dieselben Einkommensgrenzen. Sie richten sich immer nach der Bedarfsgemeinschaft. Hierunter versteht man den Antragsteller und leistungsberechtigte Personen, die in seinem Haushalt leben. Der Gesamtbetrag, mit dem Unterstützungsbedürftige rechnen können, setzt sich zusammen aus

  • dem Regelbedarf
  • dem Bedarf für Unterkunft und Heizung
  • einem eventuellen Mehrbedarf
  • Einmalbedarfen
  • dem Bedarf für Bildung und Teilhabe von Kindern und Jugendlichen

Für die individuelle Berechnung der gesamten Leistung spielen unter anderem Lebensalter, die Wohnkosten, erhöhte Aufwendungen für Alleinerziehende, kostenintensive Erkrankungen, eine bevorstehende Geburt und besondere schulische Ausgaben wie Klassenfahrten eine Rolle.

Abgezogen bzw. angerechnet werden bei Aufstockern und Hinzuverdienern alle Einkünfte, und zwar jeweils von allen Mitgliedern der Bedarfsgemeinschaft:

  • aus Mieteinnahmen und Verpachtungen
  • aus selbstständiger und nichtselbstständiger Arbeit
  • Kindergeld und Unterhalt
  • Kapitaleinkünfte und anrechenbares Vermögen
  • Verletztenrente und Krankengeld

Hinweis

Das Einkommen von Mitgliedern der Haushaltsgemeinschaft wird grundsätzlich nicht den übrigen Mitgliedern der Haushaltsgemeinschaft angerechnet.

Festanstellung und Hartz IV – geht das?

Zunehmend sind es Erwerbstätige, die von Ihrem Verdienst gerade noch sich, nicht aber ihre Familie ernähren können. Daran hat auch der gesetzlich festgelegte Mindestlohn nur wenig geändert. Für diese Fälle möchte der Gesetzgeber mehr soziale Gerechtigkeit schaffen. Wer Vollzeit arbeitet, soll auf keinen Fall finanziell schlechter gestellt sein als ein Arbeitsloser ohne Beschäftigung. Diese Arbeitnehmer können als sogenannte Aufstocker den Differenzbetrag zwischen ihrem Einkommen aus der Berufstätigkeit und den errechneten Leistungen für die Bedarfsgemeinschaft erhalten.

Tipp

Rechnen Sie anhand der jeweils geltenden Sätze mit unserem Hartz 4-Rechner aus, ob für Sie ergänzende Sozialleistungen in Frage kommen.

Wenn Ihr Verdienst unter der Summe liegt, die sich für einen vergleichbaren Haushalt von Hartz-IV-Beziehern ergibt, sollten Sie sich nicht scheuen, ergänzende Leistungen in Anspruch zu nehmen. Auch für die Bezieher von Arbeitslosengeld I durch die Bundesagentur für Arbeit gibt es die Möglichkeit, aufstockend Arbeitslosengeld II über das Jobcenter zu beziehen.

Zuverdienst bei Hartz IV

Das Arbeitslosengeld II soll das Existenzminimum sichern. Wer länger arbeitslos ist, kommt finanziell Monat für Monat mehr an die Grenzen seiner Belastbarkeit. Vor allem dann, wenn noch Schulden zu tilgen sind oder Ausgaben für Reparaturen anfallen reicht der Regelsatz nicht aus. Hier schafft ein Zuverdienst einen etwas größeren Spielraum. Für das Hinzuverdienen gibt es jedoch strenge Regeln:

  • Die Tätigkeit muss beim Jobcenter gemeldet sein.
  • Sämtliche Einkünfte müssen zeitnah dem Jobcenter gemeldet werden.
  • Der Nebenjob darf die Aufnahme einer Vollzeitberufstätigkeit nicht stören.

Wenn Sie schon zum Zeitpunkt der Antragsstellung für die Zahlung von Hartz IV einen Nebenjob ausüben, sollten Sie dies unbedingt bereits im Antrag aufführen. Auch das bisher erzielte, durchschnittliche Einkommen aus der Nebenerwerbstätigkeit oder dem Minijob ist für die Berechnung der Leistung von Bedeutung. Besprechen Sie diese Tätigkeit mit Ihrem Sachbearbeiter. Möchten Sie nämlich das Arbeitslosengeld 2 in voller Höhe erhalten, so ist nicht nur der Geldbetrag ein Kriterium, sondern auch die Arbeitsstunden, die Sie dafür aufwenden.

Achtung

Das Jobcenter ist berechtigt, Ihnen eine “zumutbare” Nebentätigkeit zuzuweisen, da Sie alles tun müssen, um die Leistungsansprüche möglichst gering zu halten.

Warten Sie deshalb am besten nicht ab, bis Ihnen das Jobcenter eine Nebentätigkeit zuweist. Lehnen Sie diese nämlich ab, müssen Sie unter Umständen mit Sanktionen rechnen. Suchen Sie sich dagegen auf eigene Faust eine Nebentätigkeit, so können Sie für eine Arbeit entscheiden, die Ihnen auch liegt. Das Kriterium “zumutbar” ist leider ein dehnbarer Begriff, bei dem Jobcenter und Arbeitssuchende nicht immer einer Meinung sind.

Stundenmäßige Begrenzung der Nebentätigkeit

Vorrangig vor Ihren Interessen, nämlich etwas mehr Geld zur Verfügung zu haben, stehen die Belange des Jobcenters. Dessen Ziel ist es, Sie so rasch wie möglich wieder in eine Ganztagesbeschäftigung zu bringen. Deshalb darf auch eine Nebentätigkeit keine Einschränkung dieser angestrebten Vermittlung darstellen. Wöchentlich erlaubt ist eine maximale Arbeitszeit von 15 Wochenstunden. Arbeiten Sie länger, so können Sie nur noch als Aufstocker Leistungen beziehen. Sichergestellt muss trotz Ihrer Tätigkeit sein, dass Sie jederzeit einem Vermittlungsvorschlag nachkommen können. Sie sollten telefonisch erreichbar und abkömmlich sein, um sich bei Bedarf unverzüglich bei einem Arbeitgeber zu bewerben.

Anrechenbares Einkommen bei Hartz IV

Egal, ob Sie nun einem Minijob nachgehen oder zu den Aufstockern gehören: 100 Euro monatlich haben Sie als Freibetrag. Ebenso können Sie berufsbedingte Aufwendungen, wie zum Beispiel Fahrtkosten zum Arbeitsplatz, vom Einkommen absetzen. Geldwerte Sachleistungen, die Ihnen der Arbeitgeber zukommen lässt, gelten jedoch als Einkommen. Hierzu zählen Tankgutscheine, Warenleistungen oder Essensgeld.

Bei einem Bruttoverdienst zwischen 100,01 € bis 1.000,00 € dürfen Sie pro 100 € 20 % behalten. 80 % werden auf das Arbeitslosengeld II angerechnet. Bei einem Minijob, für den Sie 400,00 € monatlich bekommen, gehen 160,00 € ganz auf Ihr Konto, 240,00 € werden von Ihrem Arbeitslosengeld abgezogen.

Verdienen Sie brutto zwischen 1.000,01 € und 1.200,00 € bzw. mit Kindern bis zu 1.500 €, stehen Ihnen weitere 10 % aus Ihrem Verdienst zuzüglich zu den bereits genannten Freibeträgen, die 280,00 € ausmachen, zur Verfügung. Bei einem Einkommen von 1.200 € brutto wären dies also 300,00 €, die Ihnen bleiben.

Sollten Sie mehr als 1.200,01 € bzw. 1.500,01 € verdienen, so wird dieser Mehrbetrag voll auf das Arbeitslosengeld angerechnet. Wer also arbeitet und Leistungen bezieht, kann monatlich immerhin um bis zu 300 € mehr Geld für seinen Lebensunterhalt investieren.

Bei der Berechnung dieser Bescheide kommt es häufig zu Fehlern. Sollten Sie im Zweifel sein, ob Ihr Bescheid zu Recht erteilt wurde und alle Angaben ihre Richtigkeit haben, können Sie ihn überprüfen lassen. Die Partneranwälte von hartz4widerspruch.de übernehmen dies kostenlos für Sie.

1-Euro-Job und Hartz IV

Vor allem längerfristig Arbeitslose werden vom Jobcenter in die entsprechenden Arbeitsgelegenheiten vermittelt. Ein eigentlicher Lohn wird für diese Tätigkeiten nicht bezahlt. Dennoch bleibt Ihnen auch hier mehr Geld zum Leben übrig als dem, der nur zu Hause auf die nächste Stellenanzeige wartet. Nicht zuletzt sind 1-Euro-Jobs vielfach sogar gute Gelegenheiten, wieder ganztags im Beruf Fuß zu fassen. Allerdings ist die Auswahlmöglichkeit hier beschränkt: Nicht jeder Betrieb darf 1-Euro-Jobber einstellen.

Betrieb die für 1-Euro-Jobs in Frage kommen sind:

  • öffentliche Einrichtungen wie Krankenhäuser
  • Kommunen
  • Vereine und andere gemeinnützige Institutionen

Wer einen 1-Euro-Job übernimmt, bekommt einen Zuschuss zum Arbeitslosengeld II, der individuell errechnet wird. Dabei muss es nicht bei dem einen Euro pro Stunde bleiben, von dem dieses Modell seinen Namen bekommen hatte. Je nach Art der Arbeit können es pro Arbeitsstunde zwei Euro oder mehr sein. Auch Sonn- und Feiertagsarbeit wird wie bei anderen Arbeitnehmern ebenfalls besser vergütet. Zusätzlich kann eine Aufwandsentschädigung für beruflich bedingte Fahrten oder die Verpflegung anfallen. Interessieren Sie sich für einen solchen Job, so fragen Sie am besten Ihren Sachbearbeiter gezielt danach. Hier besteht die Chance, dass Sie sich unter mehreren Arbeitsplätzen einen aussuchen können. Werden Sie jedoch vom Jobcenter für einen 1-Euro-Job eingeteilt, so dürfen Sie diesen nicht ohne triftigen Grund ablehnen.

Selbstständigkeit und Hartz IV

Vielfach streben Arbeitslosen danach, sich zum eigenen Chef zu machen. Bestehen nach Maßgabe des Jobcenters gute Chancen, dass Sie durch die Selbstständigkeit wieder unabhängig von Leistungen nach dem SGB werden, wird dies durch Geldmittel gefördert. Ferner können Selbstständige Hartz IV-Leistungen beantragen, wenn ihre Einkünfte (noch) nicht für den Lebensunterhalt ausreichen. Scheitert die Selbstständigkeit, so besteht die Möglichkeit, sich wieder dem allgemeinen Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stellen und vom Jobcenter ebenfalls Leistungen zu bekommen.

Achtung

Eine reine Meldung der Selbstständigkeit beim Finanzamt und ggf. beim Gewerbeamt reicht nicht aus! Sie müssen eine tatsächliche Tätigkeit aufnehmen.

Voraussetzung für Leistungen durch das Jobcenter ist vor allem, dass die angestrebte oder ausgeübte Tätigkeit alle Kriterien einer Selbstständigkeit erfüllt. Hierzu zählen unter anderem

  • eine eigenverantwortliche Tätigkeit
  • Auftragsausführung oder Dienstleistung für unterschiedliche Kunden
  • die freie Auswahl der Mitarbeiter

Alle rechtlichen Voraussetzungen für eine Selbstständigkeit müssen ebenfalls erfüllt sein.

  • Rechtlichen Voraussetzungen für eine Selbstständigkeit sind:
  • Meldung beim Finanzamt
  • ordnungsgemäße Meldung beim Gewerbeamt und/oder den entsprechenden Handwerkskammern

Möchten Sie über das Einstiegsgeld für Existenzgründer hinaus als Hartz IV-Leistungen für Selbstständige in Anspruch nehmen, so müssen Sie Ihre Tätigkeit nachweisen. Gewinn- und Verlustrechnungen, der Businessplan, der Abschluss notwendige Versicherungen und geeignete Maßnahmen für die Verbesserung der Auftragslage dürfen vom Jobcenter überprüft werden.

Der Autor: Johanna Höfer

Johanna Höfer

Nach einem Master in Transkulturelle Studien an der Universität Bremen arbeitete sie als Sozialarbeiterin zuerst bei der AWO und dann für die Stadt Bremen. Nun informiert sie als Redakteurin bei hartz4widerspruch.de über praktische Tipps für den Umgang mit Hartz IV.