Hartz 4: Wohnung suchen und finden

Beziehen Sie – allein oder mit Ihrer Bedarfsgemeinschaft – Hartz 4, stehen Ihnen zusätzlich zu den Regelsätzen für den Lebensunterhalt die Kosten für eine angemessene Wohnung zu. Darüber aber, was angemessen ist, scheiden sich oft die Geister. Zwar gibt es unterschiedliche Tabellen, die sich nach den regionalen Grundsicherung rechtlichen Mietspiegeln und dem jeweiligen Wohnungsmarkt richten. Ob allerdings tatsächlich eine Wohnung gefunden wird, die diesen Vorgaben entspricht, ist allerdings nicht immer sicher. Dennoch gibt es Möglichkeiten, zumindest für einen bestimmten Zeitraum einen höheren Betrag für Mietzahlungen zu erhalten. Wissenswertes zum Thema Wohnung und Hartz 4 haben wir hier für Sie zusammengestellt.

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Der Anspruch auf Leistungen: Bedarf für Unterkunft und Heizung

Im § 22 SGB II ist geregelt, dass die Agentur für Arbeit die Kosten für Unterkunft und Heizung zu übernehmen hat, soweit diese angemessen sind. Als nach der Wohnfläche angemessen gelten 45 bis 50 qm für eine einzelne Person. Pro Person aus der Bedarfsgemeinschaft erhöht sich diese Wohnfläche um maximal 15 qm.

Zu dieser reinen Bestimmung nach Wohnfläche kommt ein weiterer Faktor, nämlich die Höhe der Miete, der Nebenkosten, der Warmwasserbereitung und der Heizung. Hier orientiert sich der Leistungsträger an den regionalen Gegebenheiten. In der Praxis bedeutet dies, dass – verständlicherweise – in München ein weitaus höherer Betrag für eine Wohnung gezahlt wird als in ländlichen Regionen, wo Wohnen allgemein preisgünstiger ist.

Diese zwei Bewertungskriterien fließen in die Beurteilung von “angemessen” ein, entscheidend ist jedoch i erster Linie die Höhe der Miete. Dabei entstehen Gleitzonen. Für eine wirklich preisgünstige Wohnung können je nach Einzelfall auch höhere Quadratmeterzahlen genehmigt werden. Wer in einer kleinen, aber sehr teuren Luxuswohnung wohnt, deren Miete weit über dem Durchschnitt liegt, könnte zu einem Wechsel aufgefordert werden.

Regelungen gelten auch für Eigentumswohnungen

Besitzen Sie eine Eigentumswohnung, die diesen Vorgaben entspricht, müssen Sie diese nicht verkaufen. Bezahlt werden die monatlichen Belastungen bis zu der Höhe, die für Mietzahlungen in der betreffenden Kommune gilt.

Teurere Wohnung: Übergangsregelungen

Zahlen Sie für Ihre Wohnung eine unangemessen hohe Miete oder entspricht diese nicht den Wohnraumvorgaben, gibt das Jobcenter zwei Möglichkeiten vor: Entweder Sie ziehen um, oder Sie vermieten einen Teil der Wohnung – mit Genehmigung des Vermieters – weiter.

Für eine Übergangszeit von längstens sechs Monaten wird in der Regel die tatsächliche Kaltmiete plus Nebenkosten sowie Heizkosten erstattet.

Tipp: Nachweise über Bemühungen führen

Ob Sie in dem vorgegebenen Zeitraum von sechs Monaten den entsprechenden Wohnraum oder Untermieter finden, ist mitunter fraglich. Hier zählt Eigeninitiative. Halten Sie alle Ihre Bemühungen genau fest, um unter Umständen eine längere Zahlung der höheren Miete zu erreichen.

Umzug bei Hartz 4: Einverständnis einholen

Wenn Sie als Empfänger von AlG 2 umziehen, sollten Sie vor Abschluss des Mietvertrages das Einverständnis des kommunalen Leistungsträgers einholen. Dies gilt nicht nur dann, wenn Sie aufgrund einer zu hohen Miete mehr oder weniger zwangsweise umziehen, sondern ebenso, wenn Sie aus privaten Erwägungen einen Umzug planen. Vergessen Sie jedoch auf keinen Fall, den Umzug Ihrem Jobcenter mitzuteilen, auch wenn sich an der Höhe der Miete nichts ändert oder Sie eine Differenz selber tragen möchten.

Hinweis: Umzug muss erforderlich sein

Der Umzug muss erforderlich sein, sonst werden die Kosten der Unterkunft – auch bei Angemessenheit der neuen Kosten – nur bis zu der höhe der vorherigen Miete übernommen.

Mietobergrenzen bei Hartz 4: So werden sie berechnet

Ausgewiesen werden auf den Tabellen, die Ihnen das Jobcenter vor einem geplanten Umzug selbstverständlich nennt, jeweils die Bruttokaltmieten. Dazu gehören neben der reinen Kaltmiete auch die “kalten” Betriebskosten gemäß der Betriebskostenverordnung, wie zum Beispiel:

  • Müllabfuhr
  • Kaltwasser
  • Treppenhaus- und Grundstücksbeleuchtung
  • Straßenreinigung und Hausmeisterdienste

Zu Ihrem persönlichen Vergleich: In Nürnberg gilt derzeit für 1 Person und 50 qm eine Kaltmiete von 441 Euro für angemessen, in München werden 681 Euro anerkannt. Fakt ist jedoch, dass zu diesem Preis kaum Wohnraum in München gefunden wird. Deshalb sind zum einen Absprachen mit dem Kostenträger wichtig, zum anderen kann anwaltliche Beratung notwendig werden, damit Ihnen unter Umständen eine den realen Gegebenheiten angepasste Mietübernahme gewährt wird.

Heizung und Warmwasseraufbereitung

Die Beträge, die Sie monatlich als Abschlagszahlung für die Heizung der Wohnung und den Warmwasserverbrauch leisten müssen, werden zusätzlich zur Kaltmiete und den Nebenkosten erstattet. Allerdings kann es hier zu unterschiedlichen Problemen kommen.

Wird das Warmwasser mit Strom erzeugt oder ist die Wohnung noch mit Nachtspeicherheizungen ausgestattet, deckt der normale Satz für Energiekosten diesen Bedarf nicht. Bei der sogenannten dezentralen Warmwassererzeugung durch Durchlauferhitzer oder Gastherme können Sie jedoch einen Mehrbedarf beantragen. Hierzu ist ein eigener Antrag erforderlich, auch muss die Art der Warmwassererzeugung nachgewiesen werden.

Nachtspeicheröfen gelten aufgrund ihres relativ hohen Energieverbrauches zwar nicht mehr als zeitgemäß. Wenn Sie jedoch dringend auf eine Wohnung angewiesen sind, können Sie darauf nicht immer Rücksicht nehmen. In der Regel werden Nachtspeicheröfen mit preisgünstigerem Nachtstrom gespeist. Die Zahlungen, die Ihnen hierfür vom Jobcenter gewährt werden, reichen allerdings nicht immer aus.

Tipp: Absprachen treffen

Sprechen Sie vor allem vor dem Umzug in eine Wohnung mit Nachtspeicheröfen dies mit Ihrem zuständigen Sachbearbeiter ab. Die Ihrem Vormieter entstandenen Energiekosten können hier ein wertvoller Anhaltspunkt für den Verbrauch sein. So verhindern Sie, dass Sie unerwartet auf einem Teil der Heizkosten sitzenbleiben bzw. diese von Ihrem normalen Regelsatz übernehmen müssen.

Abstriche wegen zu hoher Heizkosten: Bescheid überprüfen

Sowohl bei den Heizkosten für eine bereits bewohnte Unterkunft als auch beim Wechsel in eine andere Wohnung kann es zu Unstimmigkeiten kommen. Für die Erstattung gilt ebenfalls ein durchschnittlicher Verbrauch. Dabei wird vom Leistungsträger nicht immer berücksichtigt, dass Heizkosten sowohl durch bauliche Gegebenheiten oder witterungsbedingt als auch durch persönliche Bedürfnisse von Jahr zu Jahr unterschiedlich ausfallen können.

Beispiel:

Das Jobcenter orientiert sich an durchschnittlichen Heizkosten für die angemessene Wohnung. Die bereits bewohnte Unterkunft weist jedoch einen sehr schlechten Energiewert auf, sodass überdurchschnittlich geheizt werden muss.

Ein weiterer Unterschied kann sich ergeben, wenn – womöglich kranke – Kleinkinder zur Bedarfsgemeinschaft gehören. In diesem Fall werden die Heizkosten in der Regel höher liegen als bei berufstätigen Personen, die ganztags außer Haus sind.

Sollten Ihnen hier Abstriche gemacht werden, kann ein Widerspruch sinnvoll sein. Unsere Partneranwälte von hartz4widerspruch.de überprüfen Ihren Bescheid kostenlos.

Hilfe bei der Wohnungssuche: Leistungen für Hartz-4-Empfänger

Einige Städte und Gemeinden halten für absolute Notfälle Wohnungen bereit. Hier wird Bedürftigen Unterkunft gewährt, meist jedoch nur vorübergehend, bis eine passende Wohnung gefunden ist. Bei regionalen Wohnungsbaugesellschaften lohnt sich die Suche nach günstigem Wohnraum. Vielfach sind passende Wohnungen für Leistungsempfänger reserviert. Sprechen Sie Ihren Sachbearbeiter im Jobcenter darauf an, und fragen Sie bei sozialen Wohnungsbaugesellschaften in Ihrer Region nach.

Umzugskosten und Mietkaution bei Hartz 4

Ist ein Umzug aus Sicht des Jobcenters erforderlich, weil eine günstigere Wohnung angemietet werden soll, können die Umzugskosten auf Antrag übernommen werden. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die neue Wohnung genehmigt wurde.

Auch bei einem Wohnungswechsel durch andere wichtige Gründe können auf Antrag die Umzugskosten erstattet werden. Hierzu zählen beispielsweise

  • Wohnungskündigung durch den Vermieter
  • Familienzuwachs und daher erhöhter Wohnraumbedarf
  • Unbewohnbarkeit des bisherigen Wohnraums durch Schimmel oder andere Gesundheitsgefährdungen
  • Veränderungen in der Bedarfsgemeinschaft wie Auszug einer Person oder Trennung vom Partner

Teilen Sie in diesen Fällen Ihrem Sachbearbeiter rechtzeitig den geplanten Umzug mit und holen Sie sein Einverständnis ein. In Zweifelsfällen hilft Ihnen ein Rechtsanwalt durch kompetente Beratung, die richtige Entscheidung zu treffen oder bei Bedarf Widerspruch gegen einen ergangenen Ablehnungsbescheid zu erheben.

Ist für eine andere Wohnung Kaution zu leisten, kann das Jobcenter diese bei Bedarf in Form eines Darlehens gewähren. Auch hier lohnt sich die rechtzeitige Rücksprache mit dem Sachbearbeiter, um Nachteile zu vermeiden.

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Geschrieben von: Christoph Hein

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