So rechnet die BA die Arbeitslosenzahlen klein

Das klingt doch nach guten Neuigkeiten: Nur 1,4 Millionen Menschen in Deutschland sind arbeitslos! So steht es zumindest in der aktuellen Statistik der Bundesagentur für Arbeit. Wer ein bisschen genauer hinschaut, bemerkt allerdings eine andere Zahl, die stutzig macht: 3,8 Millionen Menschen im arbeitsfähigen Alter bekommen Hartz 4. Trotzdem soll nur rund ein Drittel von diesen Menschen arbeitslos sein. Wie passt das denn nun zusammen?

Sechs Gruppen werden aus der Statistik gerechnet

Die Antwort liegt in der Berechnung der offiziellen Arbeitslosenzahl. Denn viele erwachsene Menschen im Hartz 4-Bezug werden gar nicht als Arbeitslose gezählt. Sechs Gruppen werden aus der Statistik herausgerechnet. Wir haben die Rechnung einmal nachgemacht. Wir starten mit 3,8 Millionen Arbeitsfähigen in Hartz 4. Dann rechnen wir immer mehr Menschen heraus.

Gruppe 1: Menschen in Maßnahmen

Wer in einer arbeitsmarktpolitischen Maßnahme ist, gilt nicht als arbeitslos. Solche Maßnahmen sind beispielsweise Ein-Euro-Jobs oder Weiterbildungen. 450.000 Menschen nehmen an solchen Maßnahmen teil. Das sind 14 % der 3,8 Millionen Arbeitsfähigen.

Gruppe 2: Aufstocker

539.000 Menschen arbeiten mindestens 15 Stunden pro Woche. Das sind 11 % von 3,8 Millionen. Diese Menschen gelten nicht als arbeitslos, auch wenn sie von Hartz 4 abhängig sind.

Gruppe 3: Menschen in Ausbildung oder Pflege

Wer nicht arbeiten kann, weil er oder sie Kinder oder Angehörige betreut oder pflegt oder weil er oder sie in Ausbildung ist, gilt nicht als arbeitslos. Das trifft auf etwa 674.000 Personen oder 18 % der erwerbsfähigen Menschen im Hartz 4-Bezug zu.

Gruppe 4: Menschen mit Krankschreibung

Wer krankgeschrieben ist, gilt nicht als arbeitslos. Am Stichtag, an dem die Arbeitslosenzahl ermittelt wurde, waren 313.000 Erwerbsfähige im Hartz 4-Bezug krankgeschrieben. Damit fallen weitere 8 % aus der Statistik.

Gruppe 5: Menschen über 58

Bei älteren Arbeitslosen gelten andere Regeln. Wenn sie beispielsweise länger kein Jobangebot bekommen haben, gelten Menschen über 58 nicht mehr als arbeitslos. 171.000 Menschen oder 5 % der Erwerbsfähigen können wir so aus der Statistik streichen.

Grupppe 6: Andere 

162.000 Menschen oder etwa 4 % der Erwerbslosen in Hartz 4 werden nicht als arbeitslos geführt – dafür ist aber in der Statistik auch kein Grund angegeben.

Hinweis: Kritik vom Bundesrechnungshof

Bei 4 % der Erwerbsfähigen wird kein Grund angegeben, warum sie nicht als arbeitslos gelten sollen. Das waren in den Vorjahren noch deutlich mehr. Der Bundesrechnungshof hat die Erfassung der Jobcenter gerügt, daraufhin wurde nachgebessert.

Nur ein Drittel gilt offiziell als arbeitslos

Haben Sie mitgezählt? Mit dieser Berechnung konnten wir die Zahl der Arbeitslosen mehr als halbieren. Von unseren ursprünglich 3,8 Millionen erwerbsfähigen Arbeitslosen sind nur noch 1,4 Millionen übrig geblieben. Mit dieser Berechnung gelten nur 64 % der erwerbsfähigen im Hartz 4-Bezug wirklich als arbeitslos. 

Diese Zahlen machen nicht nur deutlich, dass die Bundesagentur sich Mühe gibt, ihre Statistiken so gut aussehen zu lassen wie möglich. Sie zeigen auch, dass keineswegs alle Hartz 4-Empfänger arbeitslos sind. Hunderttausende sind trotz Arbeit auf Hartz 4 angewiesen.

Quellen:

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Geschrieben von: Johanna Höfer

Nach einem Master in Transkulturelle Studien an der Universität Bremen arbeitete sie als Sozialarbeiterin zuerst bei der AWO und dann für die Stadt Bremen. Nun informiert sie als Redakteurin bei hartz4widerspruch.de über praktische Tipps für den Umgang mit Hartz IV.

Eine Antwort auf „So rechnet die BA die Arbeitslosenzahlen klein“

  1. Jeder der Hartz 4 bezieht,kennt die langen Bearbeitungszeiten von Anträgen.Erwartet wird vom Leistungsbezieher eine sofortige Rückmeldung,aber leider kann man dies bei den Behörder nicht erwarten.Erstmal ist man im Hängeregister abgelegt.

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