Wegen der Aussicht auf einen Job begannen viele Hartz IV-Berechtigte die angebotene Weiterbildung.

Weiterbildung mit Jobgarantie – Ein gescheitertes Versprechen 

In den Räumlichkeiten des Berliner Jobcenters fanden Hartz IV-Empfänger Werbung für eine Weiterbildung vor, die nach einem absoluten Glücksfall klang. Die lud zu einem Informationsabend ein, veranstaltet von einem privaten Dienstleistungsunternehmen. Dort bekamen die Hartz IV-Berechtigten die Garantie auf einen unbefristeten Anschlussjob in der öffentlichen Verwaltung, sofern sie an der Qualifizierung teilnehmen würden.

Das Konzept klang überzeugend. Die Garantie auf einen Job war außergewöhnlich. Deshalb begannen viele Hartz IV-Berechtigte die angebotene Weiterbildung. 

Ein maßgeschneidertes Projekt

Das kleine Unternehmen, gerade mal ein Jahr am Markt, hat folgende Idee: Weil es der öffentlichen Verwaltung Berlins an Personal mangelt, stellen sie eine maßgeschneiderte Weiterbildung auf die Beine. Die soll die Teilnehmer direkt zur Arbeit in den Behörden befähigen. Sie nennen das Projekt „Neos“. Qualifiziertes Personal wird dringend gesucht, Quereinsteiger akzeptiert. Dass die Behörden unterbesetzt sind, spüren die Berliner, wenn sie Anträge stellen oder ihren Pass verlängern wollen.

Hinweis: Dann erhalten Sie einen Bildungsgutschein

Wenn Sie arbeitslos sind und eine Weiterbildung machen wollen, erhalten Sie vom Jobcenter oder der Agentur für Arbeit einen Bildungsgutschein. Den geben Sie bei dem zugelassenen (zertifizierten) Dienstleister ab, den Sie sich ausgewählt haben. Dieser erhält die Kosten der Weiterbildung erstattet. Sie wiederum erhalten weiterhin Ihre Bezüge durch das Jobcenter und bekommen die Kosten erstattet, die durch.

 

  • Prüfungen anfallen
  • Bücherkäufe
  • Fahrtkosten
  • unter Umständen Unterkunft und Verpflegung
  • Kinderbetreuung

Voraussetzung: Es muss eine Beratung durch die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter stattgefunden haben und Sie müssen ein Verständnis über die Art der Qualifikation erreicht haben.

„Alinea Personaldienstleistung“ – so heißt die junge Firma – wähnt sich also auf der richtigen Fährte und stellt sich das einfach vor. Nämlich so: Sie werben gezielt um Langzeitarbeitslose, die einen Bildungsgutschein haben. Mit dem Gutschein erzielen sie Einnahmen. Während die Weiterbildung läuft, treten sie mit den Behörden in Verhandlung und schließen mit ihnen Überlassungsverträge (Leiharbeitsverträge) ab. Dann leiht die Firma die frisch Qualifizierten gewinnbringend an die Behörden aus. Oder vermittelt sie und erhält dann den Erlös aus dem Vermittlungsgutschein.

Hinweis: Das ist ein Vermittlungsgutschein

Sie sind mit dem Vermittlungsgutschein berechtigt, einen zugelassenen privaten Arbeitsvermittler zu beauftragen, einen Job für Sie zu suchen. Gelingt es dem Vermittler, rechnet er unter Vorlage des Gutscheines sein Honorar direkt mit der Agentur für Arbeit ab. Den Vermittlungsgutschein erhalten Sie beim Jobcenter.

Die öffentliche Verwaltung Berlins übernimmt die Absolventen der Weiterbildung nicht

Die angestrebten Verträge zwischen der „Alinea“ und der öffentlichen Verwaltung kamen allerdings nicht zustande. „Alinea“ hatte sich verspekuliert. Die Jobs, die den Hartz IV-Berechtigten garantiert waren, gab es nun nicht mehr.

Dabei hatte es sich plausibel angehört: Der Arbeitslose sucht eine Arbeit, die öffentliche Verwaltung sucht Personal, der Arbeitslose qualifiziert sich dafür und wird über eine Dienstleistungsfirma in die öffentliche Verwaltung vermittelt. Und das Jobcenter ist auch zufrieden: Es hat erfolgreiche Vermittlungen zu vermelden.

Doch woran scheiterte es? Überlassungsverträge schließt die öffentliche Verwaltung nur bei außergewöhnlichen Engpässen ab. Zudem: Ganze Kursklassen zu übernehmen, ist nicht ihre Einstellungspraxis. Die sieht individuelle Bewerbungen vor. Im Übrigen veranstaltet sie eigene Programme für Quereinsteiger.

Jobcenter überprüft den Fall

Offenbar war das Jobcenter unzureichend über die „Alinea“ informiert. Es will die Sache nun überprüfen, zumal es aktiv für die „Alinea“ geworben hatte.

Weiterbildungsgutscheine für die Arbeit in der öffentlichen Verwaltung stellt das Jobcenter auch jetzt noch aus, denn der Personalmangel in den Behörden ist nicht behoben. Allerdings werden die Gutscheine nicht zur Einlösung für ein bestimmtes Unternehmen ausgegeben. Sie werden für den Hartz IV-Empfänger ausgestellt, der sich ein Dienstleistungsunternehmen für seine Weiterbildung suchen muss.

Zurück bleiben die Hartz IV-Empfänger, die sich getäuscht sehen. Immerhin hat die Hälfte der Teilnehmer des Weiterbildungsprojekts bei „Alinea“ inzwischen einen Job. Auf eigene Faust.

 

Quelle:

TAZ: Berliner Projekt für Langzeitarbeitslose

Der Autor: Johanna Höfer

Johanna Höfer

Nach einem Master in Transkulturelle Studien an der Universität Bremen arbeitete sie als Sozialarbeiterin zuerst bei der AWO und dann für die Stadt Bremen. Nun informiert sie als Redakteurin bei hartz4widerspruch.de über praktische Tipps für den Umgang mit Hartz IV.

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