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Umzug ohne Genehmigung – Was übernimmt das Jobcenter noch?

Die Kosten der Unterkunft (KdU) sind seit jeher ein Streitthema zwischen Jobcenter und Hartz IV-Empfänger*innen. Besonders kompliziert wird es bei Umzügen. Genehmigt das Jobcenter einen Wohnungswechsel nicht, müssen Grundsicherungsempfänger*innen mit finanziellen Nachteilen rechnen.

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Umzug auch ohne Genehmigung möglich

Die gute Nachricht zuerst: Das Jobcenter kann Ihnen das Umziehen nicht verbieten. Denn Artikel 11 des Grundgesetzes gewährt allen deutschen Staatsbürger*innen die freie Wahl des Wohnortes. Trotzdem sollten Sie das Jobcenter über einen Umzug informieren.

Zum einen muss die Behörde Sie weiterhin erreichen können. Sind Sie nicht erreichbar, verlieren Sie Ihren Anspruch auf Arbeitslosengeld und müssen zu viel gezahlte Leistungen eventuell zurückzahlen. Zum anderen ist es nicht unwahrscheinlich, dass ein anderes Jobcenter nach Ihrem Umzug für Sie zuständig ist. Um solche Fragen zu klären, ist ein enger Kontakt zwischen Ihnen und dem Jobcenter erforderlich.

Jobcenter übernimmt keine Umzugskosten

Ein Umzug ist immer mit einigen Kosten verbunden. Gerade als Hartz IV-Empfänger*in hat man aber nicht immer die nötigen finanziellen Mittel, um einen Wohnungswechsel alleine zu stemmen. Das Jobcenter jedenfalls übernimmt die Kosten für einen Umzug nur dann, wenn er erforderlich ist. Das ist beispielsweise der Fall, wenn:

  • Man umzieht, um eine Arbeitsstelle annehmen zu können
  • Ein Umzug aus gesundheitlichen Gründen notwendig ist
  • Die derzeitigen Wohnverhältnisse unzumutbar sind
  • Der Wohnraum wegen Familienzuwachses zu knapp wird
    oder
  • Sie sich von Ihre*r Partner*in trennen.

Sollte das Jobcenter den Umzug für nicht erforderlich halten, müssen Grundsicherungsempfänger*innen selber für die Kosten aufkommen.

Neue Wohnung sollte nicht viel teurer sein

Ist der Umzug geschafft, stellt sich für Hartz IV-Empfänger*innen die Frage, ob das Jobcenter auch die KdU der neuen Bleibe übernimmt. Hierzu sei gesagt, dass das Jobcenter Miete und Heizkosten zwar auch weiterhin bezahlt, allerdings nur in Höhe des Betrags, den es bisher für die alte Wohnung gezahlt hat.

Das gilt aber nicht grenzenlos. Das Bundessozialgericht hat 2016 entschieden, dass das Jobcenter bei einem nicht genehmigten Umzug auch die Entwicklung der Mietpreise mit berücksichtigen und die Angemessenheitsgrenze gegebenenfalls nach oben anpassen muss.

Dennoch sollten Grundsicherungsempfänger*innen darauf achten, dass die neue Wohnung nicht viel teurer ist, als die alte. Ist die Angemessenheitsgrenze des Jobcenters nämlich in Ordnung, müssen Hartz IV-Empfänger*innen den Differenzbetrag zwischen angemessener und tatsächlicher Miete selber aufbringen.

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Geschrieben von: Paul zu Jeddeloh

Seit 2019 bereichert er das Team unsere Partneranwälte von hartz4widerspruch.de und macht sich für die Rechte von Bürgergeld-Empfänger:innen stark. Soziale Ungerechtigkeiten räumt er aus dem Weg. Sein weitreichendes Know-how aus vergangenen Fällen und sein tiefgreifendes Wissen über aktuelle Entwicklungen im Sozialrecht verhelfen zahlreichen Ratsuchenden zum Recht.

8 Antworten auf „Umzug ohne Genehmigung – Was übernimmt das Jobcenter noch?“

  1. Guten Tag Ich habe eine angemessene Wohnung gefunden das amt sagt auch kdu ist angemessen,doch dann im selben Schreiben wird die Wohnung abgelehnt wegen zu geringen betriebskosten.was kann ich jetzt tun kann ich trotzdem umziehen?

    1. Hallo Sabrina,
      dass ein Antrag aufgrund zu geringer Betriebskosten abgelehnt wird, erscheint uns nicht nachvollziehbar. Sind diese nicht vielmehr zu hoch? Grundsätzlich können Sie auch ohne Zustimmung des Jobcenters umziehen. In dem Fall werden aber weder Umzugskosten übernommen noch die Differenz, sofern die Nebenkosten die Angemessenheitsgrenze übersteigen. Eine Nachzahlung müssten Sie dementsprechend selbst stemmen. Wenn Sie das in Kauf nehmen können und wollen, steht einem Umzug nichts im Wege.
      Viele Grüße

  2. Hallo ich habe eine Frage also

    Ich kann für paar Monate mit meine Kinder zu einem Bekannten ziehen in andere Bundesland da mein Verlobter da wohnt Vater meines Babys und wir eine gemeinsame Wohnung suchen dann meine jetzige alte Wohnung hab ich aber noch 3 Monate Kündigung Frist ich möchte aber dort nicht mehr bleiben da mein großer Sohn bald eingeschult wird und das unsere einzige Chance war hier zu wohnen also hab ich mich jetzt umgemeldet ich muss hier keine Miete zahlen also könnte ich dann Jobcenter fragen ob sie mir vlt die alte Wohnung zahlen würden wäre es möglich ich kenne mich da nicht ganz so aus

    1. Hallo Lisa,
      wenn wir das richtig verstehen, sind Sie ohne es dem Jobcenter mitzuteilen umgezogen. Offenbar haben Sie auch keine Ortsabwesenheit angemeldet. Das kann zur Folge haben, dass Ihnen die Leistungen komplett entzogen werden. Denn: Grundsätzlich müssen Sie dem Jobcenter eine Ortsabwesenheit melden. Tun Sie das nicht, können die Leistungen ab Tag 1 der Ortsabwesenheit eingestellt werden. Außerdem gilt: Wollen Sie umziehen, müssen Sie auch das mit dem Jobcenter abstimmen. Einen Anspruch auf Kostenübernahme für eine leerstehende Wohnung haben Sie nicht. Dafür werden Sie selbst aufkommen müssen.
      Viele Grüße

  3. Guten Tag,
    Ich habe eine Frage. Ich möchte umziehen in anderen Bundesland aus privaten Gründen. Umzug Kosten braucht der jobcenter nicht übernehmen zwecks Freunde. Die Frage ist bekomme ich weiter bürgergeld von neuen jobcenter?

    1. Hallo Lada,
      ja, Sie erhalten weiterhin Leistungen. Sie müssen allerdings darauf achten, dass sich die Wohnung im Rahmen der Angemessenheit befindet, damit die Kosten vollständig übernommen werden.
      Viele Grüße

  4. Mein VM hat mir gekündigt aufgrund übler Nachrede der Nachbarn und mich verklagt, damit ich ausziehen. Ich habe 14 Monate eine neue Wohnung gesucht, habe jetzt eine gefunden. Halb so groß, 200€ günstiger, 3 Hausnunmern weiter…

    Ich will keine Unzugskosten, weil es keine 50 Meter zur neuen Wohnung sind.

    Muss ich da irgendwas beantragen oder reicht eine Veränderungsmitteilung nach dem Umzug?

    1. Hallo Anke,
      auch wenn die Wohnung kleiner und günstiger ist, müssen Sie sich vom Jobcenter den Umzug genehmigen lassen, um eventuelle Probleme bei der Übernahme der KdU im Nachhinein auszuschließen. Im selben Zuge können Sie auch die Adressänderung vornehmen lassen.
      Viele Grüße

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