Hartz 4 oder Erwerbsminderungsrente?

Wer Hartz 4 bekommt und länger krank ist, wird oft aufgefordert, Erwerbsminderungsrente zu beantragen. So geht es auch dem Mann unserer Leserin. Sie fragt sich nun, warum das passiert und welche finanziellen Auswirkungen der Familie bevorstehen.

Welche Auswirkungen hat ein Antrag auf Erwerbsminderungsrente?

Frage: Hallo! Mein Mann ist seit Januar diesen Jahres krankgeschrieben. Heute rief unsere Fallmanagerin an und sagte, wir bekommen einen Bogen wegen seiner Gesundheit, den wir ausfüllen müssen, da er ja im Moment nicht erwerbstätig ist und der Amtsarzt es sich anschauen muss. Sollte rauskommen, dass eine Erwerbstätigkeit nicht ginge, müsse er Erwerbsminderungsrente beantragen. Die bekommt er aber nicht. Wie stehen wir dann finanziell da? Im Oktober erwarten wir unser Baby.. Vielleicht können Sie helfen. Danke im Voraus.

Voraussetzung für Hartz 4 ist Erwerbsfähigkeit

Antwort: Ihr Mann ist nun seit über sechs Monaten krankgeschrieben. Im Gegensatz zu normalen Arbeitnehmern, die nach einer Krankheitsdauer von mehr als sechs Wochen Krankengeld von der Krankenkasse erhalten, bekommen Bezieher von Hartz 4-Leistungen weiterhin Hartz 4.

Einen Anspruch auf Hartz 4 haben jedoch nur erwerbsfähige Personen. Erwerbsfähig ist eine Person dann, wenn sie dem Arbeitsmarkt mindestens drei Stunden täglich zur Verfügung steht. Wer dies z.B. aufgrund von Krankheit im Moment nicht aber in absehbarer Zeit wieder kann, gilt ebenfalls als erwerbsfähig. Als absehbare Zeit setzt man in der Regel einen Zeitraum von sechs Monaten an.

Bei mehr als sechs Monaten Krankheit prüft das Jobcenter den Leistungsanspruch

Da Ihr Mann nun länger als sechs Monate erkrankt ist, will das Jobcenter überprüfen, ob überhaupt noch eine Erwerbsfähigkeit vorliegt. Ist dies nicht der Fall, entfällt der Anspruch auf Hartz 4-Leistungen.

Das Jobcenter hat Ihnen nun mitgeteilt, dass Ihr Mann Erwerbsminderungsrente beantragen soll. Einen Anspruch auf Erwerbsminderungsrente erhalten erkrankte Personen in der Regel nur, wenn mindestens fünf Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt wurde. Zudem muss man in den letzten fünf Jahren vor Bezug der Rente Pflichtmitglied in der Rentenversicherung gewesen sein. Sie teilen nun mit, dass kein Anspruch auf Erwerbsminderungsrente besteht.

Erwerbsunfähige sollten Sozialhilfe beantragen

Wenn Ihr Mann weder Hartz 4 noch Erwerbsminderungsrente bekommt, bedeutet das aber nicht, dass Ihr Mann gar keine Leistungen mehr erhält. Ihr Mann sollte, sofern keine Hartz 4-Leistungen mehr gezahlt werden, einen Antrag auf Sozialhilfe stellen. Einen Anspruch auf Sozialhilfe haben Personen, die dem Arbeitsmarkt nicht mehr in vollem Umfang zur Verfügung stehen.

Weiterhin darf kein ausreichender Anspruch gegenüber anderen Leistungsträgern bestehen wie z.B. der Rentenversicherung. Es ist daher ratsam, trotzdem einen Antrag auf Erwerbsminderungsrente zu stellen. Wird dieser Antrag abgelehnt, können Sie diese Ablehnung dem Sozialamt vorlegen.

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Geschrieben von: Nassir Jaghoori

Er studierte in Hamburg und Speyer Rechts- und Verwaltungswissenschaften. Nach dem Referendariat beim Hanseatischen Oberlandesgericht Hamburg hat er sich als Angestellter der Agentur für Arbeit im SGB II spezialisiert. Als einer unserer Partneranwälte von hartz4widerspruch.de kennt er sich bestens mit den aktuellen Entwicklungen im Sozialrecht aus.

2 Antworten auf „Hartz 4 oder Erwerbsminderungsrente?“

  1. Hallo zusammen,
    Ich bin seit gut 3 Jahren krank geschrieben und musste in logischer Konsequenz ein Antrag auf Erwerbsminderung bei der Deutschen Rentenversicherung beantragen.
    Der Antrag wurde jetzt nach einer Bearbeitungszeit von 16 Monaten abgelent.
    Die Bearbeitungszeit war so lang, dass ich nach der Nahtlosigkeitsregelung in Form von 1 Jahr Arbeitslosengeld anschließend Hartz 4 beantragen musste und auch bekommen hab so lange bis die Deutsche Rentenversicherung über meinen Antrag entschieden hat.
    Nun ist es ja nach wie vor so das ich Krank geschrieben bin und dadurch dem AA nicht zur Jobvermittlung zu Verfügung stehe.
    Auch ein im November erstelles Gutachten vom Arbeitsamt selber bestätigt das ich die nächsten sechs Monate nicht mindestens drei Stunden am Tag arbeiten kann.
    Ich möchte Widerspruch innerhalb der 4 Wochen Frist gegen meinen Erwerbsminderungs bescheid bei der Rentenkasse machen.
    Bisher war es so, dass ich nur Hartz 4 bekommen habe da ich Rentenantragsteller war.
    Bin ich durch den Widerspruch immer noch Rentenantragsteller?
    Besteht die Möglichkeit weiterhin Hartz 4 zu beziehen auch nach der Ablehnung des Antrags auf Erwerbsminderung von der Rentenkasse?
    Mein Hartz 4 Bezug wurde für ein halbes Jahr bis zum 31.12 21 genehmigt, deshalb habe ich Anfang Dezember einen Weiterbewilligungsantrag für weitere 6 Monate beim Arbeitsamt gestellt der noch in Bearbeitung ist.
    Nun ist die Angst groß ab Januar ohne alles da zu stehen und Versicherungslücken zu haben.

    1. Hallo Herr Vierling,
      ich würde Ihnen empfehlen, sich diesbezüglich einmal mit dem Sozialamt in Verbindung zu setzen. Leider kann ich nicht beurteilen, ob Sie nach wie vor als Antragssteller gelten. Setzt sich die Rentenkasse aber mit der Ablehnung durch, haben Sie keinen Anspruch auf Hartz 4, sofern Sie nicht in absehbarer Zeit (in der Regel sechs Monate) wieder als erwerbsfähig gelten.
      Die Bearbeitung Ihres Weiterbewilligungsantrags kann zudem bis zu sechs Monate dauern. Ggf. müssten Sie ein Eilverfahren vor dem Sozialgericht in Erwägung ziehen.
      Viele Grüße

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