„Armes Deutschland“ fördert Negativbild von Hartz 4-Empfängern

Die Botschaft, die die Serie „Armes Deutschland“ derzeit vermittelt, ist eindeutig. Hartz 4-Empfänger sind dumm, ungepflegt, neigen zu Kriminalität und weigern sich arbeiten zu gehen. Der Zweck der Sendung scheint es zu sein, den Zuschauer gegen Leistungsempfänger aufzubringen.

Serie besteht aus Negativbeispielen

In den vergangenen Wochen wird Hartz 4 zunehmend mit der Sendung „Armes Deutschland“, einer Serie auf RTL II, assoziiert. Um den Zuschauern auch ordentlich Unterhaltung zu bieten, erfüllen die Protagonisten selbstverständlich jedes Klischee, das sich Außenstehende von Hartz 4-Empfängern vorstellen. Arbeitslose Eltern leben mit vielen Kindern, sofern diese nicht in Pflegefamilien leben, in dreckigen Wohnungen. Sie weigern sich zu arbeiten und haben zusätzlich ein Alkoholproblem. Der Zuschauer scheint ganz bewusst dazu verleitet zu werden, ein negatives Bild von armen Menschen, beziehungsweise von Leistungsempfängern, zu entwickeln. Die Protagonisten werden offensichtlich nach bewussten Kriterien gecastet und mit den richtigen Fragen und dem richtigen Schnitt hört der Zuschauer Kommentare wie „Für 8,50 Euro geh ich nicht arbeiten“. Aussagen, die die arbeitende Bevölkerung gleichermaßen provozieren dürfte wie auch viele Hartz 4-Empfänger selbst.

Was die Sendung vermittelt

Die Sendung vermittelt den Zuschauern das Gefühl, dass Leistungsempfänger das Leben mit Hartz 4 genießen. Arbeit kommt für sie nicht in Frage. So auch in der Sendung vergangene Woche. So auch in der Sendung vergangene Woche. Jenny und Max, sie 18 Jahre und er 24 Jahre, sind seit einem halben Jahr ein Paar. Jenny erhält monatlich 195 Euro Kindergeld. Max hat seine Ausbildung zum Koch vor 5 Jahren abgebrochen und erhält monatlich 290 Euro Hartz 4-Leistungen. Er wurde bereits sanktioniert, weil er mehrfach seine Termine beim Jobcenter nicht wahrnahm. Jenny ist seit ihrem Realschulabschluss vor drei Jahren ebenfalls arbeitslos. Auch die Tatsache, dass sie in einer heruntergekommenen Wohnung leben, ist für das Paar kein Grund ihr Leben zu ändern und sich einen Job zu suchen. Diese ist von Schimmel befallen, renovierungsbedürftig und dreckig. Aufgrund defekter Geräte wird das Geschirr in der Dusche abgespült.

Extrembeispiele verzerren Wahrnehmung von Langzeitarbeitslosen

Beide weigern sich zur arbeiten. Es folgen Sätze wie „Ich würde gerne arbeiten, aber ich habe keinen Bock“ oder „Ich will mich nicht auf einen Job festlegen, ich brauche Abwechslung“. Das Paar scheint für RTL II perfekt zu sein, um das voreingenommene Bild der Zuschauer weiter anzuheizen. Derartige Darstellungen verzerren die Wahrnehmung von Langzeitarbeitslosen jedoch extrem. Denn sie entsprechen nicht der Realität. Abgesehen davon ist anzuzweifeln, ob derartige Aussagen auch tatsächlich in dem dargestellten Zusammenhang ausgesprochen wurden. Vieles wird den Protagonisten in den Mund gelegt. Mit dem richtigen Schnitt scheint das Negativbild des Hartz 4-Empfängers perfekt und bietet ordentlich Diskussionsbedarf.

Darstellungen spiegeln nicht die Realität wider

Leistungsempfänger haben ohnehin mit zahlreichen Vorurteilen zu kämpfen. Sendungen wie diese, erschweren ihnen den Alltag zusätzlich. Fakt ist, dass der Großteil von ihnen keinesfalls so lebt, wie dargestellt. Doch das scheint unwichtig. Schließlich brauchen die Zuschauer ausreichend Zündstoff, um sich über Leistungsempfänger aufzuregen. Die Zuschauer werden bewusst manipuliert, indem sich RTL II an Extremfällen bedient und diese als die Realität verkauft. Für Leistungsbezieher dürfte die Sendung eine große Beleidigung darstellen. Menschen, die selbst noch nie mit Hartz 4 zu tun hatten, beziehungsweise Vorurteile haben, bekommen ein realitätsfernes Bild vermittelt.

Folglich rückt die Sendung eine ganze gesellschaftliche Gruppe in ein falsches Licht. Hinzu kommt, dass die Sendung auf dem Rücken derer ausgetragen, die sowieso schon mit reichlich Problemen und Vorurteilen zu kämpfen haben.

Der Autor: Johanna Höfer

Johanna Höfer

Nach einem Master in Transkulturelle Studien an der Universität Bremen arbeitete sie als Sozialarbeiterin zuerst bei der AWO und dann für die Stadt Bremen. Nun informiert sie als Redakteurin bei hartz4widerspruch.de über praktische Tipps für den Umgang mit Hartz IV.

6 Antworten auf „„Armes Deutschland“ fördert Negativbild von Hartz 4-Empfängern“

  1. Hartz IV fördert die Bereitschaft auch ohne Arbeit gut leben zu wollen. Das Geld kommt ja vom Finanzamt und der Strom aus der Steckdose. Viele mir bekannte Sozialhilfeempfänger bedanken sich beim Staat und nicht bei den arbeitenden Steuerzahlern. 6 Millionen Hartz IV Empfänger, zwei Millionen arbeitslose, Millionen Aufstocker gegenüber 1,5 Millionen fehlende Fachkräfte, möglichst angeworben aus dem Ausland, damit die Hartz IV Empfänger aus ihrer engmaschigen Hängematte gelassen zusehen können. Was RTL zeigt kann jeder im Alltag beobachten-natürlich wenn er das objektiv will.
    Schieflage in der Gesellschaft und in der Ökonomie.

  2. Über diese Sendung habe ich mich auch schon aufgeregt und geärgert.Meiner Meinung nach gehört diese Sendung abgesetzt weil diese nicht im Geringsten mit der Realität zu tun hat.RTL2 ist aber sowieso dafür bekannt, um auf die gewünschten Einschaltqouten zu kommen,über Leichen zu gehen.
    Ich schau es mir nicht mehr an.Schon aus dem Grund,um dieses Thema nicht zu weit an mich herankommen zu lassen.
    Wer wenn nicht der Staat kann dieser Hetzkampanie Einhalt gebieten.

  3. Dazu habe ich auch nur folgenden Kommentar: Wer RTL sieht, der schlägt auch kleine Kinder !!!!!
    RTL ist in der Zwischenzeit bei mir auf die letzte Stelle meiner Favoritenliste abgerutscht, weil dort so viel “MIST” verzapft wird, den man sich – wenn man noch einigermassen “bei Sinnen” ist – doch gar nicht mehr ansehen kann…
    RTL wird bei mir nur noch eingeschaltet, wenn es “mal wieder” (und das passiert ja in letzter Zeit öfter) nichts Vernünftiges im Fernsehen gibt… Das betrifft auch die Sendergruppe von Sky !!!!
    Wenn ich nicht schon wegen meines Hartz-IV/Grundsicherungsstatus von den Rundfunk/Fernsehgebühren befreit wäre, würde ich diese Gebühren einfach nicht mehr bezahlen (und es auf ein Gerichtsverfahren ankommen lassen) bzw. einen Antrag auf Befreiung von diesen Gebühren stellen !!!
    Im Übrigen kenne ich kein anderes Land, wo man wie bei uns Rundfunk- und Fernsehgebühren zahlen muss !

  4. Ja, diese Sendung macht erschrocken. Aber, wir dürfen nicht vergessen, dass es eine Tatsache gibt von
    Menschen, die wirklich nicht arbeiten wollen. In dieser Sendung wird leider der asoziale Mensch dagestellt und nicht der Mensch, der arbeiten möchte. Da uns so viele Pflegekräfte fehlen, sei es in Altersheimen, Kraenkenhäuser u.a., sollte es eine Pflicht geben, Arbeitslose einzustellen. Wer lange arbeitslos ist, gewöhnt sich an einen Urlaubsrittmus und das ist nicht gut für die Psyche. So sehe ich das. Was noch eingeführt werden sollte, dass ist aber ein politisches Denken, dass alle, die aus der Schule kommen, ein Haushaltsjahr machen müssten. Das würde der Jugend gut tun und die Kriminalität unter Jugendlichen würde nachlassen.
    Es müsste verboten werden, das arme Menschen in Wohnungen leben, die dringend renoviert werden müssten. Durch diesen Schmutz, Pilz an den Wänden usw. ist der Krankheitskeim ganz in der Nähe und
    Verbreitung. Ich wäre auch dafür, dass die Medien in ihrer Veröffentlichung eingeschränkt werden müssten.
    Ich finde es schon grausam so viel über die Ernährung zu schreiben. Nun ist der Zucker dran. Nach den Veröffentlichungen der Medien müßten alle Cafes usw. geschlossen werden. Die Psychologen kommen wie Pilze aus der Erde und vergreifen sich an den Patienten. Es ist zwar gut, die Kindheit zu analysieren, aber besser wäre es, wenn die Gegenwart und die Zukunft bearbeitet werden. Die Vergangenheit ständig zu hören macht krank. Es gibt nur einen Satz für den Patienten und zwar diese 2 Worte, “ICH WILL”. Wenn man nicht will, haben auch Pschologen keine Chance. Manchmal ist die beste Freundin die beste Psychologin.
    Dieses hat aber einen Grund: Wenn man aus der unteren Kiste kramt, ist die Therapie verlängert und der Psychologe verdient daran. Nein, der Patient wird abhängig gemacht. Ich bin jetzt 80 Jahre alt und bin bis heute ehrenamtlich tätig für Familien die arm sind. Ich helfe Menschen, die eigentlich in die Pflegestufe gehören, auch, damit sie besser leben können. Wenn nichts klappt, dann beantrage ich die Klage beim Sozialgericht. Also, man kann wenn man will, bis ins hohe Alter sich beschäftigen. Ich habe schon einige unglaubliche Geschichten mit dem Jobcenter unangenehm bearbeiten müssen. Im Jobcenter sitzen Sachbearbeiter, denen es fehlt an Seminaren um überhaupt die Sachlage zu verstehen. Das Jobcenter schreibt dann so, dass der Arbeitslose den Pragraphenunsinn nicht versteht den die Sachbearbeiter selber nicht umsetzen können.
    Ich habe noch nie ein für den Arbeitslosen ein verständliches Schreiben gelesen. So soll es auch sein,
    damit der Arbeitslose nicht auf die Idee kommt hinter die Schliche der Einsparung zu kommen. Die Sachbearbeiter sind darauf geschult. So ist es nun mal. Ich finde es schon sehr merkwürdig, dass das Jobcenter jedes Jahr die Kontoauszüge von 3 Jahre anfordert mit dem Spruch, wenn das so nicht erledigt wird, ein Abzug möglich ist. Unglaublich. Und das ist noch unlegitim, aber der Arbeitslose lebt in der Angst.
    Ich finde es wunderbar, dass Sie darüber schreiben und öffentlich machen, was bei hartz 4 so alles los ist.
    Herzlichen Gruß
    A. Düster-Neder

  5. Ich bin sehr dankbar, dass sich endlich jemand in der Öffentlichkeit für die Hartz VI Empfänger eintritt. Man könnte meinen, dass es gar nicht um die Wahrheit, sondern nur um Einschaltquoten geht. Damit werden die sowieso schon vorhandenen Vorurteile gefördert und diejenigen, die vielleicht noch ein bißchen Verständnis hatten, blasen nun in’s selbe Horn. Ich bin selbst von Hartz IV abhängig und weiß wie demütigend das ist. Ich habe mir das nicht ausgesucht und würde lieber heute als morgen auf die Almosen vom Jobcenter verzichten. Es sollte niemand ein Urteil sprechen, der erstens nie in dieser furchtbaren Situation war und gar nicht die wahren Umstände kennt, wie man soweit abstürzen kann.

  6. Hallo, ich kann mich da unheimlich aufregen das sowas überhaupt gesendet wird im Fernsehen und gerade zur Feierabend und Abendbrotzeiit. Ich finde es gut das Ihr dieses Thema mal aufgreift.

    Denn wir haben doch ein Grundgesetz in diesem Land “oder^ normalerweise dürfte doch sowas gar nicht Ausgestrahlt werden . Das ist Diskriminierung. Und es war doch mal so, das im Grundgesetz steht , das Minderheiten oder Anders Wertige Personen nicht zu Diskriminisieren sind. Schlimm auch für Kinder wie sie dargestellt werden. Es sind immer noch Schutzbedürftige.

    Vielleicht kann da gegen Angegangen werden und eine Petition starten das die Sendung endlich abgesetzt wird.

    Mit freundlichen Grüßen
    Susanne Quandt

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