Kinder auf dem Schulhof Teilhabepaket

Studie belegt: Kaum Kinder profitieren vom Bildungs- und Teilhabepaket

Vor 8 Jahren wurde das Bildungs- und Teilhabepaket ins Leben gerufen. Es soll Kinder aus benachteiligten Familien unterstützen. Die ernüchternde Erkenntnis: 85 % der Kinder und Jugendliche, denen das Geld zusteht, erhalten es nicht. Das belegt eine kürzlich durchgeführte Studie des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes.

Studie ermittelt, wie viele Kinder tatsächlich Geld vom Staat in Anspruch nehmen

Basierend auf den Daten der Bundesagentur für Arbeit sollte ermittelt werden, wie viele Kinder und Jugendliche aus Hartz 4-Haushalten zwischen 6 und 15 Jahren theoretisch von dem Bildungspaket profitieren. Die Studie bezieht sich auf den Zeitraum August 2017 bis Juli 2018.

Hinweis: Was beinhaltet das Bildungs- und Teilhabepaket?

Das Bildungspaket wurde vor 8 Jahren von der damaligen Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) ins Leben gerufen. Es ist ursprünglich eingeführt worden, um Kindern aus benachteiligten Familien einen besseren Zugang zum sozialen und kulturellen Leben zu ermöglichen. Mit den Zuschüssen soll beispielsweise eine Mitgliedschaft in einem Sportverein, der Besuch in einer Musikschule oder auch Ausflüge und Klassenfahrten finanziert werden.

Hier finden Sie die aktuellen Beträge, die Kindern durch das Bildungs- und Teilhabepaket zustehen.

Nur jedes siebte Kind profitiert von staatlichen Zuschüssen

In Deutschland sind rund eine Millionen Kinder und Jugendliche von Hartz 4 betroffen. Die Studie belegt, dass nur jedes siebte Kind auch tatsächlich von den staatlichen Zuschüssen profitiert. Anders gesagt: 85 % aller Kinder und Jugendliche die einen Anspruch auf die Leistungen haben, erhalten es nicht. Folglich kommt das Bildungspaket bei dem Großteil der Kinder und Jugendlichen gar nicht an.

Der Verband selbst betitelt das Ergebnis als „Armutszeugnis“. Der Hauptgeschäftsführer, Ulrich Schneider, halte das Bildungs- und Teilhabepaket nach eigenen Angaben für “Murks”. Die Studie belegt auch, dass sich die niedrige Zahl derer die die Leistungen in Anspruch nehmen im Vergleich zum letzten Jahr unwesentlich verändert hat. Hinzu kommt, dass es große Unterschiede von Region zu Region gibt.

Hinweis: Welches Bundesland schneidet am besten ab?

Spitzenreiter ist Schleswig-Holstein. Dort profitieren mit 46,6 % die meisten Kinder und Jugendlichen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket im bundesweiten Vergleich. Am seltensten profitieren die Kinder im Saarland mit 6,7 %. Deutschlandweit liegt der Durchschnitt bei 14,6%.

Neben den großen Unterschieden zwischen den Bundesländern gibt es allerdings auch große Unterschiede zwischen den Landkreisen. Um bei dem Beispiel Schleswig-Holstein zu bleiben: Im schleswig-holsteinischen Nordfriesland profitieren 94,8 % der Kinder vom Bildungspaket. Im Kreis Schleswig-Flensburg liegt die Quote hingegen nur bei 9,1 %.

Kritiker bemängeln vor allem das komplizierte Antragsverfahren

Der Wohlfahrtsverband sieht vor allem die Art des Antragsverfahrens als eine Ursache für die Unterschiede. So haben die Behörden in den Kommunen mit hohen Quoten sehr unbürokratische Verfahren gewählt. Bei Landkreisen mit geringen Quoten sind die Anträge hingegen häufig sehr kompliziert gestaltet.

Ein Antrag ist häufig mit vielen Formularen und Unterschriften verbunden. Zusätzlich müssen Belege eingereicht und unzählige Kopien erstellt werden, um gefördert zu werden. Folglich wagen sich viele Betroffene gar nicht erst an die Anträge heran.

Politiker fordern Einführung der Kindergrundsicherung

Der Wohlfahrtsverband fordert das Bildungs- und Teilhabepaket zusammen mit den Gutscheinen gänzlich abzuschaffen. Stattdessen sollten die Familien die 15 EUR pauschal mehr erhalten. Zusätzlich solle die Organisation der Förderung bei den Jugendämtern und nicht mehr bei den Jobcenter liegen.

Neben dem Wohlfahrtsverband sprechen sich zudem auch Grüne, SPD und Linke dafür aus, eine Kindergrundsicherung einzuführen. In dieser würden sich dann alle staatlichen Leistungen für Kinder und Jugendliche bündeln lassen.

Letzte Änderung im August

Ob die aktuelle Veränderung aus dem August und die damit verbundene Erhöhung positiv auswirken, wird sich erst im nächsten Jahr zeigen. Seit August 2019 erhalten Kinder aus Hartz 4-Familien 150 EUR statt den bisherigen 100 EUR. Der monatliche Zuschuss ist von 10 EUR auf 15 EUR gestiegen. Der bisherige Eigenanteil für Fahrkarten oder auch das Mittagessen in der Schule ist entfallen.

 

Quellen:

Der Autor: Johanna Höfer

Johanna Höfer

Nach einem Master in Transkulturelle Studien an der Universität Bremen arbeitete sie als Sozialarbeiterin zuerst bei der AWO und dann für die Stadt Bremen. Nun informiert sie als Redakteurin bei hartz4widerspruch.de über praktische Tipps für den Umgang mit Hartz IV.

Eine Antwort auf „Studie belegt: Kaum Kinder profitieren vom Bildungs- und Teilhabepaket“

  1. Hallo!
    Fakt ist,das auch hier Theorie (was einem zu steht) und Praxis (Antrag)auf keinen gemeinsamen “Nenner”kommen,in der Realität wird definitiv erstmal”Abgelehnt”, Fakt! Wiederspruch einlegen ec.kaum ein Mensch hat in der stressigen realen,müden,kranken Welt, dafür Energie..wir leben im Zeitalter der modernen Sklaverei und Gerechtigkeit 🤣was das ist,kann man im Duden nachschlagen.Aber der Tag der Gerechtigkeit wird kommen ✌️✌️✌️✌️✌️Alles gute gewünscht!!!P.S.Studien sind e manipuliert 🤣

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