Weiterbildungsmaßnahmen vom Jobcenter

Sparen am falschen Ende: Wie das Jobcenter bei der Weiterbildung trickst

Das Jobcenter scheint viel für Weiterbildung zu tun. Immer mehr Menschen belegen Bildungsmaßnahmen. Der Arbeitsminister betont den Stellenwert von Weiterbildung. Neue Zahlen zeigen aber: Die Jobcenter sparen, indem sie billige Maßnahmen verordnen und an teuren Weiterbildungen sparen. Leider helfen die billigen Maßnahmen aber vor allem einer: Der Statistik der Arbeitsagentur.

Jobcenter-Maßnahmen sind oft vergeudete Zeit

Vielen Teilnehmenden an einer Jobcenter-Maßnahme wird schon beim ersten Termin klar: Hier werde ich absolut nichts lernen, das mich einem Job näher bringt. Das Internet ist voll von extremen Beispielen für sinnlose Maßnahmen: In einer Maßnahme sollten Erwerbslose Kaufmannsladen spielen, in einer anderen Mandalas ausmalen, andere Teilnehmende berichten von Maßnahmen, in denen es nicht einmal eine Lehrperson gab.

Sinnlose Jobcenter-Maßnahmen haben System

Das sind leider keine Einzelfälle. Eine ZDF-Reportage machte jüngst noch einmal öffentlich, wie systematisch solche sinnlosen Maßnahmen stattfinden. Im Jahr 2017 nahmen über 700.000 Erwerbslose an Jobcenter-Maßnahmen teil. Bei rund 2,2 Millionen Erwerbslosen insgesamt ist das fast jeder Dritte. Sieben Jahre zuvor waren es noch knapp 150.000 Teilnehmer weniger. Während die Zahl der Arbeitslosen seit Jahren stetig sinkt, steigt also die Zahl der Maßnahmen-Teilnehmer an.

Immer weniger berufliche Weiterbildung

Gleichzeitig sinkt auch die Zahl der Erwerbslosen in beruflichen Weiterbildungsmaßnahmen seit Jahren. Nur noch rund 52.000 Hartz 4-EmpfängerInnen bekommen übers Jobcenter eine sogenannte Umschulung finanziert. 2010 waren das noch 95.000 Personen. Das lässt sich der Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine aktuelle Anfrage der Linken-Abgeordneten Sabine Zimmermann entnehmen.

“Im Vergleich zur Gesamtzahl der Erwerbslosen im Hartz 4-System ist Weiterbildungsförderung allenfalls ein Schmalspurprogramm,” urteilt Zimmermann. Die Bundesregierung spart also bei der Weiterbildung. Nur: Wie passt das zu den steigenden Teilnehmerzahlen in Bildungsmaßnahmen?

Hinweis: Bildungsmaßnahmen sind nicht das gleiche wie berufliche Weiterbildung

Berufliche Weiterbildungsmaßnahmen enden mit einem beruflichen Abschluss. Diese Maßnahmen dauern lange und sind teuer – helfen den Teilnehmenden aber tatsächlich, Jobs zu finden.

Bildungsmaßnahmen, die Träger für die Jobcenter durchführen, dauern oft nur wenige Tage oder Wochen und die Teilnehmenden machen keinen Berufsabschluss. Über ihren Nutzen lässt sich streiten.

Weiterbildung Fehlanzeige

Ganz einfach, Jobcenter lassen Erwerbslose massiv Bildungsmaßnahmen belegen, sparen aber an Bildungsgutscheinen und ähnlichen teureren Angeboten. Wer eine berufliche Weiterbildung machen möchte, braucht oft viel Eigeninitiative und Verhandlungsgeschick, um das OK vom Jobcenter zu bekommen. Dabei bietet eine solche Weiterbildung für viele Menschen eine gute Chance auf einen Job.

Zwang zur Bildungsmaßnahme

Dagegen wird, wer sich beim Jobcenter arbeitslos meldet, oft gleich beim ersten Gespräch mit der Arbeitsvermittlung in eine Maßnahme gesteckt – egal ob sie sinnvoll ist oder nicht. Diese Praxis hat selbst der Bundesrechnungshofes 2017 gerügt. Geändert hat sich seitdem nichts. Weiterhin sollen die Jobcenter-Mitarbeitenden in erster Linie freie Plätze in Maßnahmen füllen. Denn solange sie in Maßnahmen sitzen, verschwinden die Teilnehmenden aus der Arbeitslosenstatistik.

Wenn Erwerbslose solchen Maßnahmen zugeteilt werden, können sie sich kaum wehren. Denn wer ohne ärztliches Attest nicht kommt, muss mit Sanktionen rechnen. Also sitzen die meisten Betroffenen einfach ihre Zeit ab.

Die aktuelle Förderpolitik ist teuer – und ineffektiv

Das ist nicht nur für die Betroffenen belastend, sondern kostet den Staat auch viel Geld – im Schnitt rund 1.900 EUR pro Teilnehmer. Trotzdem ist eine sinnlose Bildungsmaßnahme immer noch billiger als eine berufliche Weiterbildung – also eine richtige Ausbildung, an deren Ende ein qualifizierter Abschluss steht.

 

Quellen:

Der Autor: Johanna Höfer

Johanna Höfer

Nach einem Master in Transkulturelle Studien an der Universität Bremen arbeitete sie als Sozialarbeiterin zuerst bei der AWO und dann für die Stadt Bremen. Nun informiert sie als Redakteurin bei hartz4widerspruch.de über praktische Tipps für den Umgang mit Hartz IV.

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