Stromsperre

Knapp 300.000 Stromsperren in Deutschland: Wie Sie sich schützen können

Stromsperren sind immer noch viel zu häufig – das zeigen neue Zahlen. Fast 300.000 Haushalten wurde im vergangenen Jahr der Strom abgeklemmt. Sperren haben gravierende Auswirkungen für Betroffene. Wir nennen die wichtigsten Zahlen und erklären, was Sie tun können, wenn Sie selbst Stromschulden haben.

Stromsperre macht Wohnungen unbewohnbar

Im Alltag fällt uns oft nicht auf, wie sehr wir auf Strom angewiesen sind. Ohne Strom geht aber nicht nur das Licht aus – der gesamte Alltag gerät aus den Fugen. Kühlschrank und Gefrierschrank werden warm, Herd, Waschmaschine und Wasserkocher gehen nicht mehr, Telefon und Internet fallen aus, häufig auch Warmwasser und Heizung. 

Die meisten betroffenen Haushalte sind Hartz 4-Empfänger

Im vergangenen Jahr betraf dieses Szenario knapp 300.000 Haushalte – die meisten davon waren Hartz 4-Empfänger. Dem ZDF liegt die Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen-Fraktion vor, aus der diese Zahl hervorgeht. “Das ist ein Armutszeugnis für ein reiches Land wie Deutschland”, sagt Sven Lehmann, der sozialpolitische Sprecher der Grünen.

Achtung: Ab 100 EUR Stromschulden droht die Stromsperre

Sobald ein Haushalt dem Stromversorger mehr als 100 EUR schuldet, darf dieser den Strom abstellen. Er muss aber vier Wochen vor der Sperre und noch einmal drei Tage vor der Sperre darüber informieren.

Dabei sehen die Zahlen auf den ersten Blick eigentlich gut aus. 2018 wurde 296.370 Haushalten der Strom abgestellt, das waren deutlich weniger als im Vorjahr. 2017 waren es noch 344.000 – die höchste Zahl von Sperren seit 2011. 

Verbraucherzentrale NRW kritisiert Bundesregierung

Trotzdem kritisiert der Sprecher der Verbraucherzentrale NRW die Arbeit der Bundesregierung. Die gesunkene Zahl von Sperren sei vor allem auf regionale Initiativen wie das Projekt “NRW bekämpft Energiearmut” zurückzuführen. 

Eigentlich müsste die Regierung beispielsweise einen nationalen Aktionsplan zur Bekämpfung von Energiearmut vorlegen. Das verlangt eine EU-Richtlinie schon seit 2009. Passiert ist bisher nichts.

Unions-Sprecher: Stromvertrag ist ein normaler Vertrag und muss eben bezahlt werden

Joachim Pfeiffer, der wirtschaftspolitische Sprecher der Unions-Fraktion sagt dazu sinngemäß, ein Vertrag mit dem Energieversorger sei ein Vertrag wie jeder andere – und wer eine Leistung in Anspruch nehme, müsse sie eben auch bezahlen. Diese Sichtweise greift aber zu kurz. 

Strompreise steigen, der Regelsatz berücksichtigt das nicht

Außerdem lässt sie die Entwicklung der Strompreise außer Acht. Der Strompreis stieg in den vergangenen 10 Jahren um 40 %, der Anteil für Stromkosten im Hartz 4-Regelsatz nur um 27 %. Die Regelsatzerhöhung, die Pfeiffers Regierung vor wenigen Wochen durch den Bundesrat gebracht hat, zementiert diese Entwicklung weiter.

Tipp: Abschläge vom Jobcenter überweisen lassen

Sie können einen formlosen Antrag schreiben und das Jobcenter auffordern, Ihre Abschläge für Strom etc. direkt an den Energieversorger zu überweisen. Der entsprechende Betrag wird dann von Ihren Regelleistungen einbehalten.

Was tun bei drohenden Stromsperren?

Viele Stromanbieter haben Modelle, um ihren Kunden dabei zu helfen, Stromsperren zu vermeiden. Sie können mit dem Energieversorger eine Stundung vereinbaren, dann zahlen Sie den gesamten Betrag später. Auch Ratenzahlungen sind oft möglich, ebenso wie eine Erhöhung des Abschlags, so dass Sie dann damit Ihre Schulden in Raten begleichen können. Ein Darlehen vom Jobcenter kann ebenfalls eine Möglichkeit sein, um die Stromschulden zu begleichen.

 

Quellen:

ZDF

 

Der Autor: Johanna Höfer

Johanna Höfer

Nach einem Master in Transkulturelle Studien an der Universität Bremen arbeitete sie als Sozialarbeiterin zuerst bei der AWO und dann für die Stadt Bremen. Nun informiert sie als Redakteurin bei hartz4widerspruch.de über praktische Tipps für den Umgang mit Hartz IV.

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