Mietwohnungen

Bei diesen 10 Jobcentern müssen Sie am meisten zur Miete zuzahlen

Vor einigen Monaten zeigte eine Anfrage der Linken-Fraktion im Bundestag: Die Jobcenter zahlen Hartz IV-Bedarfsgemeinschaften oft nicht die volle Miete. Und dabei geht es nicht um ein paar Euro: Betroffenen Haushalten fehlen im Schnitt 82 EUR bei den Wohnkosten. An manchen Orten sieht es aber noch schlimmer aus. Wir nennen die 10 Jobcenter, in denen Hartz IV-Empfänger am meisten zu ihrer Miete zuzahlen müssen.

Haushalte müssen bis zu 210 EUR im Monat zur Miete zuzahlen

Die Antwort der Bundesregierung ist detailliert und zeigt einige schockierende Wahrheiten. Wir berichteten bereits über die 10 Jobcenter, die prozentual den wenigsten Bedarfsgemeinschaften die volle Miete zahlen. Doch die Tabelle zeigt auch: Bei vielen Jobcentern in Deutschland müssen die Menschen von ihrem Existenzminimum noch deutlich mehr als 82 EUR monatlich für die Miete aufwenden.

Hinweis: Warum ist es ein Problem, wenn Hartz IV-Empfänger nicht die volle Miete bekommen?

Eigentlich soll es so funktionieren: Hartz IV-Empfänger bekommen einen Regelsatz, von dem sie Lebensmittel und alles andere bezahlen müssen, das sie brauchen. Zusätzlich zahlt ihnen das Jobcenter die Miete – wenn sie angemessen ist. Wenn aber die Miete als nicht angemessen gilt, zahlt das Jobcenter sie meistens nicht vollständig.

Dann müssen die Menschen einen Teil von ihrem Regelsatz abzweigen, um die Miete zu zahlen. Weil der Regelsatz ausdrücklich nur das Existenzminimum abdecken soll, ist im Umkehrschluss das Existenzminimum nicht mehr gedeckt, wenn ein Teil davon auf die Miete entfällt.

Bei diesen 10 Jobcentern zahlen Hartz IV-Empfänger am meisten zur Miete dazu

Das Jobcenter Ebersberg führt die Tabelle an. Wenn die Miete nicht übernommen wird, muss eine Bedarfsgemeinschaft dort durchschnittlich 210 EUR im Monat von den Regelsätzen abzwacken, um keine Mietschulden zu machen. Aber immerhin sind dort nur 11,5 % der Bedarfsgemeinschaften von dieser Wohnkostenlücke betroffen. Man könnte also sagen: Das Jobcenter Ebersberg zahlt relativ häufig die volle Miete. Wer aber zuzahlen muss, muss gleich so tief in die Tasche greifen wie nirgendwo sonst in Deutschland.

Anders sieht es beim Jobcenter Dachau aus. Hier müssen die Hartz IV-Familien zwar “nur” 165 EUR monatlich (das Doppelte vom Landesdurchschnitt) von ihrem Regelsätzen für die Miete einplanen – es sind aber 28,4 % der Bedarfsgemeinschaften betroffen. Hier sind also sowohl die Zuzahlungen als auch der Anteil betroffener Bedarfsgemeinschaften deutlich höher als im Bundesdurchschnitt.

Platz

Jobcenter

Anteil betroffener BGs

Monatliche Zuzahlung aus Regelsatz

Deutschland

19,2 %

82 EUR

1

Ebersberg

11,5 %

210 EUR

2

Oberallgäu

19,3 %

193 EUR

3

München, Landeshauptstadt

13,0 %

193 EUR

4

Dachau

28,4 %

165 EUR

5

Fürstenfeldbruck

9,9 %

164 EUR

6

Potsdam, Stadt

9,2 %

156 EUR

7

Berlin, Charlottenburg-Wilmersdorf

16,7 %

154 EUR

8

Oldenburg

39,8 %

150 EUR

9

Berlin, Mitte

10,5 %

147 EUR

10

Berlin, Friedrichshain-Kreuzberg

17,5 %

141 EUR

 

 

Quelle:

Antwort der Bundesregierung auf die Anfrage der Linken

Der Autor: Johanna Höfer

Johanna Höfer

Nach einem Master in Transkulturelle Studien an der Universität Bremen arbeitete sie als Sozialarbeiterin zuerst bei der AWO und dann für die Stadt Bremen. Nun informiert sie als Redakteurin bei hartz4widerspruch.de über praktische Tipps für den Umgang mit Hartz IV.

Eine Antwort auf „Bei diesen 10 Jobcentern müssen Sie am meisten zur Miete zuzahlen“

  1. Wir haben in Bremen 250 Euro zur Miete selbst dazu zahlen müssen.
    Nächsten Monat beziehen wir kein Alg 2 mehr, mein Mann hat gute Arbeit gefunden Kind geht in die Kita und ich arbeiten.
    Wir hoffen nie wieder von Alg 2 leben zu müssen, es war viel Schikane dabei. Nur weil ich in der Probezeit überraschend schwanger wurde und mein Mann durch die Arbeit Burnout bekam gerieten wir in diese schlimme Lage.
    Jetzt studiert mein Mann Lehramt und arbeitet nebenbei und ich als Handwerkerin, habe ne feste Stelle gefunden.
    Jetzt können wir nach vorne schauen.

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