Freibeträge bei Hartz 4

Hat ein Mitglied der Bedarfsgemeinschaft Erwerbseinkommen, wird dies auf die Hartz 4-Leistungen angerechnet. Von diesem Erwerbseinkommen sind jedoch Freibeträge gemäß § 11b Abs. 2 SGB II anrechnungsfrei.

Welche Freibeträge auf das Einkommen gibt es bei einer Erwerbstätigkeit? Was ist in den Freibeträgen enthalten? Welches Einkommen wird nicht angerechnet?

Welche Freibeträge auf das Einkommen gibt es bei einer Erwerbstätigkeit?

Solltest du Hartz 4-Leistungen beziehen und nebenbei noch einer Erwerbstätigkeit nachgehen, ist es wichtig zu wissen, welche Freibeträge es gibt. So werden von deinem Bruttoeinkommen anstelle der privaten Versicherungskosten, der Versorgungskosten für Krankheit und Alter sowie den Werbungskosten ein pauschaler Freibetrag in Höhe von 100,00 EUR abgezogen. Dies ergibt sich aus dem § 11b Abs. 2 SGB II. Über diese 100,00 EUR verbleiben Beträge prozentual gestaffelt anrechnungsfrei. Weiterhin ausgehend vom Bruttoeinkommen sieht dies wie folgt aus:
  • Solltest du zwischen 100,01 EUR und 1000,00 EUR verdienen, bleiben hiervon 20 Prozent anrechnungsfrei
  • Verdienst du zwischen 1000,01 EUR und 1.200,00 EUR bleiben nochmal 10 Prozent anrechnungsfrei
Solltest du ein Kind haben, erhöht sich das für den Freibetrag maßgebliche Bruttoeinkommen auf 1.500,00 EUR. Das Kind muss jedoch minderjährig sein. Die nachfolgenden Beispiele sollen dir einmal die Berechnung der Freibeträge verdeutlichen. Beispielberechnung für einen 450,00 EUR Job Dein Einkommen beläuft sich auf 450,00 EUR. Hiervor wird einmal der allgemeine Freibetrag in Höhe von 100,00 EUR abgezogen. Es verbleiben also noch 350,00 EUR. Von diesen 350,00 EUR bleiben erneut 20 Prozent anrechnungsfrei. Diese 20 Prozent ergeben zusätzlich 70,00 EUR. Das auf deine Hartz 4-Leistung anzurechnende Einkommen würde 280,00 EUR betragen. Diese 280,00 EUR werden auf deine Regelleistung angerechnet. Diese beläuft sich derzeit auf 416,00 EUR. Es verbleibt für dich daher eine Hartz 4-Regelleistung in Höhe von 136,00 EUR. Wenn eine Anrechnung auf die Hartz 4-Leistung erfolgt, stellt sich oft die Frage, warum man überhaupt einer Erwerbstätigkeit nachgehen sollte. Ohne die Erwerbstätigkeit würde dir der Regelsatz in Höhe von 416,00 EUR zustehen (die Kosten für Unterkunft und Heizung selbstverständlich auch, die lassen wir jedoch hier außen vor). Jetzt hast du eine Erwerbstätigkeit wo du 450,00 EUR verdienst und deine nach der Anrechnung des Einkommens verbleibende Regenleistung in Höhe von 136,00 EUR. Insgesamt steht dir daher nun ein Betrag in Höhe von 586,00 EUR anstatt 416,00 EUR zur Verfügung. Beispielrechnung bei Einkommen über 450,00 EUR Bei diesem Beispiel geht es um ein Einkommen was die 450,00 EUR Grenze überschreitet. Wir gehen hier von einem verheirateten Paar aus. Dieses Paar hat ein 15 -jähriges und ein 7- jähriges Kind. Insgesamt haben sie also einen Bedarf von 1.360,00 EUR. Die Mutter geht in diesem Beispiel arbeiten und verdient 1.100,00 EUR monatlich. Auch hier wird von den 1.100,00 EUR der Freibetrag in Höhe von 100,00 EUR in Abzug gebracht. Zwischen dem Betrag von 100,01 und 1.000,00 EUR verbleiben noch einmal 20 Prozent anrechnungsfrei. Hier wäre dies ein Betrag in Höhe von 900,00 EUR wovon 20 Prozent abzuziehen sind. Dies sind 180,00 EUR. Dann muss noch einmal der Betrag der zwischen 1.000,01 EUR und 1.100,00 EUR berücksichtigt werden, also die 100,00 EUR. Hiervon müssen wir auch noch einmal 10 Prozent abziehen, das wären dann 10,00 EUR. Von den verdienten 1.100,00 EUR werden dann also 100,00 EUR, 180,00 EUR und 10,00 EUR abgezogen, sodass ein anrechenbares Einkommen von 810,00 EUR verbleibt. Dieses Einkommen wird auf die Regelleistung angerechnet. Da der Bedarf für unsere Beispielfamilie 1.360,00 EUR beträgt, erhält die Familie nach der Anrechnung des Einkommens noch Regelleistungen in Höhe von 550,00 EUR.

Was ist in den Freibeträgen enthalten?

In den in Abzug zu bringenden Freibeträgen sind folgende Positionen umfasst: Die zu zahlenden Steuern (Lohn-/Einkommen, Kirchensteuer etc.), Pflichtbeiträge zur Sozialversicherung, gesetzlich vorgeschriebene und angemessene private Versicherungen (z.B. eine private Kranken- und Pflegeversicherung). Aber auch notwendiger Aufwand zum Erwerb und Erhaltung der Einnahmen. Hierunter fallen beispielsweise Werbungskosten, Fahrtkosten, Arbeitsmaterialien. Zudem sind auch Aufwendung zur Erfüllung der gesetzlichen Unterhalspflicht von den Freibeträgen umfasst.

Welches Einkommen wird nicht angerechnet?

Es gibt jedoch auch Einkommen, welches nicht auf deine Hartz 4-Leistungen angerechnet wird. Man nennt dies auch privilegiertes Einkommen. Hierunter fallen:
  • Renten oder Beihilfen nach dem Bundesentschädigungsgesetz
  • Ein-Euro-Jobs
  • Einnahmen, die innerhalb eines Monats den Betrag von 10,00 EUR nicht übersteigen
  • nicht steuerpflichte Einnahmen einer Pflegeperson für Leistungen der Grundpflege
  • Geldgeschenke an Minderjährige anlässlich der Firmung, Kommunion, oder vergleichbare religiöse Feste. Diese Geldgeschenke dürfen den Betrag von 3.100,00 EUR nicht übersteigen.
Es gibt jedoch noch weiteres nicht anrechenbares Einkommen. Alle privilegierten Einkommen sind in dem § 11a SGB II aufgeführt. Vorteile einer Erwerbstätigkeit neben dem Hartz 4 Da eine Vollzeitbeschäftigung als auch ein Minijob (450,00 EUR) rentenversicherungspflichtig sind, können Hartz 4-Aufstocker ihre soziale Absicherung im Alter verbessern. Sie erhalten einen Anspruch auf Erwerbsminderungsrente und Reha-Leistungen.