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Umzug als Hartz-4-Empfänger – der Praxisguide

Ein Umzug ist für einen Hartz-4-Bezieher oftmals nicht ganz leicht. Zum einen ist es schwierig eine Wohnung zu finden, deren Kosten nach Maßgabe des Jobcenters angemessen sind. Zum anderen ist der Umzug selbst mit viel Aufwand und Kosten verbunden, sodass nahezu jeder Leistungsempfänger auf Unterstützung vom Jobcenter angewiesen ist. Wir haben hier daher einige Tipps und Tricks zur Wohnungssuche und die wichtigsten Regelungen zur Kostenübernahme beim Umzug durch das Jobcenter für euch zusammengestellt.

1. Wie finde ich die passende Wohnung?

Besonders in den Großstädten und Ballungsgebieten ist es sehr schwierig eine Wohnung zu finden, die bezahlbar ist bzw. deren Miete vom Jobcenter übernommen wird.

Damit die Miete gezahlt wird, ist es wichtig, dass der Wohnraum angemessen ist. Die Angemessenheit richtet sich dabei nach den beiden Faktoren Quadratmeter und Miethöhe. Die angemessene Größe einer Wohnung liegt bei alleinstehenden Personen bei 45-50 Quadratmetern. Bei zwei Personen dürfen es 10 Quadratmeter mehr, also bis zu 60 Quadratmeter sein. Für jede dazukommende Person können bis zu 15 Quadratmeter mehr dazugerechnet werden.

Dies sind jedoch nur Richtwerte. Im Einzelfall entscheiden auch die Kosten der Wohnung sowie die örtlichen Gegebenheiten und Möglichkeiten.

Bei der Höhe der Miete sind die örtlichen Richtlinien zu beachten, die von jeder Kommune gesondert bestimmt werden. Gibt es keine speziellen Regelungen, gelten die Werte des Wohngeldgesetzes.

Mit den Vorgaben der Arbeitsagentur eine Wohnung zu finden ist jedoch nicht unmöglich. Es gibt einige Wohnungsbaugesellschaften, welche speziell Wohnraum für Hartz-4-Bezieher anbieten – und dies teilweise sogar vergünstigt. Solche Angebote müssen jedoch bei den Wohnungsbaugesellschaften erfragt werden.

Aber auch viele private Vermieter bieten Leistungsempfängern Wohnungen an. Denn weil die Miete vom Amt kommt, erhalten die Vermieter die Miete pünktlich und vor allem in vollem Umfang. Deswegen sind Hartz-4-Bezieher entgegen vieler Vorurteile oftmals auch bei privaten Vermietern gern gesehen.

Außerdem bietet das Jobcenter Hilfe bei der Wohnungssuche. So sollen Sachbearbeiter in Beratungsgesprächen Hilfe leisten und entsprechende Möglichkeiten zur Wohnungssuche aufzeigen. Insbesondere der finanzielle Rahmen und die Definition, was als „angemessen“ anzusehen ist, soll hier individuell geklärt werden.

2. In welchen Fällen übernimmt das Jobcenter die Kosten für den Umzug?

2.1 Umzug wegen Aufforderung zur Kostensenkung durch das Jobcenter

Fordert dich das Jobcenter auf, aufgrund der Senkung von Kosten eine neue Wohnung zu suchen, muss das Jobcenter auch alle Kosten des Umzugs übernehmen.

Kosten der Wohnungssuche

Das Jobcenter muss Rechnungen für gekaufte Zeitungen zur Suche von Wohnungsinseraten als auch die Kosten für selbst eingestellte Inserate zur Wohnungssuche erstatten.

Die Übernahme der Maklergebühr bei einem Umzug ist eher ein Ausnahmefall. Der Leistungsbezieher muss dazu nachweisen, dass alles versucht wurde, eigenständig eine neue Wohnung zu finden oder dass es unmöglich ist, ohne Vermittlung durch einen Makler eine Wohnung zu finden. Der Nachweis einer Unabdingbarkeit der Inanspruchnahme eines Maklers ist jedoch sehr schwierig.

Wichtig vor dem Umzug:

  1. Erkundige dich beim zuständigen Jobcenter, ob die neue Wohnung in Preis und Größe angemessen ist. Lass dir dies unbedingt schriftlich geben!
  2. Lege den neuen Mietvertag vor Unterschrift (!) dem Jobcenter zu Überprüfung vor. Erst wenn du die Bestätigung der Kostenübernahme durch das Jobcenter schriftlich hast, solltest du den Mietvertrag unterschreiben.

Kosten für den Umzug selbst

Kann ein Hartz-4-Bezieher einen Umzug aus gesundheitlichen oder sonstigen schwerwiegenden Gründen nicht selbst durchführen, kann ein Umzugsunternehmen für den kompletten Umzug beauftragt werden. Dies muss jedoch durch die Vorlage eines entsprechenden Attests belegt werden.

Wird der Umzug selbst organisiert, müssen aber auch Kosten wie Geld für einen Mietwagen, Treibstoff und Kartons erstattet werden.

In beiden Fällen gilt: Hole dir dafür mindestens drei Angebote von günstigen Transportunternehmen ein und lege diese dem Jobcenter vor! Kommst du dieser Verpflichtung nicht nach, kann das Jobcenter die Kostenübernahme verweigern.

Übernahme der Kaution

Das Jobcenter gewährt die Übernahme der Kaution im Rahmen eines Darlehens. Dieses ist daher zurückzuzahlen und wird monatlich mit 10% vom Regelbedarf aufgerechnet.

Allerdings darf das Jobcenter die Kaution nicht anteilig von den laufenden Leistungsbezügen abziehen, sondern kann eine Rückzahlung erst verlangt werden, wenn sich die wirtschaftliche Situation des Beziehers soweit verbessert hat, dass eine Rückzahlung zumutbar ist.

Einrichtungs- und Renovierungskosten

Fehlt es in der neuen Wohnung bspw. an einer Einbauküche oder eine Waschmaschine, welche in der alten Wohnungen Bestandteil waren, ist bei allen Umzugsvarianten möglich, einen Antrag auf Erstausstattung zu stellen. Dazu müssen alle benötigten Ausstattungs- und Einrichtungsgegenstände detailliert aufgelistet werden und der Antrag beim Jobcenter eingereicht werden.

Allgemeine Renovierungskosten werden nur erstattet, wenn man laut Mietvertrag dazu verpflichtet ist.

Doppelmiete

Oft findet man recht spontan eine neue Wohnung und kann die alte Wohnung nicht sofort kündigen. Häufig kommt es dann zur Doppelmiete. Diese Kosten müssen grundsätzlich nicht vom Jobcenter übernommen werden. Denn auch ein Hartz-4-Bezieher muss sich wie ein wirtschaftlich denkender Mieter verhalten und versuchen, unnötige Kosten zu vermeiden.

Achtung: Kommt man dieser Aufforderung zum Umzug durch das Jobcenter nicht nach, muss das Jobcenter die Mietkosten für die aus ihrer Sicht unangemessene Wohnung nicht mehr vollständig übernehmen. Dem Leistungsbezieher müssen während der Wohnungssuche jedoch für eine Übergangsfrist von sechs Monaten auch die unangemessenen Mietkosten gewährt werden. Allerdings nur dann, wenn auch ernsthaft eine neue Wohnung gesucht wird.

Tipp:  Führe geeignete Unterlagen, welche deine Bemühungen um eine neue Wohnung dokumentieren!

2.2 Umzug aus wichtigem Grund

In einigen Fällen ist ein Umzug für einen Leistungsempfänger unabdingbar. Wichtige Gründe für einen Umzug sind gemäß SGB II:

  • Arbeitsaufnahme in einer anderen Stadt
  • Mehr Wohnraum aufgrund von Familienzuwachs
  • veränderte Lebenssituation wie Heirat oder Trennung
  • Kündigung durch den Vermieter ohne Verschuldung durch den Mieter
  • Krankheit/Alter
  • Unzumutbarer Wohnungszustand (z. B. bei Schimmelbefall)

Wichtig: Der Leistungsträger braucht immer einen überzeugenden Nachweis. Das können Fotos, Briefe eines Anwalts, ärztliche Atteste oder ein Arbeitsvertrag sein.

Viele Gründe werden vom Amt jedoch nicht anerkennt. Dazu gehören bspw. eine Familienzusammenführung oder die Verbesserung der Chancen auf eine neue Arbeitsstelle.

Liegt ein wichtiger Grund vor, so wird beim Umzug wie bei Punkt 2.1 verfahren.

Tipp: Spreche vor dem Unterschreiben des neuen Mietvertrags mit dem zuständigen Jobcenter über Angemessenheit der neuen Wohnung sowie die Notwendigkeit des Umzugs. Lasse dir dies schriftlich bestätigen!

2.3 Umzug auf eigenen Wunsch

Möchte man schlichtweg das Umfeld wechseln, muss das Jobcenter weder für den Umzug, noch für die Kaution, die Erstausstattung oder ähnliche Kosten aufkommen. Eine Kostenzusicherung des Jobcenters kann in Einzelfällen dennoch möglich sein.

Achtung: Wenn du innerhalb des Geltungsbereiches der Richtlinien deiner derzeitigen Kommune umziehen willst, beachte unbedingt, dass die neue Wohnung nicht nur angemessen in Preis und Größe ist, sondern auch, dass die neue Miete unter keinen Umständen höher als die alte Miete ist. Die Mehrkosten muss das Jobcenter nicht übernehmen!

Tipp: Lass dir die Angemessenheit von Preis und Größe der neuen Wohnung schriftlich vom Jobcenter zusichern! Unterschreibe einen neuen Mietvertrag erst nach schriftlicher Zustimmung durch das Jobcenter! Zuständig für diese Zustimmung ist das Jobcenter am neuen Wohnort.

Ziehst du bspw. in ein anderes Bundesland gelten natürlich die dort festgesetzten Grenzen zur Angemessenheit. Einen solchen Umzug musst du dir auch vorher vom neuen Jobcenter genehmigen lassen.

2.4 Umzug von Personen unter 25

Grundsätzlich ist es Personen, die bei ihren Eltern wohnen und unter 25 Jahren sind, nicht gestattet, auszuziehen.

Findet ein Umzug aus wichtigem Grund (siehe 2.2) oder wegen Zerwürfnis mit den Eltern (dokumentiert durch z.B. Polizei oder Jugendamt), Schwangerschaft, Aufnahme einer Ausbildung etc. statt, werden die Miete sowie die Erstausstattung für die neue Wohnung übernommen.

Bei Umzug ohne wichtigen Grund werden die Kosten der neuen Unterkunft nicht übernommen und der zu erhaltende Hartz-4-Regelsatz minimiert sich um 20%.

2.5 Welches Jobcenter ist zuständig?

Bei einem Umzug hat man oft mit zwei Jobcentern zu tun. Das alte Jobcenter und das neue Jobcenter am neuen Wohnort. Oft ist hier nicht ganz klar, wer für was zuständig ist und selbst die Jobcenter selber wissen oft nicht genau, wer zuständig ist, da die Zuständigkeitsregelungen sich oft ändern. Unsere Liste bringt hier Licht ins Dunkel:

Antrag Zuständiges Jobcenter
Genehmigung des Umzugs und Prüfung des Umzugsgrundes Neues Jobcenter
Wohnungsbeschaffungskosten Altes Jobcenter
Umzugskosten Altes Jobcenter
Mietkaution Neues Jobcenter

Dieser Beitrag hat 6 Kommentare

  1. Nun ja, das Jobcenter sollte den Umzug bezahlen. Tut es leider aber nicht so einfach.
    Ich hatte von meinem Vermieter die Kündigung erhalten, da ich 2 Monate die Miete nicht bezahlen konnte, da das Jobcenter mal einfach 6 Monate meinen Antrag nicht bearbeitet hat. Ich habe schließlich vor dem Sozialgericht geklagt und wundersamerweise 2 Tage später meinen Bescheid und das Geld bekommen. Die Kündigung ging aber trotzdem durch und ich musste zum 1 Februar ausziehen.
    Ich war dann am 2.Januar beim Jobcenter, wo mir die Sachbearbeiterin von der Leistung sagte, ich könnte ja mal einen Antrag auf Übernahme der Umzugskosten stellen, aber sie würde ihn sowieso ablehnen. Und das tat sie dann auch. Am 30.Januar! wie ich dann umziehen sollte, war dem Jobcenter egal. Gleichzeitig habe ich auch noch für Februar einen ablehnenden Bescheid bekommen, weil ich ja gekündigt sei und „damit nicht mehr sichergestellt, dass ich noch in Deutschland wohne“.
    Ich habe dann mit gegen beide Bescheide Widerspruch eingelegt. Auf die Rückantwort bzgl. der Leistungen für den Februar warte ich noch, auf den Antrag für den Monat März habe ich noch keinen Bescheid, aber den Widerspruch bezüglich der Umzugskosten hat das Jobcenter heute abgelehnt.
    Und ich sitze jetzt auf 3000 € Umzugskosten; aufgrund meiner Behinderung konnte ich den Umzug wirklich nicht alleine durchführen, musste aber am 15.März umziehen, da mein Vermieter Druck machte. Und das Jobcenter hat sogar die Übernahme der Umzugskartons abgelehnt, wegen „unangemessener Höhe der Kosten“, dabei liegt ihnen dafür noch garkeine Quittung vor.

    1. Ich frage mich ernsthaft, ob die ein Monopol haben…..????? Unfassbar, ohne Quittungen einfach abzulehnen…..Ich habe mir nun das SGB zugelegt und studiere das nun von vorne bis hinten und von hinten nach vorne!! ICH lasse mir diesbezüglich nichts mehr gefallen und schicke j e d e n Bescheid, der mir merkwuerzig vorkommt, an Rightmart!!! Zum Glück gibt es die und vllt.waere es gut, mal in jeder Stadt eine Art “ Selbsthilfegruppe“ zu gruenden, die gemeinsam mit Rightmart gegen diese, viel zu häufig vorkommenden, falschen Bescheide vorgeht!!

    2. Man fragt sich wirklich was da für Menschen beim Jobcenter arbeiten???

      Für zig unsinnige Zwangs-Maßnahmen ist Geld da und dann sowas. Unfassbar!

  2. Leider sieht es bei einem Umzug so aus das daß zuständige Jobcenter für den Mietwagen nur eine Bescheinigung zur Kostenübernahme ausstellt, diese aber von den Mietwagenfirmen meisten nicht anerkannt wird und sie die Mietsicherheit in bar wollen. In meinem Fall war die Sicherheit so hoch das ich sie nicht selbst hinterlegen könnte und dann eine lange Diskussion mit dem Jobcenter hatte. Schlußendlich haben sie eine Ausnahme gemacht und ich musste im Anschluss das Geld zurück zahlen.

  3. Naja ich musste schon dreimal umziehen…wurde alles bezahlt..klagen hift da es gibt ja auch Urteile..was sol ich sagen?
    Ich bin immer wieder erstaunt was da nicht gehen soll..einen guten Anwalt soll man aber erst mal finden!
    Wenn ich nur so umziehen will gibt es nix.

  4. Ich habe ein solches DRAMA mit dem JC hinter mir, das es bereits 4 volle Aktenordner innerhalb von 2 einhalb Jahren gibt. Nach einem Wohnungsbrand alles verloren, Erstausstattunggeld für eine 2 ZiWhng( die ich nach 76!!! abgelehnten dann endlich bekam-sonst Obdachlosenasyl) 236Euro!! Dieses Geld wurde mir bewilligt für: Möbel, Geschirr, Bettwäsche, Kuechenutensilien, Handtücher etc.etc.) Laufende, monatliche, nicht nachvollziehbare Kuerzungen, mehrere Monate überhaupt keine Überweisung des Leistungsbezugs( Poststau, Techn.Buchungsschwierigkeiten etc) ergo: Stromschulden! Antrag zur Übernahme der nicht von mir verursachten Stromschulden: abgelehnt!! Sogar ein Ordnungswidrigkeitsverfahren wegen angeblich nicht von mir gemeldeten Aushilfsjobs! Dabei habe unter Zeugen der Sachbearbeiterin dies telefonisch mitgeteilt!! Weiterbewilligungsantraege, Krankmeldungen etc.kamen n i e beim JC an!! Weder per Post, noch per Einschreiben mit Rueckschein noch per Fax! Und wenn per Fax, dann war es unleserlich oder es kam nur eine statt 4 Seiten an( trotz Sendebericht!!!) Einen Suizidversuch habe ich schon hinter mir, bin mittlerweile “ schwer depressiv“ lt.Diagnose und überlege ein Buch mit dem Titel: Schikanen des JC“ zu schreiben!!! Menschenunwuerdig und höchst inkompetentes Verhalten seitens der alle 3 Monate wechselndenden Mitarbeiter

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