SGB XII – Welche Ansprüche haben Kinder?

Das SGB XII beinhaltet viele Leistungen, die konkret auf Kinder und Jugendliche ausgerichtet sind. Das SGB XII soll den notwendigen Lebensunterhalt von Menschen decken, deren wirtschaftliche und soziokulturelle Existenz nicht auf andere Weise gesichert werden kann.

Hilfe zum Lebensunterhalt nach dem SGB XII  Wann erhalten Kinder Leistungen nach dem SGB XII  Bedarfe für Bildung und Teilhabe, § 34 SGB XII  Eingliederungshilfe, § 53 SGB XII und §54 SGB XII  Hilfe für Pflege, § 61 SGB XII  Kostenerstattung bei Unterbringung in einer anderen Familie, § 107 SGB XII 

Hilfe zum Lebensunterhalt nach dem SGB XII

Die Sozialhilfe nach dem SGB XII ist eine staatliche Leistung die sich um in Not geratene Menschen kümmert. Eine Notlage kann z.B. eine Krankheit oder eine Pflegebedürftigkeit darstellen. Das SGB XII stellt damit das letzte Auffangnetz dar. Ziel der Sozialhilfe nach dem „SGB XII“ ist es, dem Empfänger der Leistung ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen, indem man seine wirtschaftliche und soziokulturelle Existenz sicherstellt. Gerade bei Kinder und Jugendlichen will das „SGB XII“ sicherstellen, dass ihre Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben hinreichend abgedeckt ist. Gleichzeitig bietet es Förderungen für behinderte Kinder und Jugendliche.

Wann erhalten Kinder Leistungen nach dem SGB XII

Kinder unter 15 Jahren welche nicht bei ihren Eltern berücksichtigt werden können einen Anspruch auf Leistungen nach dem SGB XII beantragen. Dies ist immer dann der Fall, wenn die Eltern selbst voll erwerbsgemindert sind oder das Kind nicht bei den Eltern lebt, sondern bei einem anderen Verwandten. Da für die Grundsicherung gem. § 41 Abs. 3 SGB XII ein Mindestalter von 18 Jahren Voraussetzung ist, können auch Kinder/Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren Hilfe zum Lebensunterhalt nach dem SGB XII beantragen.

Bedarfe für Bildung und Teilhabe, § 34 SGB XII

Neben der Regelleistung erhalten Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene Leistungen für Bildung und Teilhabe, auch Bildungspaket genannt. Ziel soll sein, Kinder und Jugendliche stärker in Vereins- und Gemeinschaftsstrukturen zu integrieren. Dies ist insbesondere wichtig für die aktive Mitgestaltung am gesellschaftlichen Leben. Der §34 SGB XII gewährt Kindern und Jugendlichen die gleichen Leistungen an Bildung und Teilhabe wie Hartz IV. Kinder welche SGB XII beziehen sollen somit nicht schlechter gestellt werden. Folgende Leistungen stehen Kindern und Jugendlichen zu:
  • Ausstattung an Schuldbedarf, erstes Halbjahr 70,00 EUR, zweites Halbjahr 30,00 EUR
  • Übernahme der tatsächlichen Aufwendungen für die Schuldbeförderung (sofern diese nicht von einem Dritten übernommen werden)
  • Übernahme ergänzender und angemessener Lernförderung, sofern diese geeignet ist
  • Übernahme der Mehraufwendungen für eine gemeinschaftliche Mittagsverpflegung
  • Mitgliedsbeiträge für z.B. Sportvereine oder Musikunterricht werden mit 10,00 EUR monatlich berücksichtigt (nur bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres
  • In Ausnahmefällen werden weitere tatsächliche Aufwendungen berücksichtigt, wenn es dem Leistungsempfänger nicht zuzumuten ist, diese Koste aus dem Regelbedarf zu zahlen.

Eingliederungshilfe, § 53 SGB XII und §54 SGB XII

Die im SGB XII geregelte Eingliederungshilfe dient der Verhütung drohender Behinderungen oder der Beseitigung einer Behinderung. Ferner sollen Menschen mit einer Behinderung wieder in die Gesellschaft eingegliedert werden. Gerade für Kinder und Jugendliche hat die Eingliederungshilfe eine besondere Bedeutung. Von den Leistungen umfasst sind nämlich:
  • Frühförderung
  • Förderung von Kinder in Kindertagesstätten mit inklusiven Gruppen und heilpädagogischen Kindergärten
  • Schul- und Freizeitbetreuung
  • Hilfe zur Ausbildung und Integration in das Arbeitsleben
  • Bauliche Anpassungsmaßnahmen in der Wohnung
  • Betreute Wohnangebote
Das SGB XII bietet als Eingliederungshilfe auch die Betreuung in einer Pflegefamilie. Dadurch das eine geeignete Pflegeperson Kinder und Jugendliche betreut kann ein Aufenthalt in einer vollstationären Einrichtung der Behindertenhilfe vermieden werden. Die Eingliederungshilfe im SGB XII macht deutlich, dass gerade Kindern aus sozialschwachen Familien die bestmögliche Förderung zu Teil werden soll.

Hilfe für Pflege, § 61 SGB XII

Auch Kinder mit einer Behinderung bzw. einer Pflegebedürftigkeit haben einen Anspruch auf Sozialhilfe nach dem SGB XII. Dieser Anspruch besteht, bis sie das 18. Lebensjahr vollendet haben. Kinder sind dann pflegebedürftig, wenn sie so gesundheitlich beeinträchtigt sind, dass sie auf die Hilfe anderer Personen angewiesen sind.

Wichtig!

Bei der Berechnung des Anspruchs werden das Einkommen und das Vermögen der Eltern berücksichtigt!
Um Leistungen gem. § 61 SGB XII zu erhalten muss zunächst die Pflegebedürftigkeit festgestellt werden. Hierbei wird zwischen verschiedenen Pflegegraden unterschieden. Bei Kinder über 18 Monate bestimmt sich der Pflegegrad nach § 61b SGB XII: -Pflegegrad 1: geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit und Fähigkeit -Pflegegrad 2: erhebliche Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit und Fähigkeit -Pflegegrad 3: schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit oder der Fähigkeit -Pflegegrad 4: schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit oder der Fähigkeit -Pflegegrad 5: schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit oder Fähigkeit. Hier bestehen besondere Anforderung an die Pflege

Wichtig!

Der Pflegegrad für Kinder unter 18 Monaten wird nach § 61c SGB XII bestimmt.
Wird festgestellt, dass das Kind einen Pflegegrad von 2,3,4 oder 5 aufweist stehen im Leistungen wie Pflegegeld, häusliche Pflegehilfe, Maßnahmen zur Verbesserung des Wohnumfeldes, Pflegehilfsmittel aber auch Kurzzeitpflege, teilstationäre Pflege etc. zu. Kindern mit einem Pflegegrad von 1 können Pflegehilfsmittel, Maßnahmen zur Verbesserung des Wohnumfeldes und einen Entlastungsbetrag beantragen. Der Entlastungsbetrag gem. § 66 SGB XII in Höhe von 125,00 EUR muss jedoch zweckgebunden eingesetzt werden.

Kostenerstattung bei Unterbringung in einer anderen Familie, § 107 SGB XII

Wenn Kinder oder Jugendliche in einer anderen Familie oder bei anderen Personen als ihre Eltern untergebracht sind werden diese Kosten gem. § 107 SGB XII übernommen. Da von einer Unterbringung die Rede ist, werden die Kosten bei einem freiwilligen aus dem Elternhaus nicht übernommen. Es geht hier gerade um Kinder, denen es nicht zugemutet werden kann, bei ihren leiblichen Eltern zu leben. Kind ist, wer noch nicht das 14 Lebensjahr erreicht hat. Jugendlicher ist wer älter als 14 Jahre ist. Erreicht der Jugendliche das 18. Lebensjahr entfällt der Anspruch. Sollten Sie sich bezüglich der Ihnen zuerkannten Sozialhilfeleistungen unsicher sein, besteht die Möglichkeit den Bescheid überprüfen zu lassen. Stehen Ihnen mehr Leistungen zu als sie derzeit erhalten, legen unsere Experten für Sie Widerspruch gegen den Sozialhilfe-Bescheid ein. Während des Verfahrens entstehen für Sie als Leistungsbezieher keinerlei Kosten.