Zahlen der Wohnungslosenhilfe: Immer mehr Menschen wohnungslos

Die Wohnungslosenhilfe schätzt, dass in Deutschland im vergangenen Jahr etwa 678.000 Menschen wohnungslos waren. Das sind rund 30.000 Menschen mehr als im vergangenen Jahr. Besondere Risikogruppen sind junge Menschen und Alleinerziehende.

Auch Geringverdiener betroffen

678.000 wohnungslose Menschen – das ist eine gewaltige Zahl. Das entspricht etwas weniger als 1 % der Gesamtbevölkerung in Deutschland – oder ziemlich genau 10 % der Menschen, die von Hartz 4 leben. Keineswegs alle Wohnungslosen bekommen allerdings Hartz 4. Manche bekommen zwar Sozialleistungen wie Hartz 4, andere sind Geringverdiener oder sind durchs soziale Netz gefallen.

4,2 % mehr Wohnungslose als noch 2017

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) veröffentlicht jedes Jahr eine Schätzung zur Zahl der Wohnungslosen und hat am 11.11.2019 seine aktuellen Werte vorgelegt. Im Vergleich zum Vorjahr sind ist die Gesamtzahl der Wohnungslosen um 4,2 % gestiegen. 2017 waren noch 650.000 Menschen wohnungslos.

Rund 441.000 der Wohnungslosen sind anerkannte Geflüchtete. Lässt man diese Personengruppe außer Acht, sind noch 237.000 wohnungslose Menschen im Hilfesystem. Davon sind:

  • 166.000 alleinstehend (entspricht 70 %)
  • 19.000 Kinder oder minderjährige Jugendliche (entspricht 8 %)
  • 159.000 Männer (entspricht 73 %)
  • 40.000 EU-Bürger*innen

Achtung: Wohnungslos und obdachlos sind nicht das Gleiche

Wer wohnungslos ist, hat keinen eigenen Wohnraum, der durch einen Mietvertrag abgesichert ist. Wer obdachlos ist, hat gar keinen Zugang zu einer Wohnung und schläft in der Regel auf der Straße. Also: Alle Obdachlosen sind wohnungslos, aber längst nicht alle Wohnungslosen sind obdachlos.

Wohnungslosigkeit ist oft unsichtbar

Dabei ist Wohnungslosigkeit oft unsichtbar – denn die allermeisten Betroffenen schlafen nicht etwa auf der Straße, sondern kommen in Notunterkünften oder bei Freunden unter. Ca. 41.000 Menschen hatten 2018 gar keine Unterkunft und haben auf der Straße geschlafen, das entspricht “nur” etwa 6 % aller Wohnungslosen. Rund die Hälfte der Obdachlosen sind EU-Migrant*innen.

Besonders kleine Wohnungen sind Mangelware

Werena Rosenke, Geschäftsführerin der BAG W nennt als Hauptgründe für die steigenden Zahlen: “das unzureichende Angebot an bezahlbarem Wohnraum, die Schrumpfung des Sozialwohnungsbestandes und die Verfestigung von Armut.” Sie fordert entsprechend mehr bezahlbaren Wohnraum für Menschen im Niedrigeinkommensbereich, Transferleistungsempfänger und für anerkannte Geflüchtete. Besonders fehle es an Ein- bis Zweizimmerwohnungen.

Rosenke kritisiert, der Bund tue zu wenig für den sozialen Wohnungsbau. 27.000 neue Sozialwohnungen seien 2017 gebaut worden. Nötig seien aber 80.000 bis 100.000 neue Sozialwohnungen jährlich.

 

Quellen:

tagesschau

BAG Wohnungslosenhilfe e.V.

Der Autor: Johanna Höfer

Johanna Höfer

Nach einem Master in Transkulturelle Studien an der Universität Bremen arbeitete sie als Sozialarbeiterin zuerst bei der AWO und dann für die Stadt Bremen. Nun informiert sie als Redakteurin bei hartz4widerspruch.de über praktische Tipps für den Umgang mit Hartz IV.

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