Sinnlose Maßnahmen: Darum müssen Jobcenter-Mitarbeiter sie verordnen

Viele Maßnahmen die Hartz 4-Empfängern vom Jobcenter verordnet werden, sind sinnlos und verfolgen kein langfristiges Ziel. Dass dahinter ein System steckt und das Ganze vom Jobcenter sogar gewollt ist, erschreckt, verwundert aber nicht. Die ganze Wahrheit zum Maßnahmen-Irrsinn erfährst du hier.

Kurse müssen voll sein, egal wie

Aus internen Sitzungsprotokollen der Jobcenter geht hervor, dass die Jobcenter-Bosse verlangen, dass die Kurse für Wiedereingliederungsmaßnahmen immer zu 100 % ausgelastet sein müssen. Egal ob die Maßnahme für den betroffenen Arbeitslosen zielführend ist oder nicht. In einer Sitzung im Jobcenter Hamburg wurde beispielsweise verlangt, dass bis Mitte des Jahres 60 % der Kurse belegt sein müssen. Aus Berlin und Potsdam kam die Anweisung, dass alle Kurse zu 100 % belegt sein müssen.

Die Statistik der Bundesagentur für Arbeit zeigt jedoch, dass die meisten vergebenen Maßnahmen für den Betroffen komplett sinnlos sind, denn sie integrieren die Teilnehmer nicht nachhaltig in den Arbeitsmarkt. Im Schnitt sind die Teilnehmer bereits 6 Monate nach dem Kurs zurück in Hartz 4.

Wer profitiert von den Sinnlos-Maßnahmen

Warum ist das Vergeben von Maßnahmen für die Jobvermittler also von so zentralem Interesse? Die Antwort ist einfach: viele Mitarbeiter der Jobcenter sind nur befristet angestellt. Durch die Vergabe von Maßnahmen haben die Jobcenter-Bosse ein Druckmittel in der Hand. Die Bosse haben ein Interesse daran, dass möglichst viele Arbeitslose in Eingliederungsvereinbarung gesteckt werden, denn diese tauchen dann nicht mehr in der Arbeitslosenstatistik auf. Und niedrige Arbeitslosenzahlen bedeuten fette Boni für die Jobcenter. Der normale befristete Angestellte sieht davon nichts. Ihm wird stattdessen eine Festanstellung versprochen um ihn weiter gefügig zu machen. Von ihnen wird zudem erwartet uneingeschränkt loyal zu sein, denn sonst winkt ihnen auch bald die Hartz 4-Peitsche.

Die erkauften niedrigen Arbeitslosenzahlen

Theoretisch darf der Anteil der befristet tätigen Angestellten im Jobcenter nicht höher als 10 % sein. In der Realität dürften es aber eher 30 % sein. Denn nur so lässt sich dauerhaft ein System bestehend aus Druckmitteln und Ködern aufrechterhalten.

Die Maßnahmen spielen in diesem System eine zentrale Rolle, denn jeder Arbeitslose der sich in einer solchen befindet ist offiziell nicht arbeitslos. Die Kosten mit denen die niedrigen Arbeitslosenzahlen erkauft werden, sind gigantisch. Im Jahr 2013 wurden noch 583.000 Maßnahmen vergeben, 2016 stieg die Zahl um 28 % auf 748.000. Auch die Kosten für diese Sinnlosmaßnahmen sind explodiert. 2013 lagen sie noch bei 463 Mio. EUR, 2016 bei 773 Mio. EUR. Der Bundesrechnungshof kritisierte das System bereits 2013 und sprach in dem Zusammenhang von einer Geldverschwendung, da der Großteil der Maßnahmen sinnlos und schlichtweg unpassend ist.

Das Geschäft mit den Maßnahmen

Selbst die Mitarbeiter der Jobcenter kritisieren die Praktik, die derzeit rund um die Maßnahmen angewendet wird, aber sie sind nur kleine Rädchen in der Geldverbrennungsmaschine Jobcenter. Um die Vergabe von Maßnahmen hat sich mittlerweile eine Milliardenindustrie entwickelt, von der in erster Linie die Anbieter der Kurse profitieren und natürlich die Jobcenter-Bosse. Die Leidtragenden sind die Steuerzahler, deren Geld verschwendet wird und die Leistungsbezieher. Denn die müssen die sinnlosen Maßnahmen ihre Zeit verschwenden. Zeit, die ihnen bei der wirklichen Jobsuche fehlt. Und lehnen sie die Maßnahme ab, bedeutet es Sanktionen.

Bist auch du die Willkür des Jobcenters leid oder hast du Zweifel an der Rechtmäßigkeit deines Hartz 4-Bescheides? Schick ihn uns zu. Unsere Partneranwälte prüfen ihn und legen bei Fehlern Widerspruch für dich ein. Alle Leistungen sind dabei für dich als Hartz 4-Empfänger komplett kostenfrei.

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Geschrieben von: Nassir Jaghoori

Er studierte in Hamburg und Speyer Rechts- und Verwaltungswissenschaften. Nach dem Referendariat beim Hanseatischen Oberlandesgericht Hamburg hat er sich als Angestellter der Agentur für Arbeit im SGB II spezialisiert. Als einer unserer Partneranwälte von hartz4widerspruch.de kennt er sich bestens mit den aktuellen Entwicklungen im Sozialrecht aus.

14 Antworten auf „Sinnlose Maßnahmen: Darum müssen Jobcenter-Mitarbeiter sie verordnen“

  1. Neues Jahr….neue Maßnahmen….!!
    Ich sag mir , solange der Staat noch soviel Geld hat um diese Kurse zu finanzieren… kanns so schlecht nicht sein in DEUTSCHLAND
    Ich, GELERNTE fachverkäuferin mit 53 habe schon min. 6 dieser Kurse mitgemacht … .ansonst 30% Sanktion…..
    Ich sagte , das ich gerne wieder putzen gehen würde u.s.w …..aber bitte schön nicht ohne Auto 30km außerhalb ……
    In diesen Kursen wird absolut nichts sinnvolles gemacht ,weil die Leiter der Kurse meist nur mit sich selbst beschäftigt sind …..und selbst von einer maßnahmefirma in die nächste wechseln …..
    Wenn ich dann im sogenanntem Praktikum mit 53 mit 17 jährigen schulabbrechern u. s.w im Schulhof Unkraut jäten soll oder knetmännchen basteln soll …..dann frag ich mich was da los ist im oberstübchen ….????
    Der einzige , der in diesen unsozialen Kursen als Gewinner hervorgeht ….sind die maßnahmeleiter .
    Für mich ist es wirklich asozial , sich auf anderer Arbeitslosen rücken einen künstlichen Job zu erschaffen, den es eigentlich gar nicht geben müßte …. !!!

  2. In Deutschland wird doch eigentlich alles und jeder geprüft und zertifiziert… wer prüft eigentlich die Maßnahmen des Jobcenters. Die Betriebe sind doch meist vollkommen mit Hifis besetzt die dann Langzeitarbeitslose herumkommandieren wollen. Weiß jemand wer für die Prüfung der Betriebe zuständig ist?

  3. „Das lauft oft nach dem Motto wenn du noch ein Schippchen drauflegst, sorge ich auch dafur, dass du eine Festanstellung kriegst’“, erklart Gerd Zimmer, Personalratsvorsitzender des Jobcenters Koln. Vor allem neue Mitarbeiter seien betroffen, die oft befristet angestellt werden. „Wer seine Stelle behalten will, muss der Logik der BA folgen: statistische Zielerreichung durch bedingungslose Loyalitat“, sagt Zimmer. Eigentlich durfen seit 2013 nur zehn Prozent der Mitarbeiter befristete Vertrage haben. „In den Jobcentern in Ballungsraumen gehen die Befristungsquoten aber schon mal auf 30 Prozent“, sagt Zimmer. Zudem konzentrieren sich die Befristungen auf den operativen Bereich, also auf Arbeitsvermittler und Fallmanager – jene, die Kurse an Hartz-IV-Empfanger vergeben. Die Zuteilung von Kursplatzen ist fur diese Mitarbeiter ein einfaches Mittel, um die Chancen auf eine Festanstellung oder Beforderung zu erhohen.

  4. Ich bin bei einer Maßnahme der BAM GmbH Meißen Chance 50+ wo alte Menschen die
    krankheitsbedingt schon fertig sind verarscht werden und Bewerbungen am pc schreiben
    sollen. OP wohl sie keine PC Kenntnisse haben und ein durchschnitzelter von über 60 Jahre
    haben. gezwungen werden den scheiß mit zu machen. Ich stamme aus den Elbe-Elster Kreis
    wo die Arbeitslage nicht gerade rosig aussieht . Die wollen einen weiß machen das mann im
    den alter noch gebraucht wirt. Also wie hier Steuergelder verschwendet werden Wahnsinn.
    Man könnte diese Steuergelder sinnvoller einsetzen. Ich bezeichne es als legale MAFIA
    Methoden.

  5. Bitte geben Sie dies zur Erinnerung einmal wieder an die Medien!
    Auch wenn die Journalisten die Praxis kennen, so ist sie nichtsdestotrotz zutiefst kriminell!
    Es muss erneut darüber berichtet werden, denn
    1) sie unterstützt völlig inkompetente “Bildungsträger”
    2) sie benutzt Arbeislose als Marionetten.
    Dies ist völlig inakzeptabel!!
    Verena Kimmig

  6. Nach langen hin und her hat mir das Jobcenter meine Umschulung genehmigt.Letzte Woche mußte ich zum Jobcenter wegen des Pschologischen Gutachtens ich dachte dafür war der Termin.Die Mitarbeiterin sagte zu mir ich sollen einen Kurs machen bevor ich meine Umschulung beginne anstatt des Psychologischen Gutachtens.Gab mir einen Flyer mit.Da die Job Center Mitarbeiterin keine genaue Antworten hatte rief ich bei der Maßnahme an auch weil der genau in den Sommerferien ist und ich Alleinerziehend bin.Da fiel ich aus allen Wolken.Da erzählt mir die von der Maßnahme das man sich einen Ausbildungsplatz ich bin 45 Jahre alt suchen muß und die mich nur unterstützen bei Bewerbungen schreiben.Gehts noch !!! Das ist meiner Meinung für Jugendliche gedacht die vielleicht noch auf der suche sind.Ein Unding !! Zumal die Maßnahme am 3 Juli anfängt und meine Umschulung am 1 September die Maßnahme über drei Monate geht also könnte ich somit meine Umschulung vergessen.Unglaublich frech ! Ich habe bereits beim Jobcenter angerufen das mich die Beraterin zurück rufen soll darauf warte ich immer noch.

  7. Ich sitze dezeit in einer solchen sinnlosen Maßnahme. Nicht die Arbeitlosen sind die Sozial Schmarotzer sondern die Bildungsträger die sich auf Rücken der Hartz4 und auf Kosten der Steuerzahler eine goldene Nase verdienen

  8. …und diese verfluchte SPD hat uns das eingebrockt. Es wird Zeit dass die Leute endlich auf die Strasse gehen. Stattdessen jammern und klagen.

  9. Hallo.
    Ich war gestern beim Jobcenter.Nachdem man mir keinen Schweißerschein bewilligen wollte. Bin ich 1 Jahr ohne Beschäftigung.und nun soll ich in eine ABM.als Hausmeister Helfer.ich darf weder Mit Geräte arbeiten noch selbstständig Arbeiten.
    Ich soll Müll sortieren,Möbel schleppen oder Blumenbeete anlegen. ..Was ein Laden…

  10. Hallo Bruno, wer hat dich bei der Klage vor dem Sozialgericht unterstützt ?

    LG Klaudia

  11. Meine ALG Betreuerin hat mir Sanktionen angedroht sofern ich nicht zusätzliche Stunden leiste.
    Ich habe einen Minijob mi 230 Euro und kann aus gesundheitlichen Gründen(Kalkschulter) nicht
    mehr als 6 Stunden wöchentlich arbeiten.Darauf geht die Betreuerin nicht ein und wirft mit vor, dass ich auf Kosten der Steuerzahler Sozialleistungen erhalte. Das kann doch wohl nicht wahr sein.
    Daraufhin wolllte ich die Betreuerin ablehnen was das Jobcenter jedoch ignoriert.

  12. Sanktionen des Jobcenters widersprechen einigen Paragraphen des Grundgesetzes, sowie des Bürgerlichen Gesetzbuches.
    Ich bekam auch schon EINMAL eine Sanktion, gegen welche ich mich sehr erfolgreich wehrte und mein Recht zugesprochen bekam. Beim Jobcenter in meiner Stadt bin ich daher als “Querulant” bekannt. Es wurden mir zwar immer mal wieder Sanktionen gegen mich angedroht, doch seitdem ich erfolgreich vor dem Sozialgericht klagte und ihnen bei jeder nur angedrohten Sanktion mein Gerichtsurteil unter die Nase hielt, unterließen sie weitere Schritte und zogen es vor – zumindest bisher – sich mit mir zu arangieren. FRECHHEIT SIEGT!

  13. hallo….ich bekomme seit februar kein geld mehr bekommen,daabehauptet wurde das< jobcenter albstadt häbe mir einen neuen antrag zur weiterbewilligung geschickt…das ist gelogen….ich hab dort angerufen und mir wurde versichert in spätestens 3 tagen habe ich den antrag …..er kam aber erst nach über einer woch,,,schon da war ich also lang ohne geld und essen und musste mir von bekantten geld leihen,,,,beim telefonat hab ich nach nem darlehen oder vorschuss gerfragt….dieses wurde verneint……auf die frage wann ich geld bekomme da ich ein kind hab und hoch schwanger bin hies es wieder nein das gäbe es in dieser situation nicht…ich habe erwähnt das mir streom gesperrt wird auch da hies es es wäre nicht deren problem wenn ich verpasse den antrag rechtzeitig zu su stellen…wie gesagt mir wurde gesagt es wurde einer zugechickt,,,ebntspricht nicht der wahrheit,eine andere am telefojn sagte sie wären nicht verpflichtet den zuzuschicken….ich ürde gerne wissen ob die mir einenvorschuss geben müssen,denn ich war gestern auf dem amt und habe persönlicch gefragt ob ich einen vorschuss haben kann….wieder verneint…und wann das geld denn komme hies es nochmal 2-3 wochen…ich bin dort in tränen ausgebrochen,selbst das hat sie kalt gelassen,ich habe kein essen mehr und bin im 7.monat schwanger (risikoschwangerschaft) darf also keinen stress haben und die schickanieren mich seit jahren,selbst meine Fr.arzt und hausarzt sagen das das gefährlich fürs baby ist…und es interessiert die nicht,,ich weis nichtmehr weiter…habe mit bestimm 5 leuten tel.und geredet und alle sagen es gäbe kein vorschuss weil noch kein bescheid bewilligt ist…….aber dabei haben die mal wieder geschlammpt so wie schon oft….ich bin schon bekannt bei euch da können sie gerne lesen was die mit mir abziehen….ich bin total verzweifelt weil ich nihts zu essen habe und demnächast der strom abgestellt wird….die haben dammals schon nen antrag verschlammpt und einen usb stick fehlt….krankmeldungen habend ie auch etliche verlegt……ich bitte um hilfe liebe grüsse yvonne schmiechen

  14. Es war einmal eine Maßnahme…..
    Da musste ich meine Werkzeuge zur ordentlichen Verrichtung selbst mitbringen, irgendwelche Kompetenzen sah und erlernte ich dort auch nicht, im Gegenteil, von den arbeitslosen Damen wurde unter Anleitung Mittagessen gekocht was den Kursteilnehmern
    für 3€ angeboten wurde ,dabei kam es 2 mal in kurzer Zeit zu Lebensmittelvergiftungen und Durchfallerkrankungen bei einigen Teilnehmern wovon nur einer freiwillig dabei war,die Maßnahme brach ich nach kurzer Zeit sinnloser Streitigkeiten ab konnte aber eine Sanktion abwenden!

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