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Februar-Arbeitslosigkeit: Das geschönte Rekordtief

Es gibt Berichte in der Presse, bei denen schon die Überschrift den Inhalt vermuten lässt. Die Veröffentlichung von Zahlen der Bundesagentur für Arbeit ist so ein Fall: Jahr für Jahr sind die Zahlen „besser“ und die Presse behauptet diese seien geschönt – wer hat recht?

Erst kürzlich veröffentlichte die Bundesagentur für Arbeit die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland für Februar 2017. Demnach seien derzeit 2,762 Millionen Menschen erwerbslos. Dies sind rund 15.000 Arbeitslose weniger als im Januar und knapp 149.000 weniger als noch vor einem Jahr. Die Bundesagentur verzeichnet damit die geringste Februar-Arbeitslosigkeit seit 26 Jahren.

Zahl der Arbeitslosen in Deutschland sinkt weiter

Viele Medien sprechen bei diesen Zahlen von einem historischen Tief zum Winterausklang oder einem Rekordtief.

Auch der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, sagte: „Die Entwicklung am Arbeitsmarkt ist weiter positiv. Die Zahl der arbeitslosen Menschen hat sich im Februar verringert, die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung liegt deutlich über dem Vorjahreswert und auch die Nachfrage der Betriebe nach neuen Beschäftigten bleibt auf hohem Niveau.“

Weise spricht von positiver Entwicklung am Arbeitsmarkt

Doch schönt die Arbeitsagentur diese Zahlen nur? Viele Menschen, die eigentlich Arbeit suchen, tauchen in dieser Statistik nämlich gar nicht auf. Sie werden mit verschiedenen Tricks aus der Statistik herausgerechnet. 

 

Nach dem Sozialgesetzbuch gelten Menschen als arbeitslos, die sich entweder bei der Bundesagentur für Arbeit arbeitslos gemeldet haben oder gar nicht bzw. weniger als 15 Stunden pro Woche arbeiten und/oder einen sozialversicherungspflichtigen Job suchen.

Zählt man wirklich all diese Menschen in die Statistik, käme man auf rund 4 Millionen Arbeitslose im Februar 2017 – anstelle der veröffentlichten 2,762 Millionen.

Tatsächlich 4 Millionen Erwerbslose im Februar

Man stellt sich nun die Frage, wie die Bundesagentur auf einen so geringen Wert kommt.

Zunächst werden Unterbeschäftigte nicht in die Statistik aufgenommen, obwohl diese im Prinzip die Kriterien für den Status „arbeitslos“ erfüllen würden. Als Unterbeschäftigt gelten Personen, die an einer arbeitsmarktpolitischen Maßnahme (wie z.B. Bewerbungstrainings, Lehrgänge, Sprachkurse oder die Ausführung von Ein-Euro-Jobs) teilnehmen, älter als 58 Jahre alt sind und Hartz IV beziehen oder vorrübergehend krank sind.

Unterbeschäftigte gelten scheinbar nicht als arbeitslos, aber erhalten dennoch Hartz IV

Im Februar 2017 gab es jedoch knapp 1 Millionen Unterbeschäftigte. Und Fakt ist: Der Großteil der Unterbeschäftigten ist arbeitslos. Oder wie soll man sonst Teilnehmer eines zweiwöchigen Bewerbungstrainings oder auch Hartz-IV-Bezieher über 58 Jahren bezeichnen?

Wie die Bundesagentur dazu kommt, diese einfach aus der Statistik zu streichen, ist wirklich mehr als fragwürdig.

Bundesagentur: arbeitslos ist nicht gleich arbeitslos

Es gibt aber außerdem noch die sogenannte „stille Reserve“, welche nicht mit in die Statistik einberechnet wird.

Dazu zählen Menschen, die zwar zum jetzigen Zeitpunkte keine Arbeit haben, aber sie aufnehmen würden, wenn es eine freie Stelle geben würde. Sie melden sich nicht arbeitslos und erhalten kein Arbeitslosengeld – auch, weil bspw. der Ehepartner ausreichend Geld verdient.

Die exakte Zahl der Menschen aus der stillen Reserve ist aufgrund fehlender Anzeige der Arbeitslosigkeit schwierig zu ermitteln, dennoch gelten sie gesetzmäßig als arbeitslos. Geschätzt wird diese Zahl für 2017 jedoch auf 271.000 Menschen.

Wer sich nicht meldet, ist auch nicht erwerbslos!

Auch wenn es vielleicht legitim ist, die Zahl der stillen Reserve wegen Ungenauigkeit rauszurechnen, ist es nicht verständlich, warum die Zahl der Unterbeschäftigen nicht einbezogen wird.

Bei der Betrachtung der Statistik zur Arbeitslosigkeit sind also neben den offiziellen Zahlen auch zusätzliche Schätzungen zu beachten. Diese werden separat von der Bundesagentur für Arbeit veröffentlicht und sind im Internet allgemein zugänglich.

Wir nehmen aus dieser Geschichte erneut mit: Traue nie den Zahlen, die du nicht selbst gefälscht hast!

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. da ich im november selber gekündigt hatte,bekam ich bis ende februar keine leistung,arbeitslosengeld.obwohl ich dem arbeitsamt mitteilung zum kündigungs grund gesagt habe.ich war bei der firma 7jahre. die kollegin die zum selben zeitpunkt aufgehöhrt hat,bekam aber leistungen vom 1tag an.ich gehe davon aus das da mit zweierlei massstab endschieden wird.wenn man älter ist braucht man keine leistung nach denen seiner ansicht.

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