Jobcenter-Mitarbeiterin: Hilfe für Hartz 4-Empfänger ist nicht gewollt

Eine ehemalige Jobcenter-Mitarbeiterin packt über die gegenwärtigen Zustände in den Jobcentern aus und gibt Einblicke in eine Welt, die geprägt ist von Mobbing, Erfolgsdruck und Mangel an Führung.

Falsche Hartz 4-Bescheide werden in Kauf genommen.

Dass die Arbeit des Jobcenters oft mehr als mangelhaft ist, ist hinlänglich bekannt. Dass die falschen Bescheide in Kauf genommen werden und sogar Teil des Systems Jobcenter sind, ist jedoch neu. Diese Erkenntnis stammt von einer ehemaligen Jobcenter-Mitarbeiterin. Diese kann nicht länger zu den Zuständen ihres ehemaligen Arbeitgebers schweigen. Eine Ursache liegt in der schlechten Ausbildung der Mitarbeiter. Diese dauert in der Regel nicht viel länger als einen Monat. In dieser Zeit wird oft nur vermittelt, wie man eine fehlerfreie Eingliederungsvereinbarung verfasst und wie man Leistungsbezieher sanktionieren kann. Die Lösung der wirklichen Probleme der Hartz 4-Empfänger aus dem echten Leben bleiben dabei auf der Strecke. Dieses Missmanagement ist für die Hilfsbedürftigen fatal und geradezu existenzbedrohend. Eine interne Umfrage unter den Jobcenter-Mitarbeitern ergab, dass die Problematik der fehlenden Ausbildung bekannt ist. Eine Besserung ist aber bisher nicht in Sicht.

Nur die Zahlen zählen.

Die Chefs der Jobcenter belegen die ohnehin überforderten Mitarbeiter mit absolut unrealistischen Zielvorgaben was die Vermittlungen angeht. Diese basieren auf Schätzungen und Annahmen, haben aber mit der Realität herzlich wenig zu tun. Das hat zur Folge, dass die Angestellten unter enormen Erfolgsdruck stehen, denn wer seine Zahlen nicht erreicht, wird zum Rapport beim Vorgesetzten bestellt. Kein Wunder also, dass unkollegiales Verhalten und Mobbing an der Tagesordnung sind. Wenn die Zahlen stimmen erhalten Führungskräfte fette Bonuszahlungen – der normale Mitarbeiter bekommt nichts. Kein Wunder also, dass die Stimmung allgemein schlecht ist. Ein weiteres Indiz dafür wie krank das Jobcenter wirklich ist, ist das interne Punktesystem mit dem die Mitarbeiter unter Druck gesetzt werden. Dieses ist nur auf Jobvermittlungen ausgelegt. In diesem System ist ein Sachbearbeiter, der einen Hartz 4-Empfänger zehn Mal in ein prekäres Arbeitsverhältnis vermittelt hat, der Leistungsträger. Ein Mitarbeiter hingegen, der einem Langzeitarbeitslosen mit gezielten Weiterbildungsmaßnahmen eine Perspektive bietet und ihn wieder nachhaltig in den Arbeitsmarkt integriert, hat jedoch mit Druck seitens der Jobcenter Bosse zu rechnen.

Hartz 4-Empfänger müssen handeln.

Wie soll eine Behörde, die eigentlich dringend selbst Hilfe benötigt in der Lage sein, anderen Menschen zu helfen? Und wie können Menschen, die nur unzureichend im Sozialrecht geschult wurden und an der Belastungsgrenze arbeiten, über das Schicksal anderer Menschen entscheiden? Der gesunde Menschenverstand würde diese Frage mit „Überhaupt nicht!“ beantworten. Aber jeder, der schon mal mit dem Jobcenter zu tun hatte weiß, dass „gesunder Menschenverstand“ und das „Jobcenter“ nur selten harmonieren. Umso wichtiger ist es also für Hartz 4-Empfänger sich gegen fehlerhafte Bescheide und Sanktionen des Jobcenters zur wehren, denn nur so kann das kranke System bekämpft werden. Unsere Partneranwälte überprüfen deinen Bescheid und legen Widerspruch ein. Der komplette Service ist für dich als Hartz 4-Empfänger kostenlos.

5 Antworten auf „Jobcenter-Mitarbeiterin: Hilfe für Hartz 4-Empfänger ist nicht gewollt“

  1. Jobcenter fordert Empfänger auf sein Pflegegeld bei Pflegegrad 4 für Barunterhalt einzusetzen. Somit stiftet das Jobcenter den Empfänger zum Leistungsmissbrauch an. Hierdurch kann die Pflege nicht mehr gesichert werden.

  2. Hallo,

    ich bin durch eine Hüfte-Op nicht in der Lage, meine Wohnung im dritten Stock ohne Fahrstuhl zu betreten. Zur Zeit wohne ich bei meiner Lebensgefährtin in einem anderen Stadtteil Hamburgs, die im Erdgeschoss wohnt. Das Amt fordert mich seit längerer Zeit auf, die Wohnung aufzugeben, da ich sie ja nicht bewohne. Was soll ich tun? Der Sachbearbeiter schikaniert mich bereits seit über einem Jahr auch in anderen Angelegenheiten. Ich habe einmal Sozialbetrug gemacht, ok, das tut mir im Nachhinein auch leid, aber ich habe dafür auch gebüßt: ich wurde vor Gericht zu einer heftigen Strafe verurteilt. Warum muss das Amt für Grundsicherung jetzt noch nach treten?

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