HIOB – Geschichten die dein Jobcenter schreibt | Teil 7

Hermann aus Karlsruhe, 52: Jobcenter kürzt die Miete.
Eigentlich ist Hermann jemand, der alles selbst mit dem Jobcenter regelt. Zehn Jahre hing Hermann in der Langzeitarbeitslosigkeit, danach fünf Jahre als Aufstocker in verschiedenen Betrieben, alles in allem eine typische Abwärtsspirale – unverschuldet.

Im Mai diesen Jahres teilte das Jobcenter in Karlsruhe mit, dass die Kosten für Unterkunft und Wohnung nicht mehr übernommen werden können. Zur Begründung zog das Jobcenter heran, dass die Wohnung schon seit Jahren bezahlt werden würde und eigentlich weit über dem liegt, was Hermann zusteht.

Kosten für Unterkunft, das leidige Thema

Geprägt durch Marktveränderungen ändern sich häufig auch die Mieten innerhalb der großen Ballungsräume in Deutschland. Dabei ist der ewige Streit zwischen Leistungsempfänger und Jobcenter schon vorprogrammiert: Darf ich in der Wohnung bleiben ohne zuzuzahlen oder ist das nicht möglich?

Jahrzehntelang befindet sich Hermann mit der ARGE bzw. heute dem Jobcenter in Kontakt und kennt mittlerweile alle zuständigen Mitarbeiter. Stets wurde versichert, dass die Wohnung, die Hermann aufgrund des kleinen dazugehörigen Gartens so liebt, weiter bezahlt werden: „Hier in Karlsruhe läuft das anders und außerdem bemühen Sie sich ja (…).“

Negativer Änderungsbescheid und die Lösung

Dann die bittere Realität: Ein negativer Änderungsbescheid sah eine Kürzung der Miete vor, was im Ergebnis dazu führen würde, dass Hermann die Wohnung hätte aufgeben müssen.

Eigentlich kein großer Freund der Inanspruchnahme fremder Hilfe, nahm sich Hermann ein Herz und kontaktierte uns. Da er kein Drucker hat, wünschte er sich, dass wir ihm die auszufüllenden Unterlagen bitte zuschicken. Gesagt, getan.

Nachdem die Unterlagen bei uns eingegangen sind und das Jobcenter bzgl. der Miete (aus Sicht von Hermann leider) fast alles richtiggemacht hatte, fanden wir einen anderen Berechnungsfehler bei der Höhe des an Hermann ausgezahlten Hartz 4-Satzes.

§
Seit mehreren Monaten (fast ein Jahr) wurde ein zu hohes Einkommen angerechnet, obwohl er als Aufstocker lediglich ca. 135 EUR monatlich dazu verdiente. Aus irgendeinem Grund hatte man bei ihm einen 400 EUR – Job angerechnet und ist davon ausgegangen, dass auch 400 EUR verdient werden.

Im Ergebnis konnten wir so erreichen, dass Hermann für die Zukunft einen höheren Hartz 4-Satz beziehen wird und er eine Nachzahlung über die zu wenig gezahlten Leistung erhält. Dies kompensierte für ihn auch die Mehrkosten, welche zukünftig durch die gekürzte Miete entstehen werden. Jedoch regelten wir auch, dass die zu hohe Miete erst mal noch für 6 Monate weiter bezahlt wurde, damit Hermann wenigstens in der Theorie eine Möglichkeit hatte, eine günstigere Wohnung zu suchen.

3 Antworten auf „HIOB – Geschichten die dein Jobcenter schreibt | Teil 7“

  1. ich bin mit der motto: wir möchten nicht Arbeitslosigkeit, wir möchten keine Arbeitslosen haben, „Nein, wir möchten keine Arbeitslosen“ – Mensch müssen haben Arbeit Respekt und Vertrauen für heute das Leben, Zuversicht haben müssen Mensch für das Bundesagentur für Arbeit der einiges Bremse für Arbeitslosigkeit ist !

  2. In so eine Situation bin ich im Moment auch, suche seid letztes Jahr Dezember eine kleine Wohnung, bis jetzt kein Erfolg, zu teuer, Raucher sind nicht akzeptiert, Arbeitslosen genauso wenig, ob man will oder nicht, es ist zum verzweifeln

  3. Schlimm genug was die mit Hermann abgezogen haben, aber noch schlimmer dass er dann doch über kurz oder lang auch noch das Bisschen Schöne im Leben aufgeben muss, was ihn froh macht: seinen Garten. Es ist schon schlimm genug, am Existenzminimum leben zu müssen, das weiß ich aus Erfahrung, aber dann auch noch das Bisschen weggenommen zu kriegen was einem noch Freude bereitet (denn viel Freude hat man am Existenzminimum nicht mehr!!!), das ist die Unmenschlichkeit hoch zehn!!!
    So, und nun muss Hermann sich eine neue Wohnung suchen – aber Hartz4-Empfänger „Nein danke“! Ich suche seit 2 Jahren eine Wohnung, um aus einer Beziehung herauszukommen die mich Stück für Stück immer mehr kaputtmacht – no way!!! Niemand will mir eine Wohnung vermieten! Warum? Weil man nun mal keine „Sozialschmarotzer“ haben will, und als solche werden wir alle betrachtet, ungeachtet dessen was der eigentliche Grund für unsere Situation ist! Anstatt mal zu denken „Mensch, die kann vielleicht überhaupt nichts dafür“ wird gleich assoziiert „Faul, dumm, arbeitsscheu“ und fertig! Entweder sind die Wohnungen zu teuer um genehmigt zu werden oder aber es sind schimmelverseuchte Rattenlöcher, die man keinem Flüchtling als Unterkunft zumuten würde oder – wenn die Miete stimmt – heißt es von Seiten der Vermieter „Nein, wir möchten keine Arbeitslosen“ – am besten man nimmt sich gleich einen Strick und hängt sich auf, aber wem nützt das was?

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