Flopcenter im April

Der April macht was er will – und die Jobcenter sowieso. Leidtragende sind wie immer Hartz 4-Empfänger, die die Fehler der Flopcenter ausbaden müssen. Was ist im vergangenen Monat alles schiefgelaufen?

Flopcenter Nr. 3: Jobcenter Menden

Sanktionen sind ein gefürchtetes Mittel, um Hartz 4-Empfänger in die Schranken zu weisen. In Menden wird aber eine noch härtere Tour gefahren: Hier wird direkt die komplette Leistungseinstellung vollzogen.

Die Begründung ist haarsträubend. Der Hartz 4-Empfänger hatte sich dem Jobcenter gegenüber korrekt verhalten und alle Angaben ordnungsgemäß gemacht. Das Jobcenter fand trotzdem ein Haar in der Suppe – seinen Mitbewohner. Dieser weigerte sich persönliche Details über sich und sein Einkommen gegenüber dem Jobcenter preiszugeben. Als Konsequenz bekam der betroffene Hartz 4-Empfänger keinen weiteren Cent ausgezahlt.

Warum das Verhalten des Flopcenters doppelt ungerechtfertigt ist? In einer Wohngemeinschaft wird getrennt gewirtschaftet. Das bedeutet, dass das Jobcenter überhaupt keine Berechtigung dazu hat das Einkommen der übrigen Mitbewohner zu erfragen. Dieses ist für die Berechnung der Hartz 4-Leistungen des Betroffenen irrelevant. Das gibt einen berechtigten Platz 3 im Flopcenter-Ranking im April.

Flopcenter Nr. 2: Jobcenter Wuppertal

Dieses Flopcenter schiebt sich die Realität zurecht wie es möchte. Betroffen ist ein Hartz 4-Empfänger mit Sehbehinderung – der gerne arbeiten möchte. Das Jobcenter vermittelt ihn allerdings nicht. Mit der Begründung: Seine Beeinträchtigung wäre zu stark, um ihn in eine Tätigkeit zu vermitteln, mit der er seinen Lebensunterhalt selbstständig tragen könnte.

Eine behindertengerechte Wohnung möchte das Jobcenter ihm aber dennoch nicht bezahlen. Es fordert den Betroffenen auf, seine auf seine Bedürfnisse ausgestatte Wohnung aufzugeben und sich eine kleinere Bleibe zu suchen. Die Logik des Jobcenters lautet also: Zu stark beeinträchtigt um zu arbeiten, aber zu gesund um eine behindertengerechte Wohnung zu bewohnen.

Das ließ der Betroffene nicht auf sich sitzen und ging an die Presse. Ein erfolgreicher Schachzug, denn kurz darauf wurde seine Angelegenheit „noch einmal geprüft“ und der „unerklärliche Fehler“ berichtigt. Den zweiten Platz im Flopcenter-Ranking erhält das Jobcenter dennoch.

Flopcenter Nr. 1: Jobcenter Unna

Ein Fehler im Jobcenter Unna brachte eine schwer erkrankte Mutter um ihren Versicherungsschutz. Die Betroffene war vor ihrer schweren Erkrankung berufstätig gewesen und erst dadurch in den Hartz 4-Bezug gerutscht.

Die ehemalige Dozentin litt längere Zeit unter Bauchschmerzen, bevor sie von einen Tag auf den anderen nicht mehr Essen konnte. Die Diagnose: Mehrere Löcher im Darm. Ursache unbekannt. Sie musste sich einer schweren OP unterziehen, an deren Folgen sie bis heute leidet. Es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass sie an ihrer Krankheit sterben wird.
Das Jobcenter legt ihr in dieser Zeit noch weitere Steine in den Weg und pfuschte bei der Bearbeitung ihres Hartz 4-Antrags. Dadurch bekam die Mutter einer kleinen Tochter nicht nur keine finanzielle Unterstützung, auch ihr Versicherungsschutz erlosch. Und das obwohl sie von künstlicher Ernährung und einem Pflegedienst abhängig ist.

Um sich gegen das Jobcenter zu wehren, veröffentlicht sie ihre Geschichte auf Facebook und erhält von allen Seiten Zuspruch und Unterstützung. Auch das Jobcenter wird dazu bewegt, sich ihren Fall noch einmal genauer anzusehen. Es korrigiert sein Verhalten und stellt der Betroffenen einen neuen Bescheid aus. Eine Schwerkranke solch einem Stress auszusetzten, ist nicht tragbar. Deswegen gibt es den ersten Platz für das Flopcenter Unna.

Probleme mit dem Jobcenter müssen nicht sein. Sende uns deinen Hartz 4-Bescheid und wir überprüfen diesen für dich kostenlos. Sollte ein Fehler in deinem Bescheid vorhanden sein, legen wir direkt einen Widerspruch für dich ein.

5 Antworten auf „Flopcenter im April“

  1. Das ist Deutschland.

    Das Jobcenter macht ja überhaupt nie Fehler.

    Ich musste mal 112€ pro Monat zurück zahlen und das 7 Monate lang. besser gesagt mir würde das abgezogen. Angeblich jabe ich keinen Antrag zwecks Ortsabwesentheit gestellt. Ichhabe nur ein Brief geschrieben und eingereicht. Dieser ist verschwunden, später aufgetaucht( im Neuen Jahr).
    Mein Anwalt hatte auch bemängelt warum das JC zu bestimmen hat, wo ich an Weihnachten und Neujahr bzw Silvester bin.

    Nach der Verhandlung dürfte ich 478€ wieder bekommen. Das ist das JC Dortmund

  2. Solange es keine staatliche Behörde gibt denen die Jobcenter und andere Ämter welche überwiegend kommunal geführt werden auf die Finger schaut wird sich nichts ändern.

  3. Hallo !

    Was sich die Sachbearbeiter der Jobcenter alles erlauben um Ihr Amt zu mißbrauchen ist katrastrophal. Genau wie das Jobcenter Stendal. Ich bin auch betroffen. Ich bekomme seit 3 Jahren trotz Anspruch keine Leistungen. Sanktionen wegen nichts. Auch ich bin zum Fernsehen gegangen. Und es wurde gefilmt und ausgestrahlt. Nicht einmal korrekte Rechtsbehelfsfähige Bescheide werden hier erstellt. Leider arbeiten hier auch die Gerichte zu langsam. Ich habe über 30 Jahre gearbeitet und eingezahlt und bekomme nichts. Mir bleiben 5,90 Euro zum Leben von meiner Witwenrente.

    Herzl. Grüße

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