Die Flopcenter im November

Jobcenter sind dafür da, dass sie Menschen aus ihrer bitteren Not heraushelfen. Leider machen sie oft das Gegenteil. Sachbearbeiter denken, dass sie sich alles erlauben können. Hartz 4-Empfänger zittern und hoffen, dass sie genügend Leistungen zum Leben erhalten. Auch im November gibt es wieder drei Jobcenter, die besonders negativ auffielen. Vorhang auf für die Flopcenter im November.

Flopcenter Nr. 3: Neukölln

Es ist ein altbekanntes Problem: Dein Sachbearbeiter findet deine Unterlagen nicht mehr. Du bist dir sicher, dass du sie eingereicht hast. Er behauptet auf einmal, diese sind nie im Jobcenter angekommen. Wer hat Recht? Das kann nicht mehr nachgewiesen werden. Am kürzeren Hebel sitzt natürlich du. Wenn du glimpflich davonkommst, musst du die Unterlagen nochmal nachreichen. Im schlimmsten Fall drohen dir Sanktionen und du verlierst bares Geld.

Das Jobcenter Neukölln arbeitet besonders schlampig. Auffällig viele Leistungsempfänger leiden darunter, dass ihre Dokumente verschwinden. Die Betroffenen haben Mietschulden, da nicht alle Leistungen ausgezahlt werden. Sanktionen machen ihnen das Leben zur Hölle.

Die Reaktion des Jobcenters auf das Problem lässt einen staunen: Es schafft die Eingangsbestätigung für Dokumente ab. Somit gibt es keine Möglichkeit mehr, dass die Hartz 4-Empfänger beweisen können, dass sich das Dokument bereits beim Jobcenter befindet. Die Begründung ist lachhaft. So sollen eine schnellere Bearbeitung und weniger Papieraufwand ermöglicht werden.

Zwar wurde nach vielseitiger Kritik die Vergabe von Eingangsbestätigungen wieder aufgenommen, aber für dieses „Problemmanagement“ gibt es den Platz 3 der Flopcenter im November.

Flopcenter Nr. 2: Berlin

Auch als Hartz 4-Empfänger ist man von der Obdachlosigkeit bedroht. Prinzipiell sollte das Jobcenter für die Zahlungen aufkommen, die für Miete und Heizkosten fällig werden. Aber gerade hier kommt es immer wieder zu Problemen.

In Berlin verlor eine Frau ihre Wohnung, nachdem ihr Jobcenter die Zahlungen ihrer Miete einstellte – und eine Rückzahlung von knapp 1000 Euro von ihr forderte. Angeblich waren ihre Angaben zu den Kosten ihrer Wohnung fehlerhaft. Durch die Prüfung eines Anwalts stellte sich heraus: Das Jobcenter lag falsch und die Forderungen waren rechtswidrig. Diese Erkenntnis brachte der jungen Frau natürlich nicht ihre Wohnung zurück.
Ein solcher Fehler ist leider kein Einzelfall. Die Jobcenter in Berlin sind laut einer Studie mit dafür verantwortlich, dass jährlich 5.000 bis 7.000 Menschen ihre Wohnung verlieren.

Auch die Suche einer neuen Wohnung wird durch das Verhalten des Jobcenters erschwert. Denn die Mietpreise für Wohnungen steigen kontinuierlich und Sozialwohnungen sind knapp. Die Kosten, die als Hartz 4-Empfänger für eine Wohnung ausgegeben werden dürfen, werden aber nicht angepasst. Leistungsempfänger können sich eine Wohnung also schlichtweg nicht mehr leisten.

In Berlin gibt es offenbar eine ganze Ansammlung von Flopcentern. Das ist mehr als genug, um die Stadt in unsere Top 3 der Flopcenter aufzunehmen.

Flopcenter Nr. 1: Dortmund

Wer betteln geht, damit er über die Runden kommt, macht dies nicht freiwillig. Und bestimmt nicht, damit er dem Jobcenter ein Schnippchen schlägt. Das zeugt von purer Verzweiflung und davon, dass die geringen Hartz 4-Regelsätze schlichtweg nicht zum Leben ausreichen.

Ein 50-jähriger aus Dortmund erhält Hartz 4-Leistungen. Dennoch stellt er sich regelmäßig in die städtische Fußgängerzone und hofft, dass jemand ein paar Euro für ihn über hat. So will er sich und seiner Lebensgefährtin auch mal etwas Gutes gönnen. Dass er dafür teilweise Stunden in der Kälte ausharren muss, nimmt er in Kauf.

Doch dann „erwischt“ ihn eine Mitarbeiterin des Jobcenters. Und ihr passt das Verhalten ihres „Schützlings“ gar nicht. Prompt wird veranlasst, dass dem Mann seine Leistungen gekürzt werden. Und zwar direkt um 300 Euro im Monat. Es begründet die Sanktion damit, dass betteln mit einer Selbstständigkeit gleichzusetzen ist. Das Einkommen muss angerechnet werden.

Der Betroffene legte Widerspuch ein und erwirkte, dass ihm nur noch 90 Euro monatlich abgezogen werden. Auch hatte er Glück im Unglück, denn ein gemeinnütziger Verein hörte von seiner Geschichte und verkündete, dass sie ihm seinen Hartz 4-Regelsatz aufstocken würden. Für den Herren aus Dortmund ging die Geschichte also glimpflich aus, doch das Jobcenter erreicht den Platz 1 unseres Rankings. Wer es nötig hat auf einen Bettler loszugehen verdient den Titel „Flopcenter des Monats“.

Dir sind auch schon Flopcenter untergekommen? Lass dir die Willkür deines Sachbearbeiters nicht gefallen. Sende uns deinen Bescheid und unsere Anwälte überprüfen ihn für dich.

10 Replies to “Die Flopcenter im November”

  1. Gibt es für mich auch einen gemeinnützigen Verein, der meine Leistungen aufstockt? Ich bekomme pro Monat 431,10 Euro vom Jobcenter, und muss davon 500 Euro an Miete zahlen. Wie soll man davon leben???? Brauche auch noch Essen, Trinken, Bekleidung, etc.

  2. In Zossen das Jobcenter ist nicht besser.
    Habe zur Zeit eine Sanktion drin weil die behaupten ich hätte keine Unterlagen eingereicht bei einem Gespräch vor etwas längerer Zeit erklärte ich dem bearbeitet das Unterlagen schon des öfteren nicht angekommen sind Lohn Nachweise müssten in 5facher Ausführung im Haus rum schwirren.
    Jetzt hab uch angeblich Unterlagen nicht eingereicht leider kein Nachweis hab ein Wiederspruch geschrieben und Beschwerde nach Nürnberg aber ich muss jetzt drei Monate warten .drei Monate mit knapp 200 Euro weniger leben heftig.

    1. Ich schlage vor immer einen Zeugen mitzunehmen, entweder einen aus einem Verein, der Sozialberatung und Amtsbegleitung anbietet oder eine Person des Vertrauens, bei uns geben wir oft Unterlagen bei anderen Behörden ab – BA oder Kommune – da gibt es den Eingangsstempel und diese Behörden sind dazu auch verpflichtet – inzwischen wurde auch bei uns die Eingangsbestätigung wieder eingeführt!

  3. Dass ist in Niedersachsen – Wilhelmshaven genauso traurig dass man dennen immer hinterm arsch hinterennen muss ich habe auch sachen beim jobcenter eingereicht alle unterlagen was die brauchten und dann musste ich am monats ende zusehen dass die unterlagen wieder eingereicht werden um weiter leistungen zubekommen man kann wirklich immer wieder unterlagen einreichen wie man will man ist immer der doofe ist egal was man macht und dass ist traurig

  4. In Nürnberg ist jetzt auch die Eingangsbestätigung abgeschafft worden! Nicht nur das sie die Leistungsabteilung aus unserem Stadtbezirk in das Hauptarbeitsamt verlagert haben und ich somit durch die halbe Stadt laufen muss (da ich mir die Nürnberg-Pass-Fahrkarte nicht leisten kann, die wird im Januar eh teurer um über 1 €) was sich im Winter besonders gut macht! Nein, man bekommt keine Eingangsbestätigung von Briefverkehr mehr und ich habe somit keine Chance nachweisen zu können das ich geforderte Unterlagen abgegeben habe! Da ist die Kürzung schon vorprogammiert! Tolles Servicecenter! Wir haben den 6.12. und ich habe noch nicht einmal Bescheid bekommen ob oder ob nicht eine Erhöhung zum 01.01.2018 erfolgt!

    1. Nimm jemanden als Zeugen mit einer Kamera, Smartfone etc. mit, geht zum Briefkasten des Jobcenters, nehmt kamaratechnisch alles als laufenden Film auf, was in dem Briefumschlag drin ist, (filmt alles weiter), klebt den Umschlag zu und werft alles in den (Außen-) Briefkasten des Jobcenters. Zum Schluß fertigt ihr eine Niedrschrift über den Vorgang, welche vom Zeugen auch nochmal unterschrieben werden soll. Film sichern, evtl. durch hochladen irgendwo mit Datumstempel sichern (z.B. von einer eigenen Emailadresse zur anderen eigenen schicken, wenn Emailgröße reicht, sonst halt ein paar ausgeschnittene Bilder davon) Sollte wohl als Abgabenachweis ausreichen. (Keine Rechtsberatung !!!)

    2. Der Mitarbeiter, der die Sachen angenommen hat, hat wahrscheinlich ein Namensschild, wenn nicht nachfragen und dann Dienstaufsichtsbeschwerde an die Geschäftsleitung schicken.
      Für das Schaffen des bezahlbaren Monatstickets ist die Kommune zuständig – dazu ist sie verpflichtet, da gibt es Entscheidungen, aber man muss gegen die Kommune vorgehen, ob über Verwaltungsgericht oder als Petition, wie es in NRW grade geklappt hat!

  5. Ich kenne eine alleinerziehend Mütti mit zwei kindern. Davon ist ein kind behindert ( Autist)
    Die junge Mutti, pflegt das Behinderte kind. Sie ist nichz in der Lage arbeiten zu gehen auch, wenn sie gerne arbeiten gehen möchte. Der Behinderte Sohn, brauch unbediengt ein neues Bett. Aber bekommt vom Jobcenter stellt sich qwer. Da, sie sich von ihren Lebenspartner getrennt hat und er Ihr einige die Möbel nicht da lässt, steht sie jetzt auch ohne Küche, Cauch, Badmöbel da. Erstaustattung bekommst sie nicht mehr, weil Ihr ex. Lebenspartner, beim gemeinsammen Umzug die Erstausstattung sich einfach auf seinen Konto Überweiß lassen hat, trotzdemd er nu zur Betarfgemeinschaft gehört hat.Er könnte auf den Jobcenter machen was er wollte, hatte alles bekommen, ohne dasmeine Bekannte bescheid wuste.Hilfe bekommt sie vom Jobcenter nich. Wo, sind wir nur gelandet. Armes Deutschland

    1. Das würde ich dem Amt genau so mitteilen und wenn sie wirklich eine Ablehnung bekommt, dann Widerspruch und “Einstweilige Verfügung” – sogenannte Eilklage – einreichen und dann mit diesem Ablehnungsbescheid zu Diakonie/Caritas gehen, die haben Stiftungen, wo man Hilfe bekommt

  6. Schon meine Grossmutter Jahrgang 1923 nie berufstätig und aus einfachen Verhältnissen stammend wußte mich bereits als Kind folgende Weisheiten zu lehren die Alles zu diesen Vorfällen aussagen:

    “Wenn der Dreck zu Mist wird will er gefahren werden!”

    “Du kannst ein Schwein waschen, rasieren und in eine feinen Anzug stecken, es bleibt ein Schwein!”

    Daran ändern auch hochtrabende Titel nichts.

    Uns schliesslich gilt: “Die Wahrjheit dar man sagen!” Fragt sich nur wie lange noch und wann dieses blöde Volk endlich seinen Arsch hochbekommt.

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