Aufschrei: witzige Werbekampagne zur Abschaffung von Sanktionen

Eine satirische Werbekampagne, die das Jobcenter veralbert, macht derzeit online und an Plakatwänden in ganz Deutschland die Runde. Hartz 4 wird dort als Erfolgsmodell dargestellt und Hartz 4-Empfänger werden aufgerufen ihre Erfolgsgeschichten zu teilen. Doch wer steckt dahinter? Das Jobcenter wiegelt ab.

Was ist passiert?

Die Kampagne mit dem Titel „Happy Hartz“ startete vor kurzem in den sozialen Netzwerken auf Plakatwänden und auf der Website mein-jobcenter.com. Sie richtet sich laut einer Pressemitteilung „vor allem an eine junge Zielgruppe, die sich der weltweit einzigartigen Privilegien des deutschen Sozialstaates oftmals nicht bewusst ist“. Auf der Website werden zudem junge Bezieher von Hartz 4-Leistungen aufgerufen ihre Erfolgsgeschichten zu teilen da ihnen „unser Sozialsystem Sicherheit gibt und Chancen eröffnet“.
Begründet wird das ganze anhand von drei Erfolgsgeschichten. Da wäre zum einen Anna, 28 Jahre alt, die dank Hartz 4 Kindererziehung und ihr Studium unter einen Hut bekommt. Auch der 47-jährige Andreas will sich als Tischler selbstständig machen und Hartz 4 und das Jobcenter helfen ihm dabei. Dann ist da noch Timo, 18, der ist schon seit seiner Jugend von Sozialhilfe abhängig, da seine Mutter auch arbeitslos ist. Durch Hartz 4 kann er nun endlich eine Ausbildung anfangen.

Jobcenter steckt nicht hinter der Kampagne

Es ist offensichtlich, dass es sich bei der Aktion um Satire handelt. Denn die über vier Millionen Betroffenen sind sicherlich alles andere als „happy“ mit Hartz 4. Das Jobcenter steckt offenbar nicht dahinter und rät sogar von der Kontaktaufnahme mit den Initiatoren ab. Das Jobcenter hat natürlich aufgrund seines ohnehin riesigen Imageproblems kein Interesse daran, dass eine Kampagne, bei der es lächerlich gemacht wird, hohe Wellen schlägt.

Nach dem Versteckspiel der letzten Tage gab sich nun der Verein „Sanktionsfrei“ als Drahtzieher zu erkennen. Der Verein setzt sich gegen die Bevormundung und Demütigung von Hartz 4-Empfängern ein und wollte auf satirische Art auf die Fehler im System aufmerksam machen. Die Agentur die an der Kampagne mitwirkt äußerte sich dazu wie folgt: „Diese Sanktionen sind schwarze Pädagogik aus dem vorletzten Jahrhundert“ (…) „Die Betroffenen erleben es nicht als Hilfe, sondern als Demütigung. Und das liegt zu einem großen Teil an den Sanktionen, die abschrecken sollen“. (…) „Wenn mir mein gesamtes Einkommen gestrichen würde, wüsste ich, was ich als 20-Jähriger denken würde: ‚Mittelfinger hoch‘. Wenn wir die Menschen für unsere Gesellschaft begeistern wollen, müssen wir Sanktionen abschaffen.“

Aber nicht alle sind mit der Art und Weise, wie auf den Sanktionswahnsinn aufmerksam gemacht wird glücklich. Inge Hannemann, Mitbegründerin des Vereins „Sanktionsfrei“ und in der Partei „Die Linke“ aktiv findet, Hartz 4 sei ein viel zu ernstes Thema als dass man es mit Humor nehmen könne. Vor allem die betroffenen Hartz 4-Bezieher dürften nicht wirklich herzhaft darüber lachen können.

Werden Hartz 4-Sanktionen abgeschafft?

Ob die Kampagne tatsächlich Erfolg hat und Sanktionen des Jobcenters endlich abgeschafft werden, wird sich zeigen. Es muss sich in Politik und Gesellschaft endlich die Erkenntnis durchsetzen, dass der Entzug der Lebensgrundlage als Bestrafung unmenschlich und deshalb nicht angemessen ist. Noch bitterer ist, dass Hartz 4-Empfänger oft ohne eigenes Verschulden sanktioniert werden und knapp die Hälfte der Jobcenter-Bescheide falsch sind. Im Moment kann also nur rechtlich gegen das Jobcenter vorgegangen werden. Die Partneranwälte von hartz4widerspruch.de beraten dich gern und legen auch Widerspruch gegen deinen Bescheid ein. Als Hartz 4-Empfänger fallen für dich keine Kosten an.

4 Antworten auf „Aufschrei: witzige Werbekampagne zur Abschaffung von Sanktionen“

  1. Warum geht Ihr nicht arbeiten? Ich habe immer gelernt: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Zum „große Texte schreiben“ reicht es ja anscheinend mit den Fähigkeiten.

  2. Warum wird immernoch von den Kriminellen Hartz noch Werbung gemacht?
    Ich frag mich immer, wenn über „Hartz4 Empfänger „ gesprochen wird, warum gehen die Leute noch zum Arbeitsamt? wer eigentlich zahlt das Arbeitslosengeld? das Arbeitsamt oder der Hartz?
    Wenn ich von den Hartz das ALG bekommen würde, wäre ich schon lange Tod, Verhungert!!!!!,
    Darum weg mit dem Name „Hartz 4 „
    Es heißt. „ALG 2 „
    Ich frag mich, warum eigentlich die Mitarbeiter vom Arbeitsamt das zulassen,
    den „sogenannten Hartz 4 Empfänger Geld auszahlen „ ?

  3. Hallo !!!!!

    das meine ich auch, genau so ist es !!!!!

    Nur die Rechtsanwälte Halten von dem Grundgesetz nichts, dann kommt nur die antwort wissen sie !!!!! und dann kommen nichts.
    Man bekommt keinen richtige antwort !!!!! warum ????
    Ich habe das befinden das keiner sich an das Grundgesetz mehr hält !!!!!
    warum ????

    lg. a. piechnitzek

  4. Der standardmäßige Beipackzettel Rechtsfolgenbelehrung vom Arbeitsvermittler, welche den Kunden ohne Tatbestand und begründeter Rechtsnorm viel mehr in einen Rechtskonflikt hinein zieht, ist doch grundsätzlich schon Verfassungswidrig. Die Sanktionsankündigung dient alleine dem zweckrationalen Beweggrung einen logischen Sachzwang zu erzeugen.

    Als Sachzwang bezeichnet man einen Umstand bzw. eine Restriktion, der/die – tatsächlich oder vermeintlich nicht veränderbar – ein Entscheidungsfeld beschränkt. Ein Sachzwang ist psychologisch gesehen die Tendenz zur Einschränkung der Handlungsmöglichkeiten, die ein Individuum in einer bestimmten Situation hat oder zu haben glaubt. Sachzwänge können sich aus materiellen Situationsdetails entwickeln (z. B. extreme Temperatur) oder sozial bedingt sein (z. B. Leistungsdruck) und stellen in der Regel eine Einschränkung der individuellen Freiheit dar. Der Anteil der individuell verantworteten Handlungsvarianten wird durch Sachzwänge zugunsten des Einflusses der Situationsbedingungen vermindert. Psychologisch gesehen ist das Individuum von außen zu einer bestimmten Handlungsfolge gedrängt, ohne es selbst wirklich zu wollen. Alleine das stellt schon einen „Erheblichen Eingriff“ in die Grundrechte Art.2 Abs.1 GG dem „Schutz der Allgemeinen Handlungsfreiheit“ und Art.2 Abs.1 GG in verb. Art.1 Abs.1 GG dem allgemeinen Persönlichkeitsrechts dar.

    Als grundrechtsrelevante Eingriffe in die Allgemeine Handlungsfreiheit werden nur „erhebliche Eingriffe“ verstanden, während Bagatellen schon nicht als Eingriff in den Schutzbereich des Art. 2 Abs. 1 GG angesehen werden. Vom Grundrechtsschutz der Allgemeinen Handlungsfreiheit werden allerdings nicht nur „klassische“ Eingriffe, also zielgerichtete (finale), unmittelbare, rechtsförmige und notfalls mit (Verwaltungs-)Zwang durchsetzbare Eingriffe, umfasst, sondern auch solche Maßnahmen, die nur zu faktischen Beeinträchtigungen führen.
    https://www.grundrechteschutz.de/gg/freie-entfaltung-der-personlichkeit-258

    Das allgemeine Persönlichkeitsrecht wird verstanden als ein absolutes umfassendes Recht auf Achtung und Entfaltung der Persönlichkeit. Es wurde 1954 vom Bundesgerichtshof entwickelt und wird auf Art.2 Abs.1 (Freie Entfaltung der Persönlichkeit) in Verbindung mit Art.1 Abs.1 GG (Schutz der Menschenwürde) gestützt. Das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit und die Menschenwürde sichern jedem Einzelnen einen autonomen Bereich privater Lebensgestaltung, in dem er seine Individualität entwickeln und wahren kann. Hierzu gehört auch das Recht, in diesem Bereich „für sich zu sein“, „sich selber zu gehören“, ein Eindringen oder einen Einblick durch andere auszuschließen. Die Intimsphäre sowie die engste Privatsphäre stellen dabei einen unantastbaren Bereich privater Lebensgestaltung dar, der dem staatlichen Zugriff verschlossen ist. In dieser engsten Sphäre ist ein staatlicher Eingriff regelmäßig unzulässig und kann auch nicht durch eine Verhältnismäßigkeitsabwägung gerechtfertigt werden. Auch der Gesetzesvorbehalt gem. Art.2 Abs.2 GG oder die sogenannte Schranken-Schranken gelten in dieser engsten Sphäre wegen der engen Verknüpfung mit der in Art.1 Abs.1 GG als unantastbar garantierten Menschenwürde nicht. Zu dieser dem Zugriff des Staates generell entzogenen Sphäre zählt mit ihrem Kernbereich auch der Schutz der Ehre.
    https://www.grundrechteschutz.de/allgemein/allgemeines-personlichkeitsrecht-260

    Der Wortbedeutung nach, wie auch im soziologischen Verständnis, können Sanktionen grundsätzlich positiver oder negativer Art sein: Eine positive Sanktion ist eine – nicht zwangsläufig materielle – „Belohnung“; eine negative Sanktion eine „Bestrafung“. Ansonsten sind mit Sanktionen in der Regel durch Gesetze „angedrohte Strafmaßnahmen“ gemeint, die darauf ausgerichtet sind, konkretes Fehlverhalten zu unterbinden und damit Rechtsnormen durchzusetzen. Die Sanktion gilt als eine Ausnahmereaktion, die, wäre sie nicht Sanktion, selbst Normbruch wäre und daher einer „Reaktionsnorm“ folgen muss: Gefängnisstrafen wären Freiheitsberaubung, würden sie nicht als Sanktion gerechtfertigt werden. Die Durchsetzung einer vorab angekündigten negativen Sanktionierung in Form von Leistungskürzungen, ist demnach sinngemäß weder eine Sanktion noch eine Ausnahmereaktion, sondern eine Repressionsmaßnahme. Die Wortbedeutung Repression, repressiv oder reprimieren (von lateinisch reprimere „zurückdrängen“) steht; in der Politik für Unterdrückung, gezielte Willkür, Gewalt und Machtmissbrauch gegenüber Personen, Gruppen oder Gesellschaften.

    Das ist keine schwarze Pädagogik (was auch immer das sein soll) aus dem vorletzten Jahrhundert, sondern eine absolut Verfassungswidrige Missachtungspraxis des grundlegenden Staatsprinzip und der freiheitlich demokratischen Grundordnung des Grundgesetzes. Die Hartz-4 Sanktionen werden frühestens erst dann wieder abgeschafft, wenn das Raumschiff Berlin mit seiner wirtschaftspolitischen Deflationspolitik ala Heinrich Brüning, volkswirtschaftlich abgestürzt ist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.